Nr. 51: Weißt Du, wie Du aus der Wahl Trumps zum Amerikanischen Präsidenten das Beste machen kannst?

Ein Großteil der Welt ist erschüttert: Trump hat es geschafft und ist zum neuen Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt worden. Zum Glück haben wichtige öffentliche Meinungsmacher in Deutschland nicht den Fehler gemacht, jetzt Panik und Angst zu schüren. Denn das wäre die allerfalscheste Reaktion. Panik und Angst führen zu Lähmung und würden die Situation nur verschlimmern. Wir alle tun vielmehr gut daran, wenn wir alle unsere Kräfte mobilisieren, um mit dieser sicherlich nicht leichten Situation konstruktiv umzugehen und insbesondere um zu verhindern, dass sich das Phänomen „Trump“ noch weiter ausbreitet. Denn Trump ist nur die Spitze des Eisbergs; die Parallelen zu Putin, Assad, Le Pen, Brexit, IS und auch zur AfD und Pegida werden überall gezogen. Doch was können wir tun? Oder: Was kann jeder Einzelne von uns tun?

Zitat Sascha Lobo: „Wir müssen aus unseren Fehlern lernen. Sonst ist Trump unser kleinstes Problem.“

So übertitelt Sascha Lobo seinen Kommentar auf Spiegel Online zur Wahl Trumps. Mein Herz hat gejubelt, als ich das gelesen habe!!! Denn Tatsache ist: Egal, wie sehr wir gegen Trump wettern, ändern oder aufhalten können wir ihn nicht. Alle beschwören das Amerikanische System der „Checks and Balances“ (das dem Deutschen Prinzip der Gewaltenteilung entspricht), das Schlimmstes verhindern möge. Auch in Trump’s Vize, Mike Pence, wird die Hoffnung gesetzt, dass er einen mäßigenden Einfluss auf seinen Präsidenten ausüben wird. Aber die Tatsache, dass die Welt außerhalb der USA so gut wie keine Möglichkeit der Einwirkung hat, bleibt ein harter Fakt, mit dem wir werden umgehen müssen. Deshalb finde ich den Kommentar von Sascha Lob so sehr konstruktiv, der die Aufmerksamkeit des Lesers darauf richtet, was wir hier und heute tun können, dass in Deutschland und Europa keine ähnliche Entwicklung wie in den Vereinigten Staaten stattfindet.

Das gesellschaftliche Problem der unterdrückten oder unterentwickelten Emotionalität

Zurecht weist Lobo auf die wichtige Rolle, die die sozialen Medien im Wahlkampf gespielt haben, hin. Er zieht das Fazit: „Die Welt wendet sich den sozialen Medien, deren Ziel und Treibstoff Emotionen sind, zu. Es ist ein Abschied von den Rationalmedien und ein Übergang zu den Gefühlsmedien. Wir haben noch nicht herausgefunden, wie