Nr. 40: Kämpfen Sie mit einem besonders hartnäckigen Muster, dass sich partout nicht auflösen will?

Mein Artikel Nr. 13 „Wissen Sie, wie man Muster auflöst?“ hat mir erfreulicherweise Aufträge und auch ansonsten sehr viele positive Rückmeldungen beschert. Darüber habe ich mich sehr gefreut! An dieser Stelle noch einmal herzlichen Dank dafür!!! Weil das Thema offenbar von hohem Interesse ist, will ich mit diesem Artikel nachlegen. Denn manche Muster sind einfach extrem hartnäckig und scheinen jedem Transformationsversuch zu widerstehen. Das liegt daran, dass unsere Seele sehr komplex und die einzelnen Aspekte miteinander verwoben sind. Deshalb kann man manchmal regelrecht in einem Spinnennetz gefangen sein. Ich habe hier ein paar Transformationsbremsen aufgeschrieben in der Hoffnung, dass Ihnen das eine Hilfe ist.

Haben Sie Ihr Muster vollständig verstanden?

Wenn Sie ein Muster trotz aller Bemühungen nicht auflösen können, liegt das daran, dass Sie es nicht vollständig verstanden haben. Denn zentrale Muster sind nicht nur ein „Anhängsel“ zu Ihrer Persönlichkeit, sondern ein eigenständiger Persönlichkeitsanteil, den Sie nur umerziehen und integrieren können, wenn Sie ihn in jeder Facette seiner Erscheinungsform verstanden haben. Der bekannte Kommunikationsforscher Friedemann Schulz von Thun hat den Begriff des „inneren Teams“ geprägt, der sehr anschaulich beschreibt, dass jeder Mensch viele Persönlichkeitsanteile in sich trägt, die für ein gelungenes Leben eine solide Teamleistung hinlegen müssen. Dafür muss im ersten Schritt jeder einzelne Persönlichkeitsanteil voll verstanden und transformiert werden. Um das mal bildlich greifbar zu machen: Mir ist zum Beispiel mal ein hartnäckiges Kommunikationsmuster im Traum als Kommunikationsberaterin erschienen. Mit dieser Kommunikationsberaterin habe ich im Traum gesprochen und dadurch wertvolle Informationen über mein Muster erhalten. Um ein Muster besser zu verstehen, gibt es mehrere Punkte, bei denen man ansetzen kann. Ich werde Ihnen nachfolgend einige vorstellen.

Haben Sie verstanden, warum Ihr Muster destruktiv ist?

Die meisten Menschen setzen sich erst dann mit ihren Mustern auseinander, wenn sie dadurch in einen Konflikt mit ihrer Außenwelt gekommen sind. Das Muster auflösen zu wollen, um dadurch wieder Frieden herzustellen, ist zwar ein hehres Motiv, nur leider eines, das oft nichts nützt. Denn nicht selten sträubt sich die Seele gegen Veränderungen, die vom Außen „verlangt“ werden. Die Seele ist oft nur dann bereit sich zu verändern, wenn sie selbst sich dazu aus freien Stücken und aufgrund eigener Entscheidung entschlossen hat. Ihre Seele können Sie am ehesten dadurch von der Notwendigkeit einer Veränderung überzeugen, wenn Sie verstanden haben, warum das Muster auch für Sie selbst destruktiv und Veränderung deshalb auch für Sie von Vorteil ist.

Ein Beispiel: Angenommen, ein Mann ist von seiner Frau dafür kritisiert worden, dass er sie ständig bevormundet und wie ein Kind behandelt. Um den Hausfrieden wieder herzustellen und das Genörgel seiner Frau abzustellen, will er das Muster ablegen. Es gelingt ihm aber irgendwie nicht. Was ihm helfen kann, ist die Frage: Welchen Vorteil hat er selbst davon, wenn er die Bevormundung abstellt? Darauf gibt es unzählige Antworten wie zum Beispiel: Vielleicht ist es spannend, die eigene Frau als mündige Erwachsene zu erleben, anstatt sie immer nur als Kind wahrzunehmen? Vielleicht wird der Sex dadurch besser? Vielleicht ist es eine Entlastung, die „Verantwortung“ für das Wohlbefinden seiner Frau abzulegen? Vielleicht erlebt er dadurch das große Glück, von seiner Frau um seiner selbst willen geliebt zu werden, anstatt nur als „Ersatz-Vater“ mit Versorgerfunktion „gebraucht“ zu werden? Vielleicht kriegt die schon ein bisschen in die Jahre gekommene Ehe durch die Veränderung einen ganz neuen Kick, der höhere Lebensqualität bedeutet? Es geht darum, dass der Mann in sich die Lust auf Veränderung weckt, anstatt die Veränderung innerlich als lästige Ehepflicht zu empfinden. Denn nur in einem grundsätzlich positiven inneren Klima kann Veränderung gelingen. Wird Veränderung als Pflicht empfunden, ist sogar nicht ausgeschlossen, dass sich das Muster noch verstärkt. Denn mit Verpflichtung verbinden viele Menschen unterbewusst die elterliche Autorität, gegen die nicht selten blind (= unbewusst) rebelliert und aufbegehrt wird.

