Nr. 35: Haben Sie schon die Dualität überwunden?

Dass wir auf der Erde in einer Sphäre der Dualität leben und diese Dualität überwunden werden muss, hat jeder schon einmal gehört oder gelesen, der sich ein bisschen mit Spiritualität befasst hat. Doch was genau bedeutet das im alltäglichen Leben? Und wofür ist es überhaupt sinnvoll, die Dualität zu überwinden?

Der Weg zurück zu Ihrem inneren Gott: Von der Zersplitterung zurück zur Einheit

Den Weg in die Bewusstheit zu gehen, bedeutet, die eigene Negativität abzulegen. Dabei umfasst der Begriff der Negativität nicht nur die eigenen destruktiven Muster und Gefühle, die einem selbst und anderen das Leben versauern. Darauf habe ich mich in meinen vergangenen Artikeln konzentriert. Der Begriff der Negativität umfasst auch die eigenen inneren Konflikte und Widersprüche. Diese beruhen immer auf einer Spaltung der eigenen inneren Haltung zu einem bestimmten Thema in entweder „gut“ oder „schlecht“, wobei sich die gewünschte und die abgelehnte Alternative gegenseitig ausschließen. Diese innere Spaltung beschreibt der Begriff der Dualität.

Diese Spaltung schafft innere Zerrissenheit, weil sie den Menschen dazu bringt, nach dem „Guten“ zu streben und das „Schlechte“ zu vermeiden. Und es ist dieses Streben, das einen davon abhält im Jetzt zu sein. Dabei ist das Jetzt – wie Eckhart Tolle sehr eindrücklich klar gemacht hat – der Moment, in dem das echte Leben stattfindet.

Diese Haltung, nach dem „Guten“ zu streben und das „Schlechte“ zu vermeiden, ist für sich gesehen und grundsätzlich natürlich völlig in Ordnung und sogar gesund. Sie wirkt sich nur dann destruktiv aus, wenn dieses Streben nicht im Einklang steht damit, was der Realität angemessen wäre. Denn die Realität ist: Das Leben entzieht sich zu einem guten Teil der willentlichen Steuerung des Menschen. Der physische Tod ist eine Tatsache, die jeden Menschen früher oder später trifft. Andere Menschen verhalten sich nun mal so, wie sie es tun, auch wenn einem das nicht in den Kram passt. Das Leben hält für alle Menschen Schicksalsschläge parat, ob einem das nun gefällt oder nicht. Wer sich diesen unabänderlichen Gegebenheiten widersetzt und innerlich dagegen rebelliert, weil man es aus der dualistischen Perspektive heraus als „schlecht“ beurteilt, vergeudet seine Ressourcen damit, gegen etwas zu kämpfen, auf das man keinen Einfluss hat. Dabei könnten die gleichen Ressourcen konstruktiv dafür genutzt werden, aus den Herausforderungen, die das Leben an einen stellt, zu lernen und daran zu wachsen.

Wenn man sich außerdem vor Augen führt, dass jeder Mensch kraft seines Bewusstseins sein eigenes Leben selbst erschafft, wird deutlich, dass wer sich dem eigenen Leben widersetzt, nichts anderes tut, als sich selbst zu bekämpfen. Und wer sich selbst bekämpft, spaltet sich selbst entzwei. Wer diesen Kampf aufgibt, überwindet die Dualität. Denn Heilung ist nur in der Einheit zu finden.

Weil es oft heißt, dass die Dualität eine Illusion sei, noch eine kurze Anmerkung zur Klarstellung: Damit ist nicht gemeint, dass die Realität auf dieser Erde eine Illusion ist. Es ist zwar richtig, dass von der höchsten Meta-Ebene aus gesehen, diese Realität der Erde eine Illusion ist. Denn das wahre Leben ist nicht das Leben auf der Erde, sondern unsere Existenz in der geistigen Welt. Unsere gesamte irdische Existenz einschließlich unserer selbst ist lediglich eine Abbildung der geistigen Welt. Aber das ist so abstrakt, dass das wirklich nur erfassen und verstehen kann, wer sehr viel innere Arbeit gemacht hat. Blenden Sie diesen Gesichtspunkt deshalb zunächst erst einmal aus, wenn Sie sich mit dem Problem der Dualität beschäftigen. Denn diese Problem ist ein rein irdisches, und insofern steht echte Spiritualität mit beiden Beinen auf dem Boden der Tatsachen: Sie erkennt die faktische Realität hier auf der Erde an. Was allerdings eine Illusion ist, ist die Bewertung einer realen Tatsache als „gut“ oder „schlecht“. Eine Tatsache ist. Punkt. Spirituelles Handeln, Denken und Fühlen bedeutet, auf unbequeme Tatsachen genauso konstruktiv zu reagieren wie auf bequeme. Denn dann entpuppen sich die schwierigsten Umstände als die größten Lehrmeister, die einen geradewegs ins Glück führen können. Jeder, der schon einmal erfolgreich eine Krise überwunden hat, spürt innerlich, dass er gestärkt daraus hervorgegangen und daran gewachsen ist.

