Nr. 4: Ist Ihnen bewusst, was Sie davon abhalten kann, sich mit Ihrem eigenen Innenleben zu beschäftigen?

Jeder Mensch hat einen natürlichen Widerstand dagegen, sich sein Inneres genau anzusehen. Im Kern geht es dabei um die Angst, auf etwas zu stoßen, was „unschön“ oder „gefährlich“ ist und einen in den Augen der Welt als „schlecht“ dastehen lassen könnte. Allerdings ist dieses Gefühl meist nicht bewusst. Man spürt nur dieses vage Gefühl von „Ich will das gar nicht wissen!“. Um Ihnen zu erleichtern, diese Hürde zu nehmen, will ich Ihnen nachfolgend die wichtigsten Gründe dafür aufführen, warum dieser Ansatz unlogisch, destruktiv und irreführend ist.

Ihre Schwächen sind da, ob Sie sehen wollen oder nicht!

Erwachsene lächeln, wenn Kinder sich die Hände vor die Augen halten und ausrufen: „Du siehst mich nicht!“ Dabei verhalten sich die meisten Erwachsenen genauso, wenn es um die eigenen Schwächen geht. Weggucken bringt aber nichts. Die Schwächen sind da und lassen sich nicht wegreden, sondern nur transformieren. Und der erste Schritt für Transformation ist, sich diese Schwächen ganz genau anzusehen.

Sie sind nicht Ihre Schwächen!

Ich bin immer wieder erstaunt, dass selbst hochspirituelle Menschen sich bestimmte Schattenseiten ihrer selbst nicht ansehen wollen. Dafür gibt es nach meinen Beobachtungen zwei Gründe: Entweder werden die damit verbundenen Gefühle gefürchtet oder aber diese Menschen erliegen dem Irrtum, dass eine gravierende Schwäche ihren Wert als Mensch insgesamt in Frage stellt. Auf ersteres werde ich gleich eingehen. Noch viel wichtiger scheint mir zu sein, klarzustellen: In Ihrem Kern sind Sie Gott! Dass Sie Fehler und Schwächen haben, liegt daran, dass Sie in einer menschlichen Hülle leben, und ausnahmslos jede menschliche Hülle hat Schwächen und Fehler. Ihre menschliche Hülle ist aber nicht das, was Sie ausmacht. Das eingangs gezeigte Bild veranschaulicht es ganz gut: Sie sind – ähnlich wie die Säulen – edles, wertvolles, ja monumentales göttliches Bewusstsein. Ihre menschlichen Fehler sind lediglich die Schatten, die Sie auf die Erde werfen. Sie können die Schatten auflösen, in dem Sie mit Ihrer Aufmerksamkeit den Lichteinfall ändern: Eine Säule, die von oben angestrahlt wird, wirft keine Schatten. Stellen Sie sich das gleiche Bild vor, wenn das Licht von oben einfällt. Sieht doch schon ganz anders aus, nicht wahr?

Ihre Schwächen sind in Wirklichkeit gar keine Schwächen, sondern eine Goldgrube für Ihr Potential und Lebensglück!

Die meisten Menschen haben Angst vor so „schwierigen“ Gefühlen wie Angst, Schmerz, Wut, Ohnmacht und Hass. Das ist auch verständlich, weil diese Gefühle, wenn sie das erste Mal bewusst gespürt werden und man nicht weiß, was da gerade passiert, einen innerlich schier zerreißen können. Tatsächlich ist es aber so, dass der Weg zur Sicherheit durch die Angst, der Weg zur Freude durch den Schmerz, der Weg zur Lebenskraft durch die Wut, der Weg zur Kreativität durch die Ohnmacht und der Weg zur Liebe durch den Hass führt. Außerdem zeigen Ihnen Ihre Gefühle den Weg zu Ihrer Erfüllung und Lebendigkeit auf. Das mag an dieser Stelle etwas abstrakt klingen, was daran liegt, dass das Thema „Gefühle“ ein so weites Feld ist, dass ich damit noch viele Seiten füllen werde. Mit Gefühlen können die meisten Menschen viel leichter umgehen, wenn sie wissen, wie diese funktionieren und welche Bedeutung diese haben. Auch wenn es widersinnig klingt: Ich habe mir meine eigenen Gefühle im ersten Schritt durch kognitives Verstehen erschlossen. Das hat mir das Gefühl von Kontrolle gegeben. Was ich Ihnen an dieser Stelle als Schlaglicht vermitteln will, ist: Es lohnt sich, sich mit den eigenen Gefühlen zu befassen, und es ist bei Weitem nicht so schwierig, wie es Ihnen im Moment erscheinen mag.

Die anderen sehen oder spüren Ihre Schwächen sowieso!

Wie sehr Sie sich auch anstrengen, sich „gut“ zu benehmen: Jeder, der mit Ihnen in Kontakt kommt, kann Ihre Schwächen früher oder später auf einer bewussten oder unterbewussten Ebene wahrnehmen und wird darauf bewusst oder unbewusst reagieren. Sie wollen sich Ihre unterdrückte Wut nicht eingestehen? Nehmen Sie Gift darauf, dass Ihre Mitmenschen sie ganz genau spüren und deshalb von Ihnen bewusst oder unbewusst Abstand halten. Sie wollen sich Ihre Minderwertigkeitsgefühle nicht ansehen? Seien Sie sicher, dass andere sie spüren und Sie deshalb entsprechend herablassend behandeln (es sei denn, dass diese Menschen sehr bewusst wahrnehmen und sich bewusst wertschätzend verhalten, was allerdings die Ausnahme und nicht die Regel ist). Sie selbst sehen oder spüren ja auch die Fehler, Ecken und Kanten anderer Menschen! Glauben Sie wirklich, dass es anderen mit Ihnen anders geht? Und ist es dann nicht angenehmer, wenn man über sich selbst genauso viel oder – besser noch: – mehr weiß als andere?

Ihre Schwächen machen Sie liebenswert!

Jeder Mensch, der halbwegs bewusst unterwegs ist, weiß, dass er selbst Fehler und Schwächen hat. Deshalb sind die meisten Menschen erleichtert, wenn sie merken, dass auch andere Fehler und Schwächen haben. Menschen, die auf andere „perfekt“ und „fehlerfrei“ wirken, lösen eher Verunsicherung als Zuneigung aus.

Na? Sind Sie jetzt bereit, sich mit dem eigenen Schatten zu befassen?

 

Foto: „Licht und Schatten“ von Diefert; Quelle: piqs.de

KatrinNr. 4: Ist Ihnen bewusst, was Sie davon abhalten kann, sich mit Ihrem eigenen Innenleben zu beschäftigen?