Weshalb haben Sie Ihr Muster entwickelt?

Ein anderer Ansatzpunkt, hartnäckige Muster zu knacken, ist folgender: Muster sind „psycho-logisch“, haben also eine „logische“ Funktion im Gesamtgefüge der Gesamtpersönlichkeit. Das mag auf den ersten Blick absurd klingen. Denn Sie wollen das Muster ja loswerden, weil es Sie stört. Wie kann etwas, das stört, Sinn haben? Das leuchtet aber sofort ein, wenn man sich anguckt, wann und warum Muster entstanden sind. Sie wissen oder ahnen schon, wann Muster entstehen, nicht wahr? Ja, richtig: In Ihrer Kindheit. Ein Muster ist eine Verhaltensstrategie, die Sie sich in Ihrer Kindheit zurechtgelegt haben, um mit einer schwierigen Situation im Außen klarzukommen. Um ein Beispiel zu geben: Mal angenommen, Sie sind mit drei älteren und zwei jüngeren Geschwistern groß geworden. Und bei Tisch gab es immer Gezanke um Keulen von den Brathähnchen. Nur wer schnell zugriff, konnte sich durchsetzen und siegergleich den begehrten Schenkel verzehren. Die Zahl der Muster, die aus einer solchen oder ähnlichen Situation entstehen können, ist unendlich groß, zum Beispiel:

  • Das Verhaltensmuster, gierig und rücksichtslos nach Dingen zu grabschen.
  • Egozentrik und der Hang dazu, ausschließlich die eigenen Interessen und Bedürfnisse im Blick zu haben.
  • Der Glaubenssatz: „Ich kann nicht verlieren!“
  • Der komplementäre Glaubenssatz: „Ich bin ein Verlierer!“
  • Das Gefühlsmuster der Verachtung für Schwäche und Menschen, die sich nicht durchsetzen können, um die eigene übergroße Durchsetzungskraft zu rechtfertigen.

Welche Lösung ein Kind in der beschriebenen oder einer vergleichbaren Situation wählt, hängt wiederum von der Gesamtpersönlichkeit ab. Jedes Kind findet auf so eine Situation eine ganz individuelle Lösung. Es gibt also keine festen Regeln, wie ein Kind auf einen bestimmten Lebenssachverhalt reagiert. Deshalb müssen Sie in sich danach forschen, welcher Lebenssachverhalt in Ihrer Kindheit dafür zugrunde gelegen hat, dass Sie das Muster, das Sie heute auflösen wollen, damals entwickelt haben. Versetzen Sie sich dann in das Kind hinein, das Sie mal waren, und wie das Kind diese Situation wohl empfunden haben muss. Vielleicht kommt Ihnen sogar eine Erinnerung an die Gefühle, die Sie damals gehabt haben. War es Angst, zu kurz zu kommen? War es die Sorge, ein „böses Kind“ zu sein, wenn Sie sich durchgesetzt hätten? Was war damals Ihr Beweggrund dafür, dass Sie damals so gehandelt haben, wie Sie es getan haben? Und geben Sie dem inneren Kind in sich das, was das Kind damals gebraucht hätte: Verständnis, Wärme und Mitgefühl dafür, mit einer schwierigen Situation klarkommen zu müssen. Nehmen Sie Ihr inneres Kind gedanklich auf den Schoß und fragen Sie es: „Was brauchst Du, damit Du das Muster loslassen kannst?“ Die Lösungen darauf sind individuell: Sie können Ihrem inneren Kind versprechen, ihm denjenigen Schutz zu geben, den es damals vermisst hat. Sie können ihm erklären, dass es keineswegs „böse“ ist, dafür zu sorgen, dass es nicht zu kurz kommt. Vielleicht hilft auch ein Gelage mit Bergen von Hähnchenschenkeln zur symbolischen Wiedergutmachung für den Verzicht in der Kindheit.

 Warum „brauchen“ Sie das Muster heute noch?

Tatsächlich können Muster auch in der Gegenwart noch sinnvoll im Sinne von „psycho-logisch“ sein. Wer sich zum Beispiel an der eigenen Egozentrik stört und mehr Selbstlosigkeit entwickeln möchte, weil er verstanden hat, dass Egozentrik eine unangenehme kindische Charaktereigenschaft ist, tut nicht gut daran, die Egozentrik abstellen zu wollen. Denn dann findet er sich mit großer Wahrscheinlichkeit in der blöden und alles andere als erstrebenswerten Situation wieder, dass er von anderen ausgenutzt und übervorteilt wird. Denn Egozentrik ist ein Schutzmechanismus dagegen, ausgenutzt und übervorteilt zu werden. Bei genauerer Betrachtung ist also die Egozentrik an sich gar nicht so das Problem, sondern vielmehr der Mangel an Selbstbehauptung und Durchsetzungsfähigkeit. Dann ist es zielführender zu lernen, sich selbst zu behaupten und sich durchzusetzen. Wenn man dann die Gewissheit hat, dass man über die notwendigen inneren Ressourcen verfügt, sich bei Bedarf gegenüber anderen durchsetzen und für sich selbst sorgen zu können, wird die Egozentrik überflüssig. Dann fällt es leicht, darauf zu verzichten, egozentrisch zu sein, und die Egozentrik verschwindet fast von allein, ohne dass große Kraftanstrengung dafür notwendig ist.

Wie kompensieren Sie das Muster?

Die Seele strebt immer Balance an. Durch ein destruktives Muster entsteht eine seelische Imbalance, die die Seele an anderer Stelle ausgleicht, wodurch dann wieder Balance hergestellt wird, wenn auch eine „schiefe“, destruktive Balance. Deshalb kann man Muster manchmal nur auflösen, wenn man die dahintersteckende „schiefe“ Balance erkennt und von beiden Seiten her auflöst. Das typische Beispiel dafür ist das Thema „Verantwortung“: Wer dazu neigt, zu viel Verantwortung für andere Menschen zu übernehmen, lehnt gleichzeitig auf irgendeine Art und Weise die Verantwortung für sich selbst ab. Wie diese Ablehnung der Eigenverantwortung im Einzelfall aussieht, kann ganz unterschiedlich ausfallen. Der krasseste Fall ist, wenn man die Verantwortung für das eigene Verhalten verleugnet. Aber Eigenverantwortung hat viele Facetten: Verantwortung für die eigenen Gefühle, Verantwortung für die eigenen Bedürfnisse, Verantwortung für das eigene Glück, Verantwortung für das eigene Leben und Wohlbefinden. Eigenverantwortung kann also auf ganz unterschiedliche Art und Weise abgelehnt werden. Wer das Muster ablegen will, zuviel Verantwortung für andere zu übernehmen, tut gut daran, sich anzugucken, an welcher Stelle genau er die Verantwortung für sich selbst ablehnt. Ist dieser Aspekt in das Licht der Bewusstheit geholt, kann die „schiefe“ Balance aufgelöst werden, indem man gleichzeitig an der Ablehnung der Verantwortung für andere und an der Übernahme der vollen Eigenverantwortung arbeitet.

Haben Sie alle relevanten Verbindungen zu anderen Muster erkannt und verstanden?

In der menschlichen Seele sind alle Muster und Persönlichkeitsanteile miteinander verknüpft und verwoben. Und – wie oben schon geschrieben – ein gelungenes Leben kann nur führen, wenn die Teamleistung aller Persönlichkeitsanteile stimmt. Mit anderen Worten: Wenn ein zentraler Persönlichkeitsanteil vollständig oder weitestgehend gelähmt ist, leidet die Teamleistung erheblich. Das ist in etwa so wie eine Fußballmannschaft, die nur einen Stürmer hat und dieser Stürmer den Knöchel gestaucht hat. Was wird ein schlauer Trainer tun? Für seinen Stürmer die beste medizinische Versorgung oder Ersatz suchen. Dass der dritte Abwehrspieler etwas schneller sein könnte, wird ihn nicht interessieren. In Ihrem inneren Team gibt es einen solchen Stürmer, der auf Trab sein muss, damit sich in Ihrem Leben etwas bewegen kann: Ihr Selbstwertgefühl, das man als so eine Art Finanzvorstand Ihres inneren Teams bezeichnen kann. Wenn dieser Finanzvorstand schwach aufgestellt ist, hat es höchste Priorität, ihn wieder auf Zack zu bringen. Denn der bremst Ihr gesamtes inneres Team aus. Das Selbstwertgefühl beeinflusst durchweg alle anderen Persönlichkeitsanteile und Muster. Zwar können Sie Ihr Selbstwertgefühl auch dadurch erhöhen, dass Sie andere Persönlichkeitsanteile und Muster transformieren, weil es insofern eine Wechselwirkung gibt. Aber wenn Sie direkt an Ihrem Selbstwertgefühl arbeiten, ist das tausendmal effektiver.

Ein Beispiel zur Veranschaulichung: Ich habe mal eine Frau im Vorgespräch gehabt, die über ihr zwanghaftes Helfer-Muster klagte. Ihr war auch bereits klar, dass das mit ihrem mangelnden Selbstwertgefühl zusammenhing: Helfen, um „wertvoll“ zu sein. Je länger wir miteinander sprachen, desto mehr drängte sich mir die Frage auf: Führt diese Frau überhaupt das Leben, das ihr entspricht? Da waren so viele Ungereimtheiten: Verwicklungen mit zwei Männern, ein männliches Selbstverständnis, ein Hang zu Dominanz und Überbewertung der eigenen Fähigkeiten, ein übergroßes Bedürfnis, sich beruflich beweisen zu wollen. Alles Indizien für ein sehr schwaches Selbstwertgefühl. Im Vergleich dazu war das Helfer-Muster nachrangig. Aber natürlich habe ich nichts gesagt. Die Frau hat sich übrigens nie wieder gemeldet. Ich glaube, sie hat gespürt, dass sie sich mit mir ihre Grundsubstanz hätte angucken müssen. Und das wollte sie nicht. So ist das mit Veränderung: Sie wirkt bedrohlich und wird deshalb gemieden, solange es geht. Erst wenn es dann nicht mehr geht, machen sich die Menschen auf und holen sich Hilfe. Und bedauern dann, dass sie so viele Jahre verschwendet haben. Woher ich das weiß? Weil es mir selbst auch so ergangen ist…

Die größten „Show-Stopper“ für Veränderung: Irrtümer!

Wenn Sie das jetzt lesen, denken Sie bestimmt: Ach, das ist ja alles ganz einfach! Unterschätzen Sie diese Prozesse bitte nicht. Denn in Ihrem Unterbewusstsein sind mit großer Wahrscheinlichkeit jede Menge Irrtümer verbuddelt, die Sie noch nicht einmal als Irrtümer identifizieren könnten, wenn Sie Ihnen bewusst wären. Wenn ich durch die Arbeit an meiner eigenen Bewusstheit eines festgestellt habe, dann ist es die Tatsache, dass sehr Vieles, was in unserer Gesellschaft als „normal“ angesehen wird, tatsächlich destruktiv ist. Der wohl größte Irrtum ist zum Beispiel, dass Liebe schwach, nachgiebig, uncool und duckmäuserisch macht oder ist und dem Gegenüber immer den Vorzug einräumt. Das ist der größte Quatsch überhaupt! Andere lieben kann nur, wer sich selbst liebt. Und die Selbstliebe gebietet es, sich von anderen Menschen nicht missbrauchen oder übervorteilen zu lassen. Deshalb ist Liebe auch stark, bestimmt und, wenn es die Situation erfordert, auch regelrecht hart. Manche Menschen wundern sich, wenn ich grantig werde, weil sie mich schlecht behandelt haben. Denn sonst bin ich ja immer so schön freundlich. Ja, ich bin ein freundlicher Mensch, aber das heißt nicht, dass ich alles mit mir machen lasse. Denn das ist in meinen Augen Selbstliebe = Liebe. Das ist nur eines der unendlich vielen Beispiele dafür, dass unsere Gesellschaft mit destruktiven Grundannahmen operiert. Und weil es so viele gesellschaftlich „anerkannte“ destruktive Grundannahmen gibt, ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass sie auch in Ihrem Unterbewusstsein abgespeichert sind. Deshalb ist es überhaupt kein Eingeständnis von Unfähigkeit, wenn Sie sich zur Auflösung Ihrer Muster professionelle Hilfe holen. Im Gegenteil: Es zeigt, dass Sie die Verantwortung für Ihr Glück in die Hand genommen haben und auf dem besten Weg sind! Denken Sie bitte immer daran: Der einzige Mensch, der Sie glücklich machen kann, sind Sie selbst!

KatrinNr. 40: Kämpfen Sie mit einem besonders hartnäckigen Muster, dass sich partout nicht auflösen will?