Nr. 2: Haben Sie sich schon mal gefragt, wer oder was „Gott“ ist?

Ich habe lange überlegt, ob ich eine solche „gefährliche“ Frage tatsächlich zum Titel meines zweiten Blog-Beitrages machen soll. Viele schrecken vor dem Wort „Gott“ zurück, was ich gut verstehen kann. Denn mir ging es lange ähnlich. Umso wichtiger erscheint mir allerdings, dass Sie einschätzen können, von welchem Gottesverständnis ich ausgehe.

Zunächst ein paar Worte dazu, warum das Wort Gott bei vielen Unwillen hervorruft. Ich führe das weniger auf die Tatsache zurück, dass die Kirche in vorangegangenen Jahrhunderten im Namen Gottes systematisch gemordet und auch manch weltlicher Führer den Namen Gottes zur Rechtfertigung seiner Kriege missbraucht hat. Denn das kann jeder leicht als Missbrauch Gottes durch Menschen identifizieren und so das eine vom anderen trennen. Ich denke, es ist eher das Bild eines autoritären und richtenden Gottes mit Allmachtsanspruch, das insbesondere die katholische Kirche gezeichnet und in Verbindung gebracht hat mit Schlagwörtern wie „Schuld“, „Buße“ und „Beichte“. Gegen genau dieses Gottesbild richtete sich die im 17. Jahrhundert beginnende Bewegung der Aufklärung. Obwohl ich selbst evangelisch getauft und konfirmiert wurde (vor knapp 10 Jahren bin ich aus der Kirche ausgetreten), schwirrte dieses Gottesbild auch in meinem Hinterkopf herum. Und wer in einer aufgeklärten, rationalen und demokratisch geprägten Gesellschaft will sich schon freiwillig einem solchen Gott „unterwerfen“? Man würde sich selbst ja als naiv, irrational und „unaufgeklärt“, ja gar rückständig outen. Trotzdem wusste irgendetwas ganz tief in mir drin, dass es Gott gibt. Als ich mich Gott langsam näherte, stellte ich überrascht fest, dass das kirchliche Gottesbild in mir noch viel tiefer saß, als ich selbst je gedacht hatte: Es gab eine Phase, in der ich Angst vor Gott hatte und mich seiner unwürdig fühlte. Dass die Erfahrungen unserer Ahnengenerationen mit Gott und Kirche in unseren heutigen Körpern noch heute abgespeichert sind, ist für mich seither eine Tatsache. Je mehr ich mich jedoch in die aktuelle spirituelle Literatur einlas, desto formte sich in mir ein neues Gottesbild.

Gott ist für mich die unbegreifliche und unmöglich mit Worten zu beschreibende höchste Instanz, die ich am ehesten als Bild der Quelle aller Universen beschreiben würde. Dieser Quelle entspringt alles, was es an Informationen und Energien braucht, um Universen zu schaffen. Gott ist der Ursprung aller Gesetze, die auf höchster Ebene das Leben in den Universen regeln. Die bekannten naturwissenschaftlichen Gesetze rangieren in der Normenhierarchie weit unter diesen göttlichen Gesetzen und haben nur einen nur sehr beschränkten Geltungs- und Anwendungsbereich. Interessanterweise bringt jedoch die moderne Wissenschaft immer mehr Beweise dafür hervor, die die spirituelle Weltsicht bestätigen. Mal hier ein Puzzle-Teil, mal da ein Puzzle-Teil – wie vereinzelte Puzzle-Teile eines insgesamt unendlich viele Teile zählenden Puzzles. Wer das Wort „Bewusstsein“ der Bezeichnung „Gott“ vorzieht, kann diesen Aspekt Gottes als Quellbewusstsein bezeichnen. Gott ist es egal, wie er genannt wird. Jede Weisheitslehre – so auch die christliche – ist lediglich ein Versuch, etwas in Bildern und Worten zu beschreiben, das sich an sich einer Beschreibung mit irdischen Mitteln entzieht, weil es sich auf Erscheinungen jenseits dieser materiellen Welt bezieht. Ich persönlich habe die christliche „Beschreibung“ gewählt, nicht nur weil meine Wurzeln im Christentum verankert sind, sondern insbesondere weil ich Jesus Christus so verehre, der die christliche Lehre begründet hat. Dass Jesus Christus gelebt hat, ist übrigens wissenschaftlich bewiesen.

