Nr. 34: Kennen Sie „das Schlimmste“ in sich, das zugleich das Potential für Ihr „Bestes“ ist?

Es gibt keinen Weg darum herum: In jedem Menschen schlummern unschöne Gefühle wie Hass, Neid, Geltungssucht, Frustration, Wut, Zorn, Feindseligkeit, Missgunst, Rachsucht und ähnlich Unschmeichelhaftes. Sie schlummern ausnahmslos in jedem Menschen! Es gibt keine Ausnahme. Auch Sie sind keine Ausnahme. Und ich natürlich auch nicht. Nur wer erleuchtet ist, ist davon frei. Aber wer ist schon erleuchtet? Offen gestanden bin ich sogar bei Menschen, die allgemein hin als erleuchtet gelten, skeptisch, ob sie von diesen menschlichen Abgründen tatsächlich bereits befreit sind, einfach weil das menschliche Bewusstsein so komplex, vielschichtig und tiefgründig ist, dass man sich nie sicher sein kann, ob da nicht doch noch in einem versteckten Winkel hässliche Gefühle stecken.

Der einzige Mensch, der davon tatsächlich gänzlich frei war, ist in meinen Augen Jesus Christus. Nie ist göttlicher Geist reiner inkarniert als in Jesus Christus. Und Jesus Christus liebt Sie, egal wie Ihr „Schlimmstes“ aussieht. Wenn Sie sich dieser Liebe gewiss sind, haben Sie die Kraft, sich selbst Ihr „Schlimmstes“ einzugestehen und damit konstruktiv umzugehen. Denn das ist möglich!

Die gute Nachricht zuerst: Ihr „Schlimmstes“ ist Ihr Potential für Ihr „Bestes“

Damit Sie jetzt nicht die Lust am Weiterlesen verlieren, stelle ich die gute Nachricht an den Anfang: Alle negativen Gefühle sind nichts anderes als verzerrte Gefühle von Liebe und Freude! Oder anders ausgedrückt: Im Hass steckt das Potential für Liebe und Freude. Warum das so ist, wird verständlich, wenn man sich anguckt, wie Hass entsteht.

Auf der göttlichen Ebene gibt es ausschließlich Liebe und Freude, die einen Gefühlsstrom bilden. Liebe und Freude sind gleichbedeutend: Liebe ist Freude, und Freude ist Liebe. Wenn auf menschlicher Ebene negative Gefühle in Erscheinung treten, dann ist in der Geschichte eines Menschen Irgendetwas passiert, dass dieser göttliche Gefühlsstrom in sein negatives Gegenteil „umgepolt“ worden ist: Liebe und Freude haben sich in Hass & Co. verkehrt. Das heute viel verwandte Wort der Transformation beschreibt nichts anderes, als die Rück-Umwandlung der negativen Gefühle in Liebe und Freude! Deshalb finde ich es so erstaunlich, dass zwar alle von Transformation reden, aber gleichzeitig alle ihre negativen Gefühle verleugnen wollen. Denn wie soll Transformation stattfinden, wenn da gar nichts ist, was transformiert werden kann?

Warum sich Liebe und Freude irgendwann einmal in Hass & Co. verwandelt haben

Ich habe eben geschrieben, dass „in der Geschichte eines Menschen Irgendetwas passiert“ ist, das dazu geführt hat, dass Liebe und Freude sich in Hass & Co. verwandelt haben. Das ist nicht ganz korrekt. Denn da ist nichts „passiert“, was man hätte verhindern können. Genauer gesagt ist es so, dass sich das spirituelle Wesen, das in einem Menschen inkarniert ist, irgendwann einmal vor vielen tausenden Inkarnationen dazu entschlossen hat, sich von Gott abzuwenden. Durch diese Abwendung von Gott hat sich der Ursprungszustand des spirituellen Wesens, der an sich von Haus aus Liebe und Freude ist, mehr oder weniger in Hass & Co. verzerrt. Wenn Sie jetzt an den berühmt berüchtigten „Fall der Engel“ denken, liegen Sie genau richtig: Die Abkehr von Gott und die damit einhergehende Umwandlung von Liebe und Freude in Hass & Co. ist genau der Vorgang, der allegorisch mit dem Fall der Engel beschrieben wird. Der Weg zurück zu Gott führt über die „Religio“ (lateinsch für Rückverbindung) mit Gott. Wenn ein spirituelles Wesen als Mensch auf der Erde inkarniert, ist das die Chance, diese Rückverbindung mit Gott zu beschleunigen, indem der Mensch den Weg der Transformation geht.

Jetzt wird auch deutlich, warum es gar nicht anders sein kann, als dass ausnahmslos jeder Mensch zwangsläufig Hass & Co. in sich haben muss: Denn wenn ein spirituelles Wesen davon frei oder bereits voll transformiert ist, muss es gar nicht mehr inkarnieren. Mit anderen Worten: Wenn Sie und ich frei von Hass & Co. wären, würden wir gar nicht hier auf der Erde leben, sondern längst in höheren Läuterungssphären herumturnen.