Ein konkretes Beispiel: Die Dualität zwischen Leben und Tod

Um diese abstrakten Ausführungen an einem konkreten Beispiel zu veranschaulichen, will ich eine besonders stressbeladene Dualität herausgreifen: Die Dualität zwischen physischem Leben und physischem Tod. Leben wird allgemein hin als „gut“ angesehen, der Tod hingegen als „schlecht“. Aber wer den Tod deshalb zu verbannen versucht, erliegt der Illusion der Dualität. Denn der Tod ist eine Tatsache. Punkt. Der Tod trifft früher oder später jeden.

Nun ist es richtig, dass der physische Tod aus der Perspektive der geistigen Welt eine Illusion ist, weil unser Bewusstsein unsterblich ist. Der physische Tod ist lediglich der Grenzposten zum Übergang in die geistige Welt, genauso wie die Geburt der Grenzposten zum Eintritt in die irdische Welt ist. Aber dies kognitiv zu wissen, ändert nichts an der Tatsache, dass der Tod in unserer irdischen Welt eine reale Tatsache ist und durch die Bank alle Menschen Angst vor dem Tod haben, wenn auch nur vielleicht tief im eigenen Unterbewusstsein verbuddelt oder verdrängt. Ausgenommen hiervon sind lediglich die paar Menschen, die schon erleuchtet sind, also wirklich nur sehr wenige. Für alle anderen ist der Tod auf bewusster, halbbewusster oder unbewusster Ebene ein Auslöser von Angst, weil keiner weiß, was einen nach dem Tod erwartet, und deshalb wird der Tod als „schlecht“ angesehen.

Jetzt werden Sie vielleicht denken: „Das ist doch normal und gesund, dass man leben will! Wer will schon sterben? Was soll daran destruktiv sein?“ Damit haben Sie auch grundsätzlich Recht; die Frage ist nur: Was bedeutet es „zu leben“? Um zu verstehen, warum die Dualität, die den Tod ausblenden will, schädlich sein kann, muss man eine Ebene tiefer in das menschliche Bewusstsein schauen. Denn wozu führt eine innere Haltung, die nur das Leben bejaht, aber den Tod rundherum ablehnt und verleugnet? Sie führt dazu, dass man innerlich einerseits nach Leben „giert“, was ein geradezu zwanghaftes Streben sein kann, und andererseits den Tod vermeidet und verleugnet, wo es nur geht, ja sogar davor wegläuft. Im Extremfall kann das dazu führen, dass jemand so sehr damit beschäftigt ist, das physische Leben abzusichern und in den Mittelpunkt seines Lebens zu stellen, dass er bei genauerer Betrachtung schon tot ist, weil sein ganzes Handeln, Denken und Fühlen ausschließlich mit dem Ziel „Überleben“ beschäftigt sind. Äußerlich kann das ganz unterschiedliche Erscheinungsformen haben. Typische Erscheinungsformen sind folgende:

Der Gesundheitsfanaktiker hat solche Angst vor physischer Krankheit, dass seine komplette Aufmerksamkeit gesunder Lebensführung, regelmäßigen ärztlichen Check-Ups und Vermeidung jedweder Form von gesundheitlichen „Unzuträglichkeiten“ gilt.

Das Arbeitstier ist oft getrieben von Verarmungsängsten und setzt deshalb alle seine Energien dafür ein, Geld zu verdienen, und verpasst darüber die vergnüglichen Seiten des Lebens.

Der Risiko-Junkie ist ständig auf dem Sprung nach neuen Abenteuern und Herausforderungen, um die unangenehmen Seiten des Lebens und insbesondere „schwierige Gefühle“ wie Angst, Kummer und Schmerz zu vermeiden.