Für mich ist Gott nicht personifiziert. Meines Erachtens erübrigt sich deshalb die Frage, ob es sich dabei eher um einen Vater-Gott oder eine Mutter-Göttin oder gar – um „politisch korrekt“ zu sein – um einen Mutter-Vater-Gott handelt. Offen gestanden berührt es mich sogar unangenehm, wenn sich jemand darüber Gedanken macht oder vehement Stellung dazu bezieht. Denn mir erscheint es unpassend, Gott in einer solch irdischen Angelegenheit wie Gleichberechtigung der Geschlechter zu instrumentalisieren. Gott ist nach meinem Verständnis sowohl männlich als auch weiblich und noch ungeahnt viel mehr.

Gleichzeitig ist Gott in allem enthalten, was aus Gott hervorgegangen ist: In jedem Menschen, in jedem Tier, in jeder Pflanze, in jedem Mineral und in jedem Gegenstand. In anderen Worten ausgedrückt: In allem ist Bewusstsein enthalten. In welcher Hierarchie die Geschöpfe Gottes stehen, wird durch die göttlichen Gesetze bestimmt.

Für uns Menschen bedeutet das: Jeder von uns ist in seinem Kern Gott. Und jeder hat eine bestimmte ihm zugewiesene Rolle im großen Heilungsplan Gottes. Entsprechend dieser Rolle wird er mit göttlichen Fähigkeiten ausgestattet und darüber hinaus mit menschlichen Fehlern, die gleichermaßen ihre Funktion im Heilungsplan Gottes haben. Denn selbst diese Fehler sind in ihrem Ursprung göttlich. Wer sich Jesus Christi anschließt und den Weg der Bewusstheit geht, identifiziert diese Fehler in sich und transformiert sie, so dass der pure göttliche Kern in ihm hervortreten kann. Diese Transformation der Menschheit ist Gegenstand des Heilsplans Gottes.

Klingt das alles etwas fremd für Sie? Das könnte ich gut verstehen. Ich selbst bin nämlich in einem gänzlich unreligiösen Haushalt groß geworden. Meine Mutter ist als Enkelin eines streng protestantischen Pastors und seiner nicht minder streng protestantischen Frau groß geworden und hat während ihrer Kindheit und Jugend sehr unter dem rigorosen und religiös begründeten Diktat insbesondere der Großmutter gelitten. Dementsprechend ablehnend stand sie der Religion gegenüber und hat vermutlich mehr aus bildungsbürgerlichen Image-Gründen dafür gesorgt, dass mein Bruder und ich sowohl getauft als auch konfirmiert worden sind. Gott gab es ansonsten bei uns Zuhause nicht. Und tatsächlich bin ich meiner Mutter dankbar dafür. Denn das hat mir ermöglicht, meinen eigenen Weg zu Gott zu finden – frei von aller kirchlichen Indoktrination. Als lang konditionierter Kopfmensch führte mich mein Weg in erster Linie über den Verstand: Ich habe nichts blind geglaubt, sondern alles auf seine Schlüssigkeit hin überprüft. Und ich war bass erstaunt: Auf einmal machte alles in meinem Leben – das Gute, das vermeintlich Schlechte und Schwierige, das zuvor Unerklärliche, die vermeintlichen Ungerechtigkeiten, die Widersprüche, die offenen Lücken – Sinn. Und ist es nicht das, was wir alle suchen: Sinn?

Ein Buch, das mir bei der Suche nach Gott besonders geholfen hat, ist  das Buch „Der Weg zum Christus-Bewusstsein“ von Jim Marion. Er erklärt wunderbar anschaulich, warum Gott zwar immer gleich Gott ist, uns Menschen aber unterschiedlich erscheint. Denn das menschliche Wahrnehmungs- und Verständnisvermögen ist sehr stark geprägt durch die Entwicklungsstufe, auf der der Einzelne steht. Die Entwicklungsstufe des Einzelnen kann dem gesellschaftlichen Durchschnitt entsprechen oder aber darunter oder darüber liegen. Die Menschen, die ich erreichen möchte, wissen innerlich, dass Gott gibt und Gott in ihnen ist, gelebt werden will und mitnichten einen Rückschritt oder Realitätsverlust bedeutet. Im Gegenteil: Gott will in ganz irdischen Dingen verwirklicht werden. Und das mit dem Nebeneffekt, dass wir unser Lebensglück finden und dadurch uns selbst, die Welt und andere bereichern können. Gott und das Leben meinen es wirklich gut mit uns. Wir müssen uns nur darauf einlassen.

 

 

 

 

StefanNr. 2: Haben Sie sich schon mal gefragt, wer oder was „Gott“ ist?