In eigener Sache: Wollen wir uns ab jetzt duzen?

Nachdem ich die ersten acht Artikel geschrieben und hier veröffentlicht hatte, bin ich mal durch den Park spaziert. Plötzlich schoss mir durch den Kopf: „Warum verwende ich eigentlich in meinen Artikeln die Ansprache „Sie“?“ Das musste wohl ein altes Kommunikationsmuster von mir sein, das die ehemalige formbewusste Rechtsanwältin in mir beibehalten hatte. Denn ich hatte nicht bewusst darüber nachgedacht, ob ich Sie als Leser siezen oder duzen will, sondern automatisch zum „Sie“ gegriffen. Ich fing an zu reflektieren, warum ich das getan hatte.

Meine persönliche Einstellung zum Siezen und Duzen

Selbst zu Zeiten, als ich noch in einem internationalen Konzern arbeitete, habe ich in den letzten Jahren durchweg die „Du-Anrede“ bevorzugt und so weit wie möglich benutzt. „Hereingeschwappt“ war das bei mir über die internationale Arbeit, in der die Anrede mit „you“ und mit dem Vornamen eine Selbstverständlichkeit war. Mit meiner Vorliebe zum Duzen war ich trotzdem eine Art Paradiesvogel im ansonsten sehr konservativen Rechtsbereich, in dem von manchen sogar die Dr. –Titel noch als Teil der Ansprache verwendet wurden. Ich hingegen habe mich damals sogar mit meinen eigenen Mitarbeitern geduzt, was ich insgesamt als positive Rahmenbedingung empfunden habe, aber von meinen Abteilungsleiter-Kollegen schräg angeguckt wurde. Das war irgendwann einmal dadurch entstanden, dass ich es im Rahmen einer internationalen Veranstaltung, die wir gemeinsam organisiert und durchgeführt haben, für alle als doof und umständlich empfunden hatte, in der gemeinsamen englischen Kommunikation mit ausländischen Kollegen mit „you“ und Vornamen zu operieren, dann aber im Deutschen wieder auf „Sie“ und „Herr…“ bzw. „Frau …“ zu wechseln. Erst sperrten sich meine Mitarbeiter vor meiner Idee, wohl weil sie fürchteten, ich würde – sinngemäß – eher „Du Arschloch“ als „Sie Arschloch“ zu ihnen sagen. Und wenn ich mich daran zurückerinnere, wie ich damals war, habe ich großes Verständnis für diese Sorge meiner ehemaligen Mitarbeiter. Zwar habe und hätte ich das Wort „Arschloch“ natürlich nie in den Mund genommen, aber ich war wirklich sehr hart und sehr direkt und hatte einen Hang zu autoritärem Gehabe. Meine Mitarbeiter gaben mir dann trotzdem eine Chance und willigten schließlich ein. Das erstaunliche Ergebnis: Seither waren meine Mitarbeiter noch viel mehr Mensch für mich als vorher! In der Sache war ich zwar unverändert hart, aber das geht auch nicht anders. Menschlich jedoch wurde ich nicht nur respektvoller, sondern auch sehr viel empfänglicher und verständnisvoller. Nach meiner eigenen Erfahrung verbinde ich also mit dem Duzen nur positive Wirkungen!

Eigentlich umso erstaunlicher, dass mein automatischer Reflex war, in meinen Artikel auf dieser Seite die „Sie-Form“ zu verwenden, nicht wahr? Und ich fragte mich weiter: Warum habe ich das so blind gemacht?

Ich fand das umso erstaunlicher, als ich mir vor Augen führte, dass im Bereich der Spiritualität und des geistigen Heilens eigentlich  immer sofort alle „per Du“ sind. Warum musste ich da „aus der Reihe tanzen“ und meine Leser siezen?

Meine bewusste Entscheidung, vorerst trotzdem beim „Sie“ zu bleiben

Ich war ein bisschen über mich selbst verwirrt und erstaunt, insbesondere darüber, dass ich eine so eine wichtige Entscheidung vollkommen unbewusst und entgegen meiner eigenen persönlichen Neigungen durchgewunken hatte. Dann kam ich meinen eigenen Gedankenschlingen auf die Schliche. Mir ging es tatsächlich darum, ein Signal zu setzen: Was ich in die Welt bringen will, ist keine naive „Du musst daran glauben“-Spiritualität, sondern intelligente Spiritualität, die darauf setzt, dass Menschen selbstständig denken und verstehen können und wollen. Das ist für mich der Inbegriff von Spiritualität: Dass jeder Mensch selbstständig denkt, seine eigene Meinung findet und vertritt!!! Nach meinem Verständnis ist das auch einer der wesentlichen Gedanken, die Jesus Christus uns lehren wollte.