In allen drei Beispielen würde der Betroffene auf die Frage, ob er oder sie leben will, vermutlich verblüfft reagieren und hervorbringen: „Ja, natürlich will ich das! Guck Dir doch nur an, was ich alles anstelle, um zu (über-)leben!“ Und dann kämen die individualisierten Bekräftigungen. Der Gesundheitsfanatiker könnte hinzufügen: „Keiner lebt gesünder als ich!“, das Arbeitstier: „Keiner arbeitet härter dafür als ich!“ und der Risiko-Junkie: „Keiner hat mehr Abenteuer im Leben als ich!“. Was für Außenstehende oft auf den ersten Blick erkennbar ist, aber den Betroffenen selbst in aller Regel verborgen bleibt, ist die Tatsache, dass es dieses zwanghafte Streben nach (Über-)Leben ist, das echtes, lebendiges Leben ausschließt und tötet.

Und das Paradoxe ist: Menschen mit unerkannter Lebensangst bringen sich immer wieder in Situationen, in denen sie auf irgendeiner Ebene des Lebens tatsächlich mit dem Tod konfrontiert werden. Beim Risiko-Junkie sind es oft tatsächlich lebensbedrohliche Situationen. Das Arbeitstier kann den Tod spüren, wenn er in der wenigen ihm verbleibenden Freizeit an Einsamkeit und Isolation leidet und vielleicht noch mehr arbeitet, um sich davon abzulenken. Und der Gesundheitsfanatiker kann sich allein durch seine Angst vor Krankheit eine solche irgendwann selbst erschaffen: Wer sich immer nur mit Krankheit beschäftigt, wird genau davon irgendwann krank. Wie sich der Tod im konkreten Leben zeigt, kann also ganz unterschiedliche Erscheinungsformen haben. Sie kann sich zum Beispiel auch zeigen in beruflichen Niederlagen, menschlichen Enttäuschungen oder Erfahrungen des Scheiterns auf anderen Ebenen.

In der Überwindung der Dualität ist das wahre Leben zu finden

Nachdem ich jetzt hoffentlich verdeutlichen konnte, was Dualität bedeutet, will ich mich der Frage zuwenden: Warum ist es erstrebenswert, die Dualität zu überwinden? An meinen bewusst krass gewählten Beispielen eben ist schon deutlich geworden: Wer mit der Dualität nicht konstruktiv umgehen kann, erschafft sich mit seinen bewussten und willentlichen Bemühungen das glatte Gegenteil dessen, was er mit seinen Bemühungen eigentlich erreichen will: Wer um jeden Preis leben oder überleben will (wie immer das konkret beim Einzelnen aussehen mag), zieht den Tod förmlich in sein Leben und führt unter Umständen sogar ein „totes Leben“. So krass ist das natürlich bei den allerwenigsten Menschen. Bei den meisten Menschen zeigt sich das subtiler. Aber der Effekt ist der gleiche: In dem gleichen Maße, wie Menschen Angst vor dem Tod haben, haben sie gleichzeitig auch Angst vor dem Leben. Das bedeutet mit anderen Worten: Wer sich seiner Angst vor dem Tod stellt, kann damit gleichzeitig im gleichen Maße die Angst vor dem Leben überwinden. Und nur wer die Angst vor dem Tod und damit die Angst vor dem Leben überwunden hat, kann wirklich mit Herz und Seele voll und ganz leben. Oder anders ausgedrückt: Wer den Tod in jeder Facette seiner Erscheinungsformen annehmen kann, der wird zum ewigen Leben erweckt. Das meinte Jesus, als er sagte:

Denn wer sein Leben erhalten will, der wird’s verlieren; wer aber sein Leben verliert um meinetwillen, der wird’s finden. (Matt. 16, 25)

Wer die Angst vor dem Tod vollständig überwunden hat, der hat die innere Gewissheit, dass unser Bewusstsein unsterblich ist und dass sich sein Lebensweg auch nach dem Tode fortsetzt, auch wenn er vielleicht keine konkrete Vorstellung hat, wie das genau aussehen wird.

Sind Sie dazu aufgerufen, die Dualität in diesem Leben zu überwinden?