Und was jetzt hoffentlich auch noch deutlich wird: Es sind nie die Eltern, die für Hass & Co. in einem Menschen verantwortlich sind. Verantwortlich dafür ist allein die Entscheidung des spirituellen Wesens, das in einem Menschen inkarniert ist und das sich irgendwann einmal von Gott abgewandt hat. Das spirituelle Wesen sucht sich vor der Inkarnation genau diejenigen Eltern aus, die die besten Voraussetzungen dafür schaffen, dass in der Kindererziehung der anstehenden Inkarnation exakt diejenigen Probleme aktiviert werden, die zur Transformation anstehen.

Wir als Menschen stehen jeden Tag vor der Entscheidung: Wollen wir die Verantwortung für unsere spirituelle Geschichte übernehmen und unsere negativen Gefühle transformieren? Oder wollen wir uns weiterhin von Gott abwenden?

Wie Transformation von Hass & Co. in Liebe und Freude funktioniert

Wie die Transformation von Hass & Co. in Liebe und Freude funktioniert, will ich hier nur kurz anreißen, weil alles andere an dieser Stelle den Rahmen sprengen würde. Wie ich oben schon geschrieben habe, setzt Transformation voraus, dass Sie sich Ihrer unschönen Gefühle bewusst werden. Denn wie wollen Sie etwas transformieren, das Sie aus Ihrer bewussten Wahrnehmung verbannen?

Gegen diese Bewusstwerdung sträuben sich die aller-, allermeisten Menschen aus nur allzu verständlichen Gründen: Schon als Kinder lernen wir, dass hässliche Gefühle „böse“ sind und bestraft werden. Und wer will schon gern bestraft werden? Diese Bestrafung hat außerdem oft in Form von Liebesentzug stattgefunden, weshalb „böse sein“ oft auch verbunden wird damit, nicht liebenswert zu sein. Und wer will schon unliebenswert sein?

Deshalb fahren die aller-, allermeisten Menschen starke Geschütze auf, um sich die eigenen unschönen Gefühle vom Leib zu halten: Da wird hasserfülltes Verhalten geleugnet, obwohl da objektiv nichts zu verleugnen ist, einfach weil der Sachverhalt glasklar und eindeutig ist. Da wird hasserfülltes Verhalten rationalisiert und für „gerechtfertigt“ erklärt, was aber nie etwas daran ändern kann, dass der Hass da ist. Da wird die Verantwortung für das eigene hasserfüllte Verhalten auf andere abgeschoben nach dem Motto „der/die andere hat schuld an meinem Hass, weil er/sie das und das gemacht hat“, was natürlich Quatsch ist, wenn man sich anguckt, wie Hass entsteht. Der Erfindungsreichtum einiger Menschen dazu, wie sie den eigenen Hass „verschwinden“ lassen wollen, ist wirklich erstaunlich. Aber natürlich verschwindet er dadurch nie aus dem Bewusstsein eines Menschen. Hass kann nur dadurch „verschwinden“, dass er transformiert wird. Und Hass kann nur transformiert werden, wenn man ihn im ersten Schritt anerkennt.

Im zweiten Schritt der Transformation gibt es zwei Ansatzpunkte: Zum einen muss man den Hass bewusst fühlen und körperlich ausagieren, ohne dass andere Menschen dabei zu Schaden kommen. Sonst bleibt der Hass sogar im Körper stecken und kann dort physische Krankheiten auslösen. Zum anderen muss man den eigenen Hass vor dem Hintergrund der eigenen Geschichte verstehen lernen. Denn so widersinnig es auch klingen mag: Hass ist in gewisser Weise „logisch“, nämlich „psycho-logisch“. Und wenn man den eigenen Hass verstanden hat, weiß man, dass er auf meist sehr vielen Irrtümern beruht und deshalb bei genauerer Betrachtung eine Illusion ist.

Den eigenen Hass aufzulösen, gelingt einem nicht von heute auf morgen. Das ist ein längerer, vielleicht sogar ein lebenslanger Prozess. Je weiter und konsequenter man ihn geht, desto mehr kommt im eigenen Bewusstsein – quasi „zur Belohnung“ – Liebe und Freude auf. Darin sehe ich persönlich den Sinn des Lebens: Liebe und Freude in sich zu entfalten und immer mehr zu leben.

Das Problem mit der Gefühlstaubheit

Ich hatte eben schon darüber geschrieben, dass und warum Menschen Hass & Co. in sich verleugnen. Es gibt eine noch viel drastischere Form der Verleugnung: Nämlich sich selbst für alle Gefühle taub zu machen so nach dem Motto „wenn ich nichts fühle, muss ich auch meinen Hass und meine Wut nicht fühlen“. Diese Strategie ist heute nach meinen Beobachtungen bedrohlich weit verbreitet, und zwar insbesondere auch unter Frauen, die von Natur aus gefühlsbegabter sind als Männer und die deshalb eigentlich prädestiniert dafür sind, als Vorbild für den Umgang mit Gefühlen zu fungieren. Warum schreibe ich, dass die insbesondere unter Frauen weit verbreitete Gefühlstaubheit bedrohlich ist? Weil wer nicht fühlen kann, auch nicht lieben kann. Liebe ist Gefühl pur. Um die Liebe in sich freizulegen, bedarf es allerdings auch des Verstandes, der wiederum die Domäne der Männer ist. Liebe könnte also grundsätzlich eine wunderbare Gemeinschaftsleistung von Mann und Frau sein.

