Nr. 13: Wissen Sie, wie man Muster auflöst?

Wie Sie aus dem letzten Artikel wissen, enthalten die meisten Muster Bestandteile aus Verhalten, Denken und/oder Fühlen. Es gibt keine Muster, die nur einen Bestandteil enthalten. Allenfalls Gefühlsmuster können auf den ersten Blick als „Mono-Muster“ erscheinen, enthüllen aber bei genauerer Betrachtung immer auch ein Gedankenmuster dahinter, weil Gefühle nichts anderes sind als „komprimierte“ Gedanken. Warum ich trotzdem auf der Unterscheidung der Ebenen von Verhalten, Denken und Fühlen immer wieder herumreite, hat zwei Gründe:

1.) Fehlgeleitetes Verhalten lässt sich einerseits leichter ändern, weil man sein Verhalten über den bewussten Willen relativ leicht steuern kann. Andererseits lassen sich die Folgen destruktiven Verhaltens schwerer korrigieren als die destruktiven Denkens und Fühlens. Das ist mit Blick auf das Gesetz von Ursache und Wirkung, auf das im nächsten Artikel eingehen werde, von erheblicher Bedeutung. Und das Denken lässt sich wiederum leichter ändern als die Gefühlswelt. Mit anderen Worten: Ich will in Ihnen Bewusstheit für Prioritäten wecken. Wenn Sie auf der Verhaltensebene „sauber“ sind, spielen Sie schon in der Top-Klasse der Bewusstheit mit.

2.) Außerdem geht es mir darum, Ihnen eine Struktur anzubieten, wo Sie ansetzen können, um Ihre Seele zu läutern. Unsere Seele ist oder hat Potential für unendliche Tiefe, Fülle und Reichtum. Sie besitzt eine Komplexität, an die nichts auf der Welt herankommt. Jedes Wirtschaftssystem oder gesellschaftliches Konstrukt ist dagegen – so komplex es auch sein mag – langweiliges Larifari. Die Seele des Menschen ist auch weit spannender als jedes Fernsehprogramm oder Unterhaltungsangebot im Internet. Das kann nur verstehen, wer verinnerlicht, dass das, was wir in der Welt im Außen sehen, immer nur Teilausschnitte dessen sind, was eine gewisse Anzahl von Seelen in die Welt gebracht haben. Mit anderen Worten: Das, was Sie im Außen in der Welt sehen, ist ein Bruchteil dessen, was in einer oder mehreren Seelen auf der Erde angelegt ist. In unseren Seelen schlummert noch so viel mehr als das, was wir da draußen sehen können. Und gerade weil unsere Seelen ein Meer der unendlichen Möglichkeiten enthalten, verliert man manchmal den Überblick, wo man ansetzen kann, um dieses Potential zu heben. Deshalb erscheint mir Struktur so wichtig. Wenn Sie einen Ansatzpunkt haben, können Sie anhand dessen das ganze Muster erforschen, was übrigens meistens auch noch mit anderen Mustern verkettet ist.