Da die Überwindung der Dualität zum Pflichtkanon der Läuterung gehört, muss jedes Bewusstsein früher oder später – sprich: in dieser oder einer künftigen Inkarnation – zwangsläufig diesen Prozess durchlaufen. Meistens erstreckt er sich über mehrere Inkarnationen, sodass der Erkenntnis- und Wachstumsprozess etappenweise stattfindet. Ich wage mal zu behaupten, dass jeder, der sich mit diesem Thema in diesem Leben bewusst befasst, auch schon Erfahrungen dazu in vorangegangenen Leben gesammelt und deshalb bereits über (vielleicht auch nur diffus wahrgenommene oder „gefühlte“) Grundkenntnisse verfügt. Ob Sie persönlich dazu aufgerufen sind, sich bewusst mit der Überwindung der Dualität zu befassen, können Sie an Ihrem Leben ablesen. Wenn Ihr Leben Sie in eine Situation führt, die Sie gar nicht anders lösen können, als die Dualität zu überwinden, wissen Sie: Die Überwindung der Dualität gehört zu Ihren Lebensaufgaben. Äußerlich zeigt sich das in der Regel durch größere oder kleinere Lebenskrisen oder tödliche Krankheit.

Wer intuitiv spürt, dass das Leben mehr zu bieten hat als das, was er im Moment lebt, und die Überwindung der Dualität von sich aus in Angriff nimmt, erspart es sich also, dass er dazu vom Leben mithilfe von Krisen „gezwungen“ wird – sei es in diesem oder in einem späteren Leben. Dann können Sie selbst entscheiden, ob Sie sich der Herausforderung stellen wollen oder nicht. Natürlich ist es viel bequemer, sich davor zu drücken. Und das ist es auch, was die allermeisten Menschen über viele Inkarnationen tun: Sich davor drücken. Aber was glauben Sie, in welchem Zustand dieser Prozess leichter zu durchlaufen ist? Wenn Sie durch eine Lebenskrise oder Krankheit in Ihren Grundfesten erschüttert sind? Oder wenn Sie mit beiden Beinen im Leben stehen und insgesamt gefestigt sind, sodass Sie kleinere Erschütterungen leichter auffangen können? Aus eigener leidvoller Erfahrung kann ich Ihnen nur sagen: Ich hätte mir gewünscht, dass ich früher gewusst hätte, was ich heute weiß und hier aufgeschrieben habe. Mein Leben wäre um einiges leichter verlaufen. Damit will ich allerdings nicht sagen, dass ich die Dualität schon vollständig überwunden hätte.

Wie Sie die Dualität überwinden können

Wie Sie die Dualität überwinden können, werde ich hier auch am Beispiel der Dualität von Leben und Tod auf physischer Ebene veranschaulichen, damit meine Ausführungen nicht abstrakt in der Luft hängen bleiben. Und tatsächlich können Sie diese Ausführungen mit ein bisschen Fantasie und Intuition auch auf andere Dualitäten übertragen wie etwas die Dualität zwischen Erfüllung und Nichterfüllung, die Dualität zwischen „nur ich habe Recht“ und „nur der andere hat Recht“ und die Dualität zwischen Freude und Frustration. Denn letztlich sind das alles nur Variationen der Dualität zwischen Leben und Tod auf physischer Ebene.

Erster Schritt: Sich der Dualität bewusst werden

Die Angst vor dem Tod schlummert ausnahmslos in jedem Menschen. Jeder Mensch hat vor irgendeiner Form von Tod Angst, auch wenn den allermeisten Menschen diese Angst nicht bewusst ist. Wäre ein Mensch von dieser Angst befreit, wäre er schon geläutert und müsste gar nicht mehr als Mensch inkarnieren. Um sich die eigene Angst bewusst zu machen, können folgende Informationen hilfreich sein:

Wer zwar nicht den eigenen Tod, aber den Tod anderer Menschen wie etwa Angehöriger fürchtet, kann sicher sein, dass er auch den eigenen Tod fürchtet: Es handelt sich bei der Angst um andere lediglich um eine Projektion, also um eine Verlagerung der eigenen Angst auf andere.

Wer das Thema Tod meidet und sich zum Beispiel vor Beerdigungen drückt, hat Angst vor dem Tod. Denn was man meidet, fürchtet man.

Wer sich selbst schon mal in Todesgefahr gebracht hat, hat konkrete Anhaltspunkte dafür, dass er auf einer tieferen Ebene seines Bewusstseins Angst vor dem Tod hat, auch wenn er diese Angst nicht bewusst spüren kann. Denn es ist diese Todesangst, die einen in lebensgefährliche Situationen treibt.

Wer bewusst den Tod sucht oder herausfordert, hat Angst vor dem Leben. Diese Todessehnsucht spiegelt eine entsprechende Angst vor dem Leben, die nur die andere Seite der Medaille von Todesangst ist.