Ich wollte mich bewusst distanzieren von einigen Bereichen der Spiritualität, in denen dieser Gedanken – um es vorsichtig auszudrücken – nicht gelebt wird. Wenn ich selbst nicht in so großer Not gewesen wäre, hätte ich mich auf vieles, was ich erlebt habe, nicht einlassen können. Es wurde mir nahegebracht nach dem Motto: „Das ist so, und das muss Du so glauben, auch wenn wir es Dir nicht erklären können. Nachfragen sind unerwünscht. Wenn Du Dich nicht darauf einlassen kannst, dann stimmt was mit Dir nicht.“ Am Anfang, als ich von vielem noch keinerlei Ahnung hatte, konnte ich noch ganz gut damit umgehen und habe mich da so durchgehangelt in der Haltung: „Ich gucke mal, wie es wirklich ist.“ Je eigenständiger ich durch mein intensives spirituelles Studium jedoch wurde, desto mehr hat mich das wirklich sehr gestört, wenn mir jemand das Denken, Reden, Fragen oder gar meine eigenen Entscheidungen verbieten wollte.

Dabei habe ich auch meine eigene Grundhaltung gefunden, die mir sehr wichtig ist: Jeder Mensch muss seinen eigenen Weg finden und selbst herausfinden, was er oder sie glauben und welchen Weg der Heilung er wählen will. Dabei gibt es keine Wertung, was „besser“ oder „schneller“ hilft, sondern was zählt ist, dass jeder frei wählen kann, was für ihn oder sie passt. Alles, was ich Ihnen anbieten kann, ist das, was ich für mich als stimmig herausgefunden habe. Es ist Ihre Entscheidung, ob Sie das annehmen wollen oder nicht. Auf meine Meinung von Ihnen hat das keinerlei Einfluss, einfach weil ich weiß und auch bei anderen sehen kann, dass jeder Mensch etwas anderes für seine Heilung braucht. Manchmal muss man auch Schleifen oder die berühmten „drei Schritte vor, zwei zurück“ gehen. Und was mir am meisten am Herzen liegt: Fragen, Widerspruch und Kritik sind ausdrücklich erwünscht!!! Denn so habe ich die Chance, auch von und mit Ihnen zu lernen!

Mein besonderes Anliegen ist: Ich möchte es anderen Menschen, die ähnlich wie ich ticken, leichter machen, sich auf Spiritualität einzulassen. Deshalb habe ich zum „Sie“ gegriffen. Ich werde nie sagen, dass das, was für mich die Wahrheit ist, auch Ihre Wahrheit sein muss. Ich will Ihnen nur Angebote machen, die eigene Sichtweise auf sich und die Welt aus einer anderen Perspektive wahrzunehmen. Wenn Sie dann bei Ihrer alten Sichtweise bleiben wollen, ist das für mich in Ordnung. Deshalb habe ich mich damals nach dem achten Artikel dann auch noch einmal bewusst dafür entschieden: Ich bleibe vorerst beim „Sie“. Ich wollte Ihnen nicht gleich mit dem „Du“ auf die Pelle rücken, sondern erst mal gucken wie sich das entwickelt.

Warum ich jetzt doch zum (qualifizierten) „Du“ wechsle

Dass ich jetzt in meinen Artikel doch zum Du übergehen werde, habe ich mir sehr genau überlegt und hat drei Gründe: Mir wird immer klarer, wie hochpersönlich spirituelle Entwicklung tatsächlich ist, und zwar erst recht so, wie ich sie verstehe und vertrete. Wenn ich Dich also künftig mit „Du“ anspreche, meine ich wirklich Dich ganz persönlich. Für mich ist tatsächlich jeder Mensch ein Unikat mit den Dimensionen eines Universums. Mit jedem Artikel versuche ich Kontakt speziell zu Dir herzustellen. Der Kontakt ist einfach persönlicher, wenn wir per „Du“ kommunizieren.

Außerdem will ich ja mit meinen Artikeln erreichen, dass bei Dir auch ein innerer Dialog mit Dir selbst ausgelöst wird. Und da Du Dich selbst ganz sicherlich nicht siezen wirst, erreiche ich diesen Effekt eher, wenn ich im Artikel die „Du“-Form verwende.

Last but not least, ist es schlicht praktischer, weil ich bei der Arbeit selbst immer das persönlichere „Du“ verwende. Da sich zunehmend über das Internet Menschen an mich wenden, komme ich immer wieder in diese komische und umständliche Situation, das „Du“ vorschlagen zu müssen. Ich will dieses ganze „Anstandszeug“ nicht mehr in meinem Leben haben. Ich möchte so sein, wie ich bin, und möchte auch Dich so erleben, wie Du bist, und das geht leichter, wenn wir uns duzen.

Sind Sie / bist Du damit einverstanden?

 

KatrinIn eigener Sache: Wollen wir uns ab jetzt duzen?