Wie Sie Verhaltensmuster auflösen

Verhaltensmuster oder Verhaltensanteile in Mustern sind schwerer aufzuspüren als aufzulösen. Das Auflösen ist relativ einfach. Je geübter Sie in der Selbstbeobachtung sind, desto mehr werden Sie feststellen, dass sich Ihnen ein Entscheidungsfenster auftut, bevor Sie ein Verhaltensmuster automatisch „abarbeiten“. Sie werden nicht mehr blind ausagieren, sondern einen Moment Zeit haben zu überlegen: Will ich das wirklich tun? Am Anfang können Sie sich damit überfordert fühlen, weil die Zeit für eine Entscheidung viel zu kurz erscheint. Dann flutscht Ihnen vielleicht das alte Musterverhalten doch noch mal heraus. Macht nichts! Klopfen Sie sich auf die Schulter, dass Sie überhaupt erkannt haben, dass Sie ein Muster ausagieren. Im nächsten Schritt gehen Sie dann vielleicht dazu über, im Entscheidungsmoment zu sich selbst oder auch laut zu sagen: „Ich muss mal einen Moment darüber nachdenken, wie ich darauf reagieren will.“ Machen Sie sich darauf gefasst, dass die Mitmenschen, die mit Ihnen im engen Kontakt stehen, das nicht mögen werden. Denn die meisten Menschen wollen in dem automatischen Mustermodus bleiben und empfinden jeden, der aussteigen will, als Bedrohung. Diese Menschen spüren, dass sich bei Ihnen Veränderung entwickelt und haben Angst davor, weil sie fürchten, sie selbst müssten sich dann auch ändern. Trotzdem können Sie in dieser Situation lernen. Denn Sie können in sich hineinhorchen, was es in Ihnen anrichtet, dass ein Mensch, der Ihnen nahe steht, mit Abwehr reagiert. Ist es Angst, diesen Menschen zu verlieren? Denken Sie automatisch: „Mit mir stimmt was nicht.“? Oder wollen Sie ganz schnell die Situation beschwichtigen, weil Sie die Disharmonie nicht ertragen? So können Sie neue Muster in sich aufspüren. Es ist aber in jedem Fall leichter zu üben mit Menschen, zu denen man kein engeres Verhältnis hat. In diesem Stadium ist es wichtig, dass Sie sich im Nachhinein angucken, was genau passiert ist und ob Sie so agiert haben, wie Sie es aus der Retrospektive heraus für richtig halten. Wenn Sie Ihr Verhalten nicht so glücklich fanden: Macht nichts! Sie haben Ihr Bestes gegeben. Die nächste Übungsmöglichkeit kommt bestimmt! Stellen Sie sich genau vor, wie Sie sich gern verhalten hätten und wie Sie sich dabei gefühlt hätten. Malen Sie sich das in allen Einzelheiten aus. Vielleicht werden Sie überrascht sein, wenn ich Ihnen jetzt sage: Genau das ist Gebet zu Ihrem inneren Gott! Denn Sie haben Gott und damit die unendliche Kraft der Veränderung in sich. Sie müssen diesen Gott in sich nur bewusst aktivieren, indem Sie ihn durch ein Gebet ansprechen! Und wenn Sie zufrieden mit sich und Ihrem Verhalten sind: Klopfen Sie sich auf die Schulter, danken Sie Ihrem inneren Gott, dass er sie gut geleitet hat, und freuen Sie sich über Ihren Fortschritt!

Wie Sie Gedankenmuster auflösen

Gedankenmuster aufzulösen ist ein klein bisschen schwieriger. Denn man muss meistens erst einmal ganz genau auf den Punkt bringen, was überhaupt das Muster ist. Gedanken wie „Das geht doch nicht!“ oder „Wie kann man nur!“ oder „Warum hat er/sie nicht…!“ müssen „übersetzt“ werden. Solange der Gedanke, mit dem Sie arbeiten, ein Geschehen im Außen betrifft, haben Sie es nicht mit Ihren ureigenen Gedankenmuster zu tun, sondern mit Urteilen über andere und die Welt, was nichts anderes sind als Projektionen, also ein ins Außen verlagertes Verhaltensmuster. Der Hang zum Urteilen, Verurteilen und Projizieren ist für sich gesehen ein Gedankenmuster. Hier gilt es, bewusst die Aufmerksamkeit von anderen abzuziehen und auf sich selbst zu fokussieren. Sie wissen ja: Ändern können Sie ausschließlich sich selbst. Lassen Sie andere Menschen so sein, wie sie sind. Wenn Ihnen nicht gefällt, wie andere Menschen sich verhalten, können Sie diesen Menschen ja aus dem Weg gehen. Konzentrieren Sie sich lieber auf sich: Warum finden Sie, dass etwas im Außen „anders“ sein sollte, als es ist? Mögen Sie das Gefühl nicht, das dadurch in Ihnen ausgelöst worden ist? Dann gucken Sie auf das Gefühlsmuster und konzentrieren Sie sich darauf, es aufzulösen. Dazu gleich mehr. Widerspricht das Verhalten des anderen Ihren Vorstellungen davon, wie Menschen sich verhalten sollten? Diese Vorstellungen haben mehr mit Ihnen selbst als mit dem anderen zu tun. Wie wollen Sie selbst sein? Was verlangen Sie sich selbst ab? Welche „Regeln“ haben Sie für einen solchen Sachverhalt für sich selbst verinnerlicht? Wollen Sie eigentlich Anerkennung dafür, dass Sie selbst diese Regeln einhalten? Oder lehnen Sie in sich selbst ab, wenn Sie sich so verhalten, wie es der andere gerade tut? Wenn andere Menschen etwas tun, was Ihre Gedanken in Aufruhr bringt und Ihr Unterbewusstsein diese Aufruhr mit Mustern zu bewältigen versucht, gibt es drei Möglichkeiten:

1.) Sie selbst legen gegenüber anderen genau das gleiche Verhalten an den Tag oder haben den gleichen Fehler wie das Gegenüber, das Sie verurteilen, Sie wollen es nur nicht angucken. Denn das würde einen empfindlichen Schlag für Ihr Selbstbild bedeuten.

