Nr. 46: Willst Du eine Gotteserfahrung machen? Oder auch: Über Liebe, Eros und Sex

Bei einem spirituellen Workshop vor vielen Jahren habe ich mal miterlebt, wie ein Riesen-Hype um Gotteserfahrungen gemacht worden ist: Einige Teilnehmer, die das schon mal erlebt hatten, sind in die Mitte des Kreises gerufen und damit quasi als „Elite“ der Gruppe präsentiert worden. Ich war nicht dabei, aber das störte mich gar nicht, weil ich so beschäftigt damit war herauszufinden, was wohl das Kriterium dafür ist, dass jemand eine Gotteserfahrung machen darf, und was das überhaupt ist. In den Gesprächen in der anschließenden Pause wurde aber deutlich, dass diese Aktion bei den anderen Teilnehmern viel Neid, Missgunst und Minderwertigkeitsgefühle ausgelöst hatte. Deshalb ist es mir wichtig, Dir eine gute Botschaft zu überbringen: Jeder, der bereit ist, dafür zu arbeiten, kann eine Gotteserfahrung machen!

Was ist eine Gotteserfahrung?

Eine Gotteserfahrung ist eine außersinnliche Wahrnehmung, bei der das normale Bewusstsein durch Trance „ausgeschaltet“ ist und die sich nicht in Worten oder Bildern beschreiben lässt. Wie die Trance induziert ist – ob durch Meditation, Gesang oder Handauflegen -, ist dabei gleichgültig. Dass sich dieser Erfahrung nicht in Worte fassen lässt, ist jedoch das kennzeichnende Merkmal einer echten Gotteserfahrung. Denn – wie schon der Mystiker Ignatius von Loyola festgestellt hat -, es gibt auch sogenannte „falsche“ Gotteserfahrungen: Wem in einer Trance Gott in personifizierter Form oder als Bild erscheint, erhält von seinem Höheren Selbst lediglich die Aufforderung, sich mit dem Bild auseinanderzusetzen, das man sich selbst von Gott gemacht hat. Aber das hat nichts mit Gott selbst zu tun. Auch wenn man sich selbst in der Trance körperlos in einem rein weißen, rein schwarzen oder grauen Umfeld erlebt, ist das keine Gotteserfahrung, sondern ein Bild, das das Höhere Selbst dazu benutzt, einem selbst einen bestimmten Bewusstseinszustand zu veranschaulichen, will heißen: Wo man in der eigenen seelischen Entwicklung gerade steht.

Wer macht wo und wie eine Gotteserfahrung?

Eine Gotteserfahrung macht, wer sie sich erarbeitet und damit verdient hat. So einfach ist das. Denn Gott behandelt alle Menschen gleich und würde nie jemanden bevorzugen oder benachteiligen. Vielmehr gilt (wie auch sonst) ganz strikt das Gesetz von Ursache und Wirkung: Wer sich entweder in diesem oder aber in einem vorangegangenen Leben spirituelle Meriten erarbeitet hat, wird dafür belohnt, und eine mögliche Form der Belohnung ist es eben, in der irdischen Hülle eine Gotteserfahrung machen zu dürfen. Falls irgendjemandem nicht klar sein sollte, warum das eine Belohnung ist: Wer erfahren hat, dass es Gott tatsächlich gibt, weiß, dass Spiritualität kein Unfug, sondern Wahrheit ist. Die Sicherheit, die man daraus gewinnt, ist wunderbar.

Begnadete Heiler besitzen die Fähigkeit, Gotteserfahrungen zu vermitteln. Aber diese Heiler können immer nur Vermittler, aber nie die „Quelle“ dafür sein. Denn eine Gotteserfahrung macht eben nur, wer sie sich erarbeitet und verdient hat. Dabei gibt es ganz viele Möglichkeiten, wie man sich für eine Gotteserfahrung verdient machen kann. Ich verrate Dir hier einen totsicheren Tipp, wie es gelingen kann: Vereine in Dir die Ströme von Liebe, Eros und Sex, und Dein Schlafzimmer wird zum Tempel möglicher Gotteserfahrungen! Denn dann kann potentiell jeder Liebesakt mit dem/der Geliebten zur Gotteserfahrung werden!