Wer eine potentiell tödliche Krankheit hat, wünscht sich sogar auf einer irgendeiner Ebene seines Bewusstseins – vielleicht auch nur auf einer sehr tiefen unbewussten Ebene – den eigenen Tod. Denn sonst wäre er nicht tödlich erkrankt. Eine Chance, jede tödliche Krankheit zu überwinden, hat jeder – und zwar ungeachtet aller Prognosen der Ärzte –, der die Dualität von Leben und Tod überwindet. Tatsächlich sind tödliche Krankheiten eine der vielen Möglichkeiten, wie das Bewusstsein eines Menschen einen dazu „zwingen“ kann, sich der Dualität von Leben und Tod zu stellen und diese aufzulösen.

Zweiter Schritt: Die eigene Dualität im Alltag beobachten

Wer sich seiner Dualität bewusst geworden ist, kann sich im nächsten Schritt dabei beobachten, wie sie sich in seinem Alltagsleben äußert. Dabei können folgende Fragen hilfreich sein:

Mit welcher inneren Haltung handele oder denke ich gerade? Stehe ich unter einem zwanghaften Druck, dem ich mich nicht oder nur mit großer Mühe entziehen kann? Was passiert, wenn ich dem Druck bewusst nicht nachgebe, sondern in mich hineinhorche?

Was genau will ich mit diesem Handeln oder Denken erreichen? Und was genau will ich vermeiden?

Wann kommt bei mir der Impuls nach Aktionismus hoch? Will ich damit Gefühle vermeiden? Wenn ja: Welche Gefühle will ich vermeiden? Angst? Hilflosigkeit? Schmerz? Traurigkeit? Innere Leere? Gefühle der Wertlosigkeit?

Dritter Schritt: Worauf beziehen sich meine Ängste? Und was ist genau meine größte Angst?

Wenn Sie sich eine Weile im Alltag beobachtet haben, werden Sie mit großer Wahrscheinlichkeit besseren Zugang zu Ihren Ängsten bekommen, vielleicht auch nur in ganz verdünnter Form. Ist es Angst davor, ausgelöscht zu werden oder nicht zu existieren? Angst vor der inneren Leere? Angst vor der eigenen Gefühllosigkeit und Leblosigkeit?

Vierter Schritt: Lösen Sie Ihre Ängste auf!

Wie man seine Ängste auflöst, will ich hier nur anreißen, weil das ein höchst individueller Prozess ist und sich deshalb nicht allgemeingültig beschreiben lässt. Grundsätzlich löst man Ängste auf, indem man sie durchfühlt. Das ist leichter gesagt als getan, weil die meisten Menschen so viel Angst vor ihrer Angst haben, dass sie dazu keinen Zugang haben. Was jedenfalls nicht reicht, ist, nur kognitiv zu wissen, dass man Angst haben müsste. Angst kann sich nur auflösen, wenn sie emotional voll erfahren wird. Ein anderer Ansatzpunkt ist, sich zu fragen, ob das, wovor man sich fürchtet, überhaupt wirklich eine Bedrohung ist. Dabei kann man auf existentielle Fragen stoßen wie: Halte ich es für möglich, dass es ein ewiges Leben gibt? Habe ich Vertrauen in das Leben, dass es mir grundsätzlich wohl gesonnen ist und es gut mit mir meint? Bin ich bereit und in der Lage, mich einer höheren Macht anzuvertrauen? Kann ich mir vorstellen, dass es so etwas wie göttliche Gerechtigkeit gibt? Wie kann ich meine innere Leere füllen? Oder wie kann ich mit Schmerz umgehen, der mich zu vernichten scheint?

Ich selbst habe für diesen Prozess weit mehr Information gebraucht, als ich in diesem Artikel festgehalten habe. Das liegt daran, dass ich groß geworden bin in einem Umfeld, in dem Gottvertrauen nicht existierte. Deshalb habe ich mir mein Gottvertrauen erarbeiten müssen. Und ich will nicht verhehlen: Ab und zu komme ich immer mal wieder an meine Grenzen. Aber genau das ist der Weg zum wahren Leben: Immer wieder die eigenen inneren Grenzen überschreiten und dabei wachsen. Denn nur durch das innere Wachstum kann das Leben im Außen reicher und erfüllter werden. Sie werden Ihrem Leben nie etwas im Außen hinzufügen können, wenn Sie innerlich nicht den Raum dafür von inneren Konflikten freigeschaufelt haben.

Na? Haben Sie die Dualität schon überwunden? Oder wollen Sie die Herausforderung annehmen, bevor das Leben Sie dazu zwingt?

KatrinNr. 35: Haben Sie schon die Dualität überwunden?