2.) Sie selbst behandeln sich selbst (auf einer unterbewussten Ebene) genau so, wie Sie gerade von Ihrem Gegenüber behandelt werden, und Sie haben einen unbewussten inneren Kampf am Toben, weil Ihr inneres Wesen so nicht – auch von Ihnen selbst nicht – behandelt werden will.

3.) Sie erlauben sich selbst nicht, was der andere sich herausnimmt. Dabei würden Sie es auch gern tun, wenn Sie ehrlich mit sich sind, trauen sich aber nicht, was diverse Gründe haben kann, die dann das eigentliche Gedankenmuster sind, zum Beispiel: „Die Belange und Bedürfnisse anderer oder einer bestimmten Person sind immer wichtiger als meine eigenen.“ , „Ich darf mich nicht hervortun!“, „Ich darf mich nicht durchsetzen, sondern muss lieb und freundlich sein.“ oder „Arbeit ist immer wichtiger als Freude und Spaß.“

Die ersten beiden Fallgruppen sind Projektionen, also die gedankliche Verlagerung eines eigenen Fehlverhaltens oder Fehlers auf eine andere Person. Projektionen nimmt man zurück, indem man sich über das eigene Fehlverhalten/Fehler klar wird und sich ändert. Nur die dritte Fallgruppe sind tatsächlich Gedankenmuster.

Es gibt daneben noch viele, viele andere Erscheinungsformen von Gedankenmustern. Gedankenmuster sind immer Tatsachenannahmen, die man ungeprüft von irgendjemandem – Eltern, Lehrer oder andere Autoritäten – übernommen hat und als Leitlinie für das eigene Handeln zugrunde legt. Um Ihnen andere Beispiele zu geben:

  • „Männer sind Frauen immer überlegen.“
  • „Zu lieben ist gefährlich. Deshalb muss ich mich bedeckt halten.“
  • „Ich bin Opfer der Umstände und kann sowieso nichts ändern.“
  • „Ich verdiene keine Liebe.“
  • „Wut ist schlecht.“

Wenn man einmal ein Gedankenmuster klar herausgeschält hat, lässt es sich recht einfach auflösen, indem man es auf seinen Wahrheitsgehalt hin überprüft: Stimmt das, was ich denke? Ist es wirklich wahr? Kann man es vielleicht auch grundsätzlich anders sehen? Oder ist das nur in bestimmten Situationen, aber nicht immer wahr? Ist dieses Gedankenmuster konstruktiv? Gleichzeitig werden Sie merken, dass jedes Gedankenmuster mit einem Gefühl unterlegt ist. In den vorstehend genannten Beispielen könnten das sein (in gleicher Reihenfolge):

  • Bei Männern: Überlegenheitsgefühle und Frauenhass; bei Frauen: Minderwertigkeitsgefühle, Neid und Männerhass.
  • Angst, Selbsthass
  • Ohnmacht, Angst, Hass und Selbsthass
  • Minderwertigkeitsgefühle, Scham, Schuld und Selbsthass
  • Überlegenheitsgefühle, Wut, Scham und Schuld

Diese Gefühle verschwinden manchmal, aber nicht immer sofort, wenn man das Gedankenmuster aufgelöst und verändert hat, und zwar insbesondere, wenn es sich um tiefliegende Gefühlsmuster handelt.

Ein typisches Gedankenmuster ist außerdem, wenn sich die Gedanken ständig in den gleichen Gedankenschleifen wiederholen, ohne dass man zu einer Lösung kommt. Das ist immer ein Abwehrmechanismus dagegen, ein Gefühl zu spüren. Gehen Sie dann in sich und fragen Sie sich: „Welches Gefühl versuche ich gerade zu vermeiden?“ und arbeiten Sie mit dem Gefühl.