Nach meinen Beobachtungen sind es insbesondere Menschen, die nicht fühlen können, die sich hinstellen und behaupten, sie hätten keinen Hass und keine Wut in sich und seien deshalb „gute Menschen“. Weit gefehlt: Hass und Wut agieren diese Menschen unbewusst und oft auf sehr subtile Art und Weise aus, was noch viel giftiger sein kann als offener Hass. Und gleichzeitig fehlt ihnen Liebe. So gesehen ist, wer seinen Hass und seine Wut bewusst spüren kann, schon einen gewichtigen Schritt weiter in Sachen Transformation als all die Menschen, die von ihren Gefühlen abgeschnitten sind.

Sich von der Gefühlstaubheit zu befreien, ist ein schmerzhafter Prozess. Man muss sich nicht nur dem eigenen Hass und der eigenen Wut stellen, was wenig schmeichelhaft ist. Dabei frei wird außerdem jede Menge Schmerz. Denn im psychologischen Gesamtgefüge dienen negative Gefühle dem Zweck, den Schmerz zu betäuben. Mit anderen Worten: Negative Gefühle dienen der Seele zur Abwehr von Schmerz. Und je mehr man die eigenen negativen Gefühle zulässt, desto mehr Schmerz wird freigesetzt. Den Schmerz kann man auflösen, indem man ihn durchfühlt, was natürlich keine „angenehme“ Erfahrung ist. Aber es führt kein Weg daran vorbei: Es ist der einzige Weg zur Liebe. Je mehr Schmerz und negative Gefühle transformiert sind, desto mehr Liebe wird im Bewusstsein eines Menschen freigesetzt.

Der Hass anderer Menschen hat nichts mit Ihnen zu tun! Und vielleicht auch doch.

Je mehr Sie die Verantwortung für die eigenen negativen Gefühle übernehmen, desto bewusster wird Ihnen gleichzeitig auch, dass die negativen Gefühle anderer Menschen nichts mit Ihnen persönlich zu tun haben und erst recht nichts mit dem eigenen Wert. Denn egal, was der andere behauptet, was Sie ihm angeblich „angetan“ hätten, bleibt es der Hass des anderen, den dieser ausagiert. Das ist eine automatische und sehr angenehme Folgeerscheinung, die einem große innere Freiheit verschaffen kann. Dann berühren der Hass und die Negativität anderer Menschen immer weniger das eigene Selbstwertgefühl. Was bleibt, ist die Traurigkeit darüber, dass Hass und Negativität immer zu Trennung und Kontaktverlust führen.

Und trotzdem – auch wenn das jetzt widersinnig klingt – kann es etwas über Sie aussagen, wenn Ihnen von anderen Hass entgegenschlägt: Kann es vielleicht sein, dass Sie selbst noch unerkannten Hass in sich haben? Vielleicht auch in Form des Selbsthasses? Denn unbewusster Hass triggert den offenen Hass anderer Menschen.

Wer weiß und verinnerlicht hat, dass Hass bei nüchterner Betrachtung „die normalste Sache der Welt“ ist und den Wert eines Menschen unberührt lässt, kann sich mit dieser Frage gelassen und sachlich auseinandersetzen und gegebenenfalls Maßnahmen zur Transformation ergreifen. Tatsächlich glaube ich persönlich keinem lebenden Menschen, der von sich behauptet, den Hass schon vollständig überwunden zu haben. Das ist meiner Einschätzung nach fast immer Selbstbetrug. Deshalb behaupte ich das auch nicht von mir.

Woran ich im Moment herumknoble: Wie kann man den Menschen verständlich machen, dass sie trotz ihrer negativen Gefühle liebenswert sind? Vor diesem Hintergrund habe ich diesen Artikel geschrieben. Denn ich glaube, dass zwischenmenschlicher Kontakt und erst recht die Liebe zwischen den Geschlechtern nur dann gelingen kann, wenn jeder zu den eigenen negativen Gefühlen steht und die Verantwortung dafür übernimmt. Ansonsten entsteht früher oder später ein Kampf darum, wer der/die Gute und wer der/die Böse ist, weil jeder versucht, die eigenen negativen Gefühle dem jeweils anderen anzuhängen. Beziehung kann nur gelingen, wenn beide wissen, dass sie sowohl „gut“ als auch „böse“ sind, und sich trotzdem selbst lieben können, was Voraussetzung dafür ist, dass man auch andere dafür lieben kann, was sie sind: Nämlich „gut“ und „böse!

Abschließend noch einmal meine Eingangsfrage: Kennen Sie das „Schlimmste“ in sich?

Bitte vergessen Sie nie: Ihr Schlimmstes hat das Potential für Ihr Bestes. Oder anders ausgedrückt: Nur aus großen Teufeln können große Engel werden 😉

 

Bildrechte: Anthony Majanlahti „Angel of Light and Dark“; Bildquelle: www.piqs.de

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