Nr. 5: Kennen Sie den Unterschied zwischen Glaube, Wissen und Gewissheit?

Menschen, die an Gott und die Existenz einer geistigen Welt „glauben“, werden oft für naiv gehalten. Das hat in erster Linie mit einem Irrtum darüber zu tun, was das Wort „glauben“ inhaltlich bedeutet. Denn von seinem Wort her bedeutet es nichts anderes als das in irdischen Dingen geläufige Wort „Weltanschauung“, das den Flair von erwachsener Verständigkeit und intellektueller Fähigkeit zur Meinungsbildung umgibt und deshalb eine durchweg positive Konnotation hat. Mit anderen Worten: Wer ein materialistisches Weltbild vertritt, „glaubt“ genauso wie jemand, der für Gott und die spirituelle Weltsicht eintritt. Denn Tatsache ist: Es gibt keine Beweise dafür, dass das materialistische Weltbild zutrifft! Es gibt lediglich eine Gesellschaft die kollektiv davon ausgeht, dass es richtig ist. Und weil es Andersdenkende schon immer schwer hatten, ist es schlichtweg bequemer und naheliegender einfach das zu glauben, was die meisten anderen glauben.

Nun denken Sie vielleicht: „Aber Materie kann man anfassen, alles andere nicht. Das ist doch der Beweis!“ Nein, ist es nicht. Denn Sie kennen genügend Erscheinungen, die überhaupt rein gar nichts mit Materie zu tun haben. Oder haben Sie noch nie mit einem anderen Menschen Gedankenübertragung erlebt? Haben Sie noch nie von etwas geträumt, das sehr reale Bezüge zu Ihrem eigenen Leben hat? Aus der Psychologie wissen wir heute, dass Gefühle „ansteckend“ sein können und wesentlicher Bestandteil der unterbewussten Kommunikation sind. Dagegen könnten Sie einwenden: „Aber das sind doch alles Erscheinungen, die das Gehirn und damit die Materie erzeugt hat.“ Dem halte ich entgegen: Unser Gehirn ist eines der Organe, mit dem wir Menschen mit der geistigen Welt kommunizieren können. Denn irgendwie muss die geistige Welt ja Einfluss nehmen können, wenn sie die irdische hervorbringen will. Außerdem stellt das spirituelle Weltbild ja gar nicht in Frage, dass Materie existiert. Es geht nur – anders als das materialistische Weltbild – davon aus, dass Materie bei Weitem nicht alles ist, sondern lediglich eine Ausdrucksform oder eine Art materialistische Zirkusarena der geistigen Welt, die einem bestimmten spirituellen Zweck dient. Und so könnten wir stundenlang weiter diskutieren, ohne zu einem Ergebnis zu kommen. Denn letztlich glauben alle Menschen das, was sie sich – bewusst oder unbewusst – zu glauben entschieden haben. Nur Tatsache ist: Wer allein deshalb an ein materialistisches Weltbild glaubt, weil alle anderen das auch tun, und deshalb Spiritualität und Gott ungeprüft ablehnt, ist tatsächlich leichtgläubiger als jemand, der bereit ist, seine eigene Wahrheit zu finden. Denn ersterer glaubt an etwas, ohne es selbst je geprüft haben, während letzterer einiges an Aufwand betrieben hat, um sich selbstständig eine Meinung zu bilden.

Damit Sie mich richtig verstehen: Ich will Sie nicht von meinem Weltbild überzeugen. Nichts läge mir ferner! Das einzige, was mir am Herzen liegt, ist, dass Sie sich bewusst und selbstbewusst Ihre eigene Meinung bilden. Denn als Gesellschaft erleben wir eine Phase des Umbruchs, die dazu führt, dass sich in vielen Menschen der spirituelle Kern regt und endlich zum Ausdruck gebracht und beachtet werden will. Erkennen kann man das an latenter Unruhe oder Unzufriedenheit und dem Gedanken: „Das kann doch noch nicht alles gewesen sein.“ Und wer weiß: Vielleicht ist Ihre ablehnende oder zurückhaltende Haltung gegenüber der Spiritualiät nur unterbewusst konditioniert? Dann haben Sie einen inneren Kampf in sich toben, der mich selbst im Nachhinein betrachtet viel zu viel Lebenszeit und Kraft gekostet und meine Krise unnötig verlängert hat: Ihr innerstes Wesen sehnt sich nach Gott, und Ihr fehlkonditioniertes Unterbewusstsein hält sie davon fern.

Glaube an Gott und die geistige Welt ist im ersten Schritt immer nur die Offenheit dafür, dass die Welt und Sie selbst ganz anders beschaffen sein und ganz anders ticken könnten, als Sie das bislang immer gedacht haben. Es geht lediglich um das „Für-möglich-halten“.