Wie Du die Ströme von Liebe, Eros und Sex miteinander vereinen kannst

Was Sex ist, muss ich nicht erklären, oder? Aber was erklärungsbedürftig ist: Sex allein ohne Gefühl ist nichts anderes als die vergleichbar „ungefährliche“ Version eines Extremsports mit „dem gewissen Kick“ wie etwa Bungee-Jumping, Fallschirmspringen oder Drachenfliegen: Es ist eine rein körperliche Erfahrung, die das normale Bewusstsein in den Hintergrund drängt und bestenfalls ausschaltet.

Die Erfahrung gewinnt schon an emotionaler Tiefe, wenn man in den Partner/die Partnerin verliebt ist. Verliebtheit nenne ich hier Eros, um deutlich zu machen, dass Verliebtsein nichts – aber auch rein gar nichts – mit Liebe zu tun hat. Jeder, der schon mal Sex ohne und mit Eros, also im unverliebten und im verliebten Zustand erlebt hat, wird mir sicherlich zustimmen, dass letzterer erfüllender ist. Aber um sich zu verlieben, muss man nichts tun. Das passiert entweder, oder es passiert eben nicht.

Dafür, ob, wann und in wen Du Dich verliebst oder nicht, gibt es übrigens auch Gesetze. Dein Bewusstsein lässt es nur dann zu, dass Du Dich verliebst, wenn diese Erfahrung mit just diesem Objekt der Begierde für Deine Entwicklung sinnvoll und förderlich ist. Deswegen ist es immer sinnvoll, sich auf Menschen einzulassen, in die man sich verliebt hat. Insofern habe ich mal zwei denkwürdige Erfahrungen gemacht: Innerhalb relativ kurzer Zeit habe ich mich erst in einen Mann verliebt, der exakt die gleiche Charakterstruktur wie meine Mutter hatte, und dann in einen anderen Mann, der exakt die gleiche Charakterstruktur wie mein Vater hatte. Weil ich mit meinen beiden Eltern meine liebe Not hatte, hat mir das den Angstschweiß auf die Stirn getrieben. Insofern war es mir regelrecht lieb, dass diese beiden Herren vorzogen, bei ihren Ehefrauen zu bleiben. Aber tatsächlich hat mich das Leben in der Zeit danach gezwungen, mich jeweils intensiv erst mit dem Verhältnis zu meiner Mutter und dann mit dem zu meinem Vater zu beschäftigen. Also, guck Dir an, in wen Du Dich verliebst, und Du weißt, was Du gerade lernen und für Dich klären sollst. Aus diesen Erfahrungen habe ich außerdem geschlossen: Ich bin noch nicht reif für die „große Liebe“. Denn solange Du Dich in Menschen verliebst, die Deine Gefühle nicht erwidern oder die nicht frei, weil anderweitig gebunden sind, weißt Du, dass das Thema „Partnerschaft“ in Deiner Entwicklung noch nicht ansteht, sondern Du erst noch andere vorbereitende Erfahrungen machen musst.

Um Eros zu entfachen, kann oder muss man also nichts tun. Warum gibt es ihn dann überhaupt? Eros ist der „Trick“ der göttlichen Schöpfung, die Menschen dazu zu animieren, das Lieben zu lernen. Denn Verliebtheit ist ein Hormoncocktail, der ähnliche Gefühle wie Liebe auslöst. Dieser Hormoncocktail hält allerdings von allein nur zwei bis vier Jahre vor, wenn er nicht irgendwann mit Liebe unterfüttert wird. Und Liebe kommt nie von allein. Wer Liebe erleben und leben will, muss dafür arbeiten. Diese Arbeit besteht darin, dass man bestimmte Erfahrungen in seinem Leben machen und konstruktiv verarbeiten muss. Deshalb kann die „große Liebe“ allenfalls erst in der zweiten Lebenshälfte entstehen. Das schließt natürlich nicht aus, dass man sie nicht auch mit dem Partner/der Partnerin aus der ersten Lebenshälfte erleben kann, wenn beide aneinander und miteinander gewachsen sind. Das Problem dabei ist allerdings, dass die wenigsten Menschen ihre Lebenserfahrungen konstruktiv verarbeiten, einfach weil sie nicht wissen, wie das geht. Deshalb empfehle ich jedem, der Liebe leben will, sich Hilfe zu suchen, um sicher zu gehen, mit konstruktiven Konzepten unterwegs zu sein.

Was insofern konstruktive Konzepte sind, umfasst meine gesamte Arbeit, denn der Weg in die Bewusstheit ist nichts anderes als der Weg zur Liebe. Will heißen: Das kann ich hier nicht in einem Absatz zusammenfassen. Was ich nur immer wieder feststelle: Das Allermeiste, was in der Gesellschaft als „normal“ gilt, ist diametral entgegengesetzt zu dem, was für die Liebe konstruktiv ist. Das sagt einiges darüber aus, wo wir mit unserer Gesellschaft stehen, nicht wahr? Ach, und übrigens: Um das Lieben zu lernen, muss man nicht unbedingt einen Partner haben. Denn im ersten Schritt geht es immer darum, sich selbst kennen und lieben zu lernen.

Showstopper für die Vereinigung von Liebe, Eros und Sex

Auch wenn ich Dir hier also nicht mal eben aufschreiben kann, wie Liebe funktioniert, will ich Dir wenigstens mitgeben, wovon Du unbedingt die Finger lassen solltest, wenn Du Dir nicht dicke Hürden in Dein Liebesleben hineinbauen willst. Denn alles, was ich hier aufzähle, verstärkt die Trennung zwischen Liebe, Eros und Sex, weshalb es dann (noch) schwerer ist, die Trennung irgendwann in Vereinigung umzuwandeln.

  • Sex ohne jedes Gefühl. Sex ohne jedes Gefühl fördert die Spaltung zwischen Sex und Liebe. Wenigstens Respekt, Sympathie und Wohlwollen sollten mit im Boot sein. Häufige Partnerwechsel indizieren einen Mangel an Gefühl, weil das auf Beliebigkeit hindeutet.
  • Sex mit Gewalt. Wer Lust bei Sex mit Gewalt empfindet, hat eine innere Fehlprogrammierung im eigenen Bewusstsein, die die göttliche Gabe Sex mit der „teuflischen“ Gewalt verbindet. Damit ist der Sex „fehlbesetzt“ und nicht frei für die Liebe. Diese Fehlprogrammierung lässt sich natürlich beheben, und wer Liebe leben will, sollte das möglichst frühzeitig tun.
  • Missbrauch von Eros. Wer immer wieder nur Eros auslebt und sich dann aber, wenn Eros sich verflüchtigt hat, immer wieder einen neuen Partner/eine neue Partnerin sucht, mit dem wiederum nur der Eros abgefeiert wird, darf sich nicht wundern, wenn ihn Eros irgendwann im Stich lässt: Eros ist ein göttliches Geschenk, das nicht missbraucht werden darf.
  • Dauerhafte „Zweitbeziehung“ und „offene Ehe“. Ich kenne nicht wenige Menschen, die über einen Zeitraum von mehren Jahren neben ihrer offiziellen „Hauptbeziehung“ eine mehr oder weniger inoffizielle „Zweibeziehung“ führen. Wer daran beteiligt ist, spaltet sich selbst auf. Das gilt für den „betrügenden“ wie für den „betrogenen“ Partner, weil solche Konstellationen immer eine Gemeinschaftsproduktion sind, an der alle beteiligt sind. Man kann zwar viele Menschen auf ganz unterschiedliche Art und Weise lieben. Aber die Vereinigung von Liebe, Eros und Sex funktioniert ausschließlich als Exklusiv-Veranstaltung. Deshalb sind auch „offene Ehen“ schädlich.

Ich hoffe sehr, dass bei dieser Aufzählung klar geworden ist, dass ich nicht mit dem moralischen Zeigefinger fuchteln will. Tatsächlich war ich früher in Liebesdingen ein unmoralischer Mensch, der viel zu viel Unfug angestellt hat. Lange Zeit bevor ich angefangen habe, mich intensiv mit Spiritualität zu befassen, konnte ich aber irgendwann spüren, dass mir das nicht gut tut und dass das destruktiv für mich ist. Das ist für mich mittlerweile in jeder Hinsicht der Maßstab aller Dinge geworden: Ist das konstruktiv oder destruktiv? Und alles, was ich hier aufgezählt habe, ist destruktiv. Das soll jetzt nicht heißen, dass ich Dir empfehlen will, etwaige in diese Richtungen gehende Aktivitäten von heute auf morgen sofort einzustellen. Was ich empfehle, ist ein bewusster Umgang mit diesen Themen. Wer die Verbindung von Liebe, Eros Sex leben will, wird sie für sich außerdem lösen müssen.

Na, wie wäre es mit einer Gotteserfahrung?

 

Bildrechte: Till Krech „pyronale berlin 2006 (XIV)“; Bildquelle: www.piqs.de

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