Wie Sie Gefühlsmuster auflösen können

Gefühlsmuster aufzulösen ist die Königsdisziplin. Dabei ist, wer überhaupt seine Gefühle zulassen und wahrnehmen kann, seinen allermeisten Mitmenschen schon weit voraus! Denn heute sind selbst die meisten Frauen von ihren Gefühlen abgeschnitten. Dabei sind Gefühle eigentlich von Natur aus die Domäne der Frauen (im Gegensatz zum rationalen Denken, das die natürliche Domäne der Männer ist). Das hat mit dem in unserer Gesellschaft üblichen Irrtum zu tun, dass das rationale Denken dem Gefühl grundsätzlich überlegen sei oder dass Vernunft sich in rationalem Denken erschöpft. Das stimmt nicht, sondern ist eine antiquierte Vorstellung aus dem Zeitalter der Aufklärung! Damals – vor mehreren hundert Jahren! – war die Betonung des rationalen Denkens wichtig und richtig und hat wichtige gesellschaftliche Veränderungen angestoßen. Dieser Ansatz ist heute aber überholt: Rationales Denken und Gefühle ergänzen einander. Nur ein ausgewogenes Miteinander kann wahrhaft vernünftige Ergebnisse hervorbringen. Deshalb hat ja die Natur vorgesehen, dass Frau und Mann sich zusammentun: Damit sie einander ergänzen können. Seien Sie also stolz auf sich, wenn Sie Ihre Gefühle überhaupt spüren und benennen können! Damit ist der wichtigste Schritt zur Auflösung bereits getan!

Gefühlsmuster aufzulösen ist zum einen deshalb etwas anspruchsvoller, weil diese nicht direkt über den bewussten Willen aufgelöst werden können, sondern nur mittelbar. Das zu wissen und zu verinnerlichen ist wichtig, weil man nur dann von dem Versuch Abstand nehmen kann, Gefühle bewusst steuern zu wollen. Wer Gefühle mit dem bewussten Willen steuern, verdrängen oder rationalisieren will, löst nichts auf, sondern gibt ihnen nur noch mehr Kraft, weil sie dann unterbewusst wirken. Was viele nicht wissen: Ihre unterbewussten Gefühle können bei anderen entsprechende Reaktionen hervorrufen. Das ist die Wirkweise des Gesetzes der Anziehung: Man zieht an, was in einem ist, und das gilt auch für unbewusste Gefühle. Das einzige, was Sie bewusst tun können ist, Gefühle bewusst zu spüren und solange „durchzufühlen“, bis sie nach und nach von allein verschwinden. Dieser Prozess muss häufiger – je tiefer das Gefühl verankert ist, desto häufiger – durchlaufen werden, bevor er zur Auflösung führt. Beschleunigen kann man diesen Prozess nur, indem man einen geschützten Raum – z. B. ein Coaching oder einen Bewusstheits-Zirkel – aufsucht, in dem Gefühle auch ausgedrückt (nicht ausagiert!) werden können. Im Alltagsleben ist dies nicht ratsam, weil das in den allermeisten Fällen zu Konflikten führt. Denn die meisten Menschen können nicht mit Gefühlen umgehen, manche reagieren auf den Ausdruck von Gefühlen sogar extrem aggressiv.

Zum anderen bergen Gefühlsmuster die Herausforderung, dass sie gleichzeitig konstruktive und destruktive Bestandteile aufweisen können. Wer zum Beispiel wütend ist, mag durchaus Anlass und Grund dafür haben, so dass die Wut an sich gesund ist. Es kann aber sein, dass die Wut unverhältnismäßig stark und dem Anlass nicht angemessen ist, wodurch die Wut über das gesunde Maß hinausschießt und damit ungesund wird. Gesunde Gefühle auflösen zu wollen, ist natürlich Unsinn und funktioniert auch nicht. Denn gesunde Gefühle sind Ausdruck unseres inneren Wesens, das gelebt werden will. Den Unterschied zwischen gesunden und ungesunden Gefühlsmustern kann aber nur spüren, wer in seiner Gefühlsarbeit schon weit fortgeschritten ist, weshalb ich das an dieser Stelle als Ausblick erst einmal so stehen lassen möchte.

Übrigens finden Sie im Artikel Nr. 40 „Kämpfen Sie mit einem besonders hartnäckigen Muster, dass sich partout nicht auflösen will?“ weiterführende Hilfe.

 

Bildrechte: Phil Whitehouse „Sand“, Quelle: piqs.de

KatrinNr. 13: Wissen Sie, wie man Muster auflöst?