Im nächsten Schritt geht es darum, dass Sie sich Wissen aneignen. Das Leben wird dafür sorgen, dass sich Ihnen entsprechende Quellen auftun, sobald Sie sich geöffnet haben und die Welt erforschen wollen. Diese Aneignung von Wissen ist ein sehr sensibler Aspekt in Ihrer Entwicklung. Denn Wissen wird von Menschen weitergegeben, die – das ist die Natur des Menschen – fehlbar sein können, und wenn Sie von jemandem lernen wollen, müssen Sie ihm oder ihr trotz seiner möglichen Fehlbarkeit ein Stück weit „glauben“. Sonst lernen Sie nichts. Und dabei gibt es natürlich im spirituellen Bereich – wie auch in jeder anderen Berufsgruppe wie etwa unter Ärzten, Anwälten und Handwerkern auch –, alle möglichen „Qualitätsstandards“ bis hin zum ausbeuterischen Missbrauch. Deshalb ist es wichtig, dass Sie immer auf Ihr inneres Wesen hören, ob ein Lehrer oder eine Lehrerin sich für Sie stimmig und passend anfühlen oder aber eben nicht. Allein mit dem Verstand werden Sie dabei nicht weit kommen. Denn am Anfang Ihrer Entwicklung ist Ihr Verstand noch nicht ausreichend mit Ihrem inneren Wesen verdrahtet, sondern wiederholt immer nur das, was Sie sowieso schon immer gedacht und in Ihrem Unterbewusstsein abgespeichert haben. Und wenn Sie genau das überprüfen und vielleicht sogar überwinden wollen, bleibt Ihnen nichts anderes übrig, eine andere Wahrnehmungsinstanz in sich zu aktivieren. Aber seien Sie sicher: Es gibt diese Instanz in Ihnen! Vielleicht müssen Sie auch den einen oder anderen Irrtum erleben, aber das wird dann auch seinen Sinn haben. Falsch machen können Sie jedenfalls nichts, wenn Sie sich aufrichtig bemühen, den für Sie richtigen Weg zu finden.

Wenn Sie sich genügend Wissen angeeignet haben und aufmerksam damit umgehen, werden Sie zunehmend Erfahrungen machen, anhand derer Sie prüfen können, ob das Wissen, das Sie sich angeeignet haben, zutreffend ist oder aber nicht. Vielleicht suchen Sie auch ganz gezielt danach, neue Erfahrungen zu machen, um Ihr Wissen zielgerichtet einer Überprüfung zu unterziehen. Die Möglichkeiten dazu werden sich Ihnen bieten. Sie werden fühlen, was richtig und wahr ist und was nicht. Und Sie werden dann von dem Wissen natürlich nur dasjenige an Bord behalten, was dieser Überprüfung auch standhält und vielleicht das eine oder andere verwerfen.

Wenn Sie dann genügend Erfahrungen gemacht haben, werden Sie vielleicht irgendwann einmal von sich selbst sagen: „Ich glaube an Gott und die geistige Welt!“ Aber wenn Sie soweit sind, werden Sie dem Stadium, das man landläufig als „Glaube“ bezeichnet, längst entwachsen sein. Denn dann haben Sie bereits die innere Gewissheit gewonnen, dass es Gott gibt.

Dieser Weg ist bei den meisten Menschen nicht so stringent, wie es hier klingen mag. Wer wirklich Gott sucht und nicht nur eine Art Image-Oberflächen-Religion pflegt, bewegt sich in Schleifen oder nach dem Motto „drei Schritte vor, zwei zurück“, weil Zweifel unausweichlich sind und auch immer wieder auftreten können. Natürlich kann man Gott im Gebet um Beweise bitten. Sie können Gott um alles bitten. Allerdings wird Gott diese Beweise nur in seltenen Ausnahmefällen gewähren, und zwar aus einem ganz einfachen Grund: Beweise können uns nur dann überzeugen, wenn wir selbst schon zu einem überwiegenden Anteil überzeugt sind. Sonst vergessen wir sie ganz schnell wieder, wie ich aus eigener Erfahrung weiß (und fast vergessen hätte, wenn man mich nicht darauf aufmerksam gemacht hätte). Außerdem gehört es zum Wesen der spirituellen Entwicklung, dass man seinen eigenen Weg finden muss. Genau das verlangt Gott von uns. Sie können darauf vertrauen, dass Ihnen jede Menge Hilfestellung gegeben wird, indem Sie zum Beispiel auf passende Lehrer und Bücher stoßen, wenn Sie nur offen und empfänglich dafür sind. Aber Ihnen wird nie die Arbeit selbst abgenommen. Und wer hart genug an seiner Selbsterkenntnis arbeitet, bekommt mit Glück dann doch einmal einen Beweis geschenkt. Aber Beten allein reicht nicht. Wer wirklich Gott finden will, muss seinen eigenen Weg finden.

Und? Sind Sie zu diesem Abenteuer bereit?

 

 

Foto: „Nepal-Tempel bei Regensburg“ von Diefert; Bildquelle: piqs.de

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