Nr. 42: Können Sie Glück und Freude ertragen?

Wenn Sie auf eine graue Wand gucken, und ich frage Sie: „Können Sie Schwarz oder Weiß sehen?“, werden Sie mir doch gewiss mit „Nein!“ antworten, nicht wahr? Denn Sie sehen nur grau. Genauso ist es mit Schmerz einerseits und Glück und Freude andererseits: Wenn Sie immer in Ihrer grauen Alltagsstimmung bleiben, weil Sie Angst vor dem Schmerz haben, werden Sie nie Glück und Freude erleben. Will heißen: Nur wer seinen Schmerz gefühlt hat, hat in sich den Platz für Glück und Freude frei gemacht. Außerdem gibt es noch ein paar andere Show Stopper für Glück und Freude. All das will ich Ihnen in diesem Artikel vorstellen, damit Sie eine Vorstellung davon haben, wie Sie mehr Glück und Freude in Ihr Leben holen können.

Warum nur wer seinen Schmerz gefühlt hat, Glück und Freude empfinden kann

Ausnahmslos jedem Menschen wurde in seiner Kindheit Schmerz zugefügt. Das liegt einfach daran, dass niemand perfekt ist, weshalb auch Eltern nie perfekt sein können. Wie Sie die Fehler Ihrer Eltern verarbeitet haben, liegt wiederum daran, wie Ihre Seele beschaffen war, als Sie diese Inkarnation angetreten haben: Welche Empfindlichkeiten, Vorerfahrungen und Verletzungen Sie aus vorangegangenen Leben mitgebracht haben, ist ebenso entscheidend, wie die Tatsache, wie sensibel Ihre Seele ist. Das heißt: Der Schmerz, der in Ihnen ist, ist eine veritable Gemeinschaftsleistung aus den unvermeidlichen Fehlern der Eltern einerseits und der Reaktion Ihrer Seele auf diese Fehler andererseits. Und da sich Ihre Seele Ihre Eltern für diese Inkarnation als Eltern ausgesucht hat, tragen Sie auch für diese Auswahl die Verantwortung. Falls Sie sich gegen diese Verantwortung für die Auswahl Ihrer Eltern sträuben, weil Sie lieber Ihre Eltern weiter anklagen wollen, können Sie das gern tun. Nur dann werden Sie in Sachen Glück und Freude keinen Schritt weiterkommen. Glück und Freude kann nur erleben, wer die volle Verantwortung für seinen eigenen Schmerz übernimmt.

Die Seele eines Kindes kann mit dem Schmerz, den es wegen der Fehler der Eltern empfindet, nicht umgehen. Das liegt daran, dass ein Kind in jeder Hinsicht von seinen Eltern abhängig ist; ohne die Eltern würde es sterben. Das Kind steht also vor der unlösbaren Situation, von Menschen abhängig zu sein, die ihm weh tun. Weil das Kind in erster Linie überleben will, friert es seinen gesamten Schmerz ein. Es wird taub für den eigenen Schmerz. Es tut so, als ob dieser nicht existiert. Diese Taubheit kann sich regelrecht wie eine Schockreaktion anfühlen und sich in Lähmung und Ohnmacht äußern. In der Kindheit ist das eine adäquate Lösungsstrategie um zu überleben. Nur ist später das Problem: Wenn der Schmerz in der Seele taub und eingefroren ist, kann die Seele nicht frei schwingen, was aber notwendig ist, um Glück und Freude zu empfinden. Denn Glück und Freude sind lebendig vibrierende Seelenbewegungen, die eine taube Seele nicht produzieren kann. Also gibt es nur einen Weg: Man muss die eingefrorenen Gefühle des Schmerzes auftauen, die Schmerzen voll fühlen, damit die Seele in Glück und Freude wieder frei schwingen kann, was ihre Bestimmung und ihre Sehnsucht ist.

Was die Quantität angeht, können Sie sich das wie eine Amplitude vorstellen: Je weniger Sie von Ihrem Schmerz gefühlt haben, desto weniger Glück und Freude können Sie empfinden. Je mehr Sie sich durch Ihren Schmerz gewühlt haben, desto größer wird Ihre Kapazität für Glück und Freude. Wer Angst vor dem eigenen Schmerz hat, hat zwangsläufig auch Angst vor Glück und Freude.

Können Sie spüren, dass Sie Glück und Freude verdient haben?

Die nächste Klippe nach dem Schmerz ist das Selbstwertgefühl. Denn nur wer innerlich weiß, dass er Glück und Freude verdient hat, kann Glück und Freude annehmen. Erinnern Sie sich nur daran, als Sie das letzte Mal etwas bekommen haben – ein Geschenk, ein Kompliment oder eine andere Aufmerksamkeit – und Sie ein ungutes Gefühl dabei hatten oder dieses Etwas vielleicht sogar abgelehnt oder abgewertet haben. Dann wissen Sie, wie es sich anfühlt, etwas nicht verdient zu haben. Genauso ist es mit Glück und Freude: Sie können diese Gefühle nur zulassen, wenn Sie innerlich die Gewissheit haben, dass Sie beides verdient haben.

Auf einer bewussten Ebene werden Sie vielleicht sagen: Natürlich habe ich alles Glück dieser Welt verdient! Aber dann gucken Sie mal genau hin, wie Sie tatsächlich reagiert haben, als Ihnen das Leben das letzte Mal etwas „Gutes“ spendiert hat: Waren Sie entspannt und freudig? Oder aber verspannt und irgendwie beschämt? Oder war Ihr erster Gedanke daran, wie Sie dem Menschen, der Ihnen dieses Gute beschert hat, etwas zurückgeben können, weil Sie sich „schuldig“ gefühlt haben? Oder haben Sie gar eine vielversprechende Beziehung aufgrund nichtiger Erwägungen kaputtgemacht? An Ihren Reaktionen auf das „Gute“ im Leben können Sie sehen, was Ihr Selbstwertgefühl dazu sagt, ob Sie Glück und Freude verdient haben. Wenn Ihr Selbstwertgefühl streikt, müssen Sie erst einmal dort ansetzen, bevor Glück und Freude in Ihr Leben einziehen können.

Ein schwieriger Show Stopper: Die Verbindung zwischen Schmerz und dem Gefühl der Wertlosigkeit

Nun gibt es eine kniffelige Verbindung zwischen dem Fühlen und dem Auflösen des eigenen Schmerzes einerseits und dem Thema „Selbstwert“ andererseits, die man kennen muss, weil man sich sonst verheddern kann: Den eigenen Schmerz zu fühlen, kann eine echte Tortur sein, wenn man innerlich abgespeichert hat, dass Schmerz gleichbedeutend mit Wertlosigkeit ist. Tatsächlich besteht diese Verbindung in vielen Menschen, und natürlich ist auch sie ein Überbleibsel aus der Kindheit. Das Kind hat gelernt: Wenn ich Schmerz fühle, habe ich etwas falsch gemacht und bin deshalb ein „böses Kind“ = wertlos. Diese gedankliche Fehl-Verbindung können Sie in sich auflösen, indem Sie sich bewusst machen: Schmerz ist in jedem Menschen. Es geht gar nicht anders. Also kann es gar nicht sein, dass Sie wegen Ihres Schmerzes ein schlechter oder gar wertloser Mensch sind. Die Wahrheit ist vielmehr das glatte Gegenteil: Sie sind ein Held, wenn Sie Ihren Schmerz fühlen! Sie sind extrem mutig! Sie kämpfen damit dafür, dass diese Welt ein besserer Ort wird, weil jeder Mensch, der sich für Glück und Freude öffnet, mehr Glück und Freude in die Welt bringen kann.

Ein weiterer schwieriger Show Stopper: Schuld!

Schuld ist im Grunde genommen ein Aspekt des Themas „Selbstwert“. Denn wer sich schuldig fühlt, wird auch mit Selbstwertproblemen hadern. Auch wer sich schuldig fühlt, glaubt in seinem tiefsten Inneren, Glück und Freude nicht verdient zu haben. Ich will den Aspekt der Schuld trotzdem gesondert ansprechen, weil er einfach so extrem wichtig ist. Denn um Schuld herum gibt es viele Klippen, die man nur nehmen kann, wenn man einiges über Schuld verstanden hat. Das Thema „Schuld“ ist einen eigenen Artikel wert, weil es so komplex ist. Ich will an dieser Stelle nur einige Aspekte anreißen, damit Sie hoffentlich den Ansatzpunkt in sich selbst finden dafür, wo Sie vielleicht Ihr eigenes Glück und Ihre eigene Freude boykottieren.

  • Fühlen Sie sich gegenüber einem anderen Menschen in irgendeiner Weise verpflichtet und opfern Sie dafür das eigene Glück? Das ist nichts anderes als ein Schuldgefühl. Haben Sie sich mal gefragt, ob dieses Gefühl der Verpflichtung überhaupt sachgerecht ist? Ist Ihnen klar, dass Sie in allererster Linie die Verantwortung für sich selbst und Ihr eigenes Glück tragen? Ist es tatsächlich so, dass wenn Sie Ihr eigenes Glück für diesen anderen Menschen opfern würden, dass dieser andere Mensch dann irgendwann glücklich würde? Oder verplempern Sie Ihre Ressourcen nur mit einen Menschen, der unglücklich sein will? Denken Sie bitte immer daran: Sie werden keinen Menschen in der Welt, der unglücklich sein will, davon abhalten können unglücklich zu sein. Wenn Sie Ihr eigenes Glück darin suchen, diesen Menschen, der unglücklich sein will, glücklich zu machen, werden Sie zwangsläufig Schiffbrauch erleiden und ebenfalls unglücklich bleiben.
  • Gibt es noch Hass oder Feindseligkeit in Ihnen? Die Antwort ist, wenn Sie ehrlich mit sich sind, mit großer Wahrscheinlichkeit: „Ja!“. Denn nur wer erleuchtet ist, ist frei von Hass und Feindseligkeit. Und wer ist schon erleuchtet? In dem Maße, wie noch Hass und Feindseligkeit in Ihnen ist, fühlt sich Ihre Seele automatisch schuldig. Denn Hass und Feindseligkeit lösen unweigerlich Schuldgefühle aus. Wenn Sie noch viel Hass und Feindseligkeit in sich haben, müssen Sie dort ansetzen und den Hass und die Feindseligkeit auflösen, wenn Sie mehr Glück und Freude erfahren wollen.
  • Haben Sie mit Ihrer Vergangenheit „reinen Tisch gemacht“? Jeder Mensch macht im Laufe seines Lebens Fehler und fügt damit sich selbst oder anderen Menschen Schmerzen zu. Deshalb modert Schuld in jedem Menschen, der schon ein paar Jahrzehnte gelebt hat. Gucken Sie sich genau an: Wo habe ich mir selbst Schmerz zugefügt? Wo habe ich anderen Menschen Schmerz zugefügt? Habe ich schon Wiedergutmachung geleistet? In welcher Form auch immer? Dabei ist es außerdem wichtig, mit der schwierigen Situation klarkommen zu können, dass man manchmal anderen Menschen Schmerz zufügen muss, um sich selbst vor Schmerzen zu schützen. Wenn Sie Glück und Freude in Ihr Leben einladen wollen, müssen Sie in Ihrer Vergangenheit „aufräumen“, weil diese Ihnen sonst wie ein Klotz an den Füßen hängt und Sie von Glück und Freude fernhält.

Wenn auch nur einer dieser drei Gesichtspunkte in Ihnen eine Reaktion auslöst, empfehle ich Ihnen dringend, dass Sie sich eingehend damit beschäftigen. Schuld hat wirklich eine lähmende Wirkung. Dabei kann man mit jeder Schuld zu Rande kommen, wenn man sie anpackt und auflöst. Mit ausnahmslos jeder. Ich verspreche Ihnen: Für jede Schuld gibt es eine Lösung. Das Urteil „lebenslang“ gibt es nicht. Vor Gott sind Sie sowieso unschuldig. Gott will nur eines für seine Kinder: Dass sie glücklich sind. Denn nur dann kann diese Welt ein besserer Ort werden. Es ist allein Ihre Sache, ob Sie das Thema „Schuld“ angehen und lösen wollen oder aber ob Sie es weiter ignorieren und weiter unglücklich sein wollen.

Ein kleiner Schlüssel zu mehr Glück und Freude im Leben: Dankbarkeit!

Veränderung ist leichter, wenn man im Kleinen damit anfängt. Deshalb ist aus meiner Sicht der erste Schritt zu mehr Glück und Freude im eigenen Leben der, dass man sich anguckt, was man sowieso schon alles an erfreulichen Gegebenheiten in seinem Leben hat, was immer das auch sei: Liebe Menschen, Gesundheit, materielle Sicherheit, die eigenen Talente, Lebensweisheit oder was auch immer. Wenn Sie bewusst durch den Tag gehen, werden Sie ganz viele kleine Geschenke entdecken können, die Grund für dankbare = freudige Gefühle sind: Der Schuster hat Ihre Lieblingshandtasche „gerettet“, die Sie schon abgeschrieben hatten. Ist das nicht wunderbar? Ein Fremder hat Ihnen heute ein Kompliment zu Ihrem Aussehen gemacht, wo Sie doch in den letzten Tagen gedacht haben: „Mensch, bin ich alt geworden!“ Ist das nicht wunderbar? Sie wussten nicht, wie Sie die vielen Pakete zur Post bringen sollen. Da bietet Ihnen der DHL-Bote, den Sie zufällig auf der Straße treffen, an, dass er nachher bei Ihnen vorbeikommt und sie abholt. Ist das nicht wunderbar? Wenn man genau hinguckt, gibt es selbst im tristesten Alltag die kleinen Wunder, die das Herz zum Hüpfen bringen können. Man muss das Herz nur hüpfen lassen können…

Wie Menschen sich die eigene Freude kaputtmachen

Je tiefer ich hingucken kann, desto mehr sehe ich, wie sich Menschen Freude oder Möglichkeiten für Freude selbst kaputtmachen. Ein Kompliment kann nicht angenommen werden, weil man ja nur das gemacht hat, was die Pflicht gebietet. Dass diese Pflichterfüllung einen anderen Menschen wirklich bereichert hat, ist der Erwähnung nicht wert. Also wird das Kompliment abgewertet. Man könnte sich doch auch über das Kompliment und die Tatsache, dass man das Leben eines anderen Menschen bereichert hat, freuen, oder nicht? Es ist doch schön, wenn die eigene Pflichterfüllung das Leben anderer Menschen bereichert! Es ist doch erfreulich, wenn man etwas zu geben hat!

Oder da wird einem Aufmerksamkeit von einem Menschen geschenkt, den man nicht dafür bezahlt hat, dass er das tut. Für mich ein Grund zur Freude! Andere hadern damit, dass sie glauben, dadurch „klein gemacht“ zu werden, weil sie sich selbst in der gebenden Position als überlegen ansehen. Blödsinn! Wer gibt, hat Freude daran, wenn mit Freude angenommen wird, was er zu geben hat. Geben und Nehmen sind ein und das Gleiche: Wer dankbar annimmt, der gibt! Aber damit sind wir im Grunde genommen wieder beim Thema „Selbstwertgefühl“ angelangt: Wer seinen Wert nur darüber definiert, dass er „gibt“, kann nicht annehmen und wertet damit automatisch denjenigen ab, dem er gibt. Ich schüttele mittlerweile sehr häufig den Kopf darüber, wie Menschen sich selbst Freude kaputtmachen… Ich glaube zutiefst daran, das Glück und Freude im ersten Schritt eine Entscheidung sind: Wollen Sie sich freuen? Wollen Sie sich durch die Freude anderer Menschen berühren und anstecken lassen? Oder wollen Sie lieber cool und überlegen bleiben. Das können Sie gern. Aber dann beklagen Sie sich bitte nicht darüber, dass Sie so wenig Freude im Leben haben!

Mein Wunsch für Sie: Seien Sie glücklich und voller Freude!

Ich wünsche Ihnen von Herzen alles Glück und alle Freude dieser Welt! Auch wenn ich wie eine kaputte Schallplatte klinge: Unser aller Leben wird nur dann freudvoller, wenn jeder Einzelne mehr Glück und Freude in sein Leben holt. Aber das gibt es leider nicht gratis, sondern man muss etwas dafür tun. Dem eigenen Leben kann man nichts von außen „hinzufügen“, wenn vorher nicht innerlich der Raum dafür freigemacht wird. Der tollste Lottogewinn wird Ihnen zwischen den Fingern zerrinnen, wenn Sie innerlich nicht spüren können, Reichtum verdient zu haben. Die intensivste Romanze wird eine Romanze bleiben, wenn Sie in sich nicht Raum dafür freigeschaufelt haben, dass Sie Liebe empfangen können. Die allermeisten Menschen scheuen diese Arbeit und bleiben lieber beim vertrauten Grau des gewohnten Alltags.

Wie ist es mit Ihnen? Wollen Sie weiter auf eine graue Wand gucken? Oder haben Sie Lust auf Farbe, Glück und Freude in Ihrem Leben?

 

KatrinNr. 42: Können Sie Glück und Freude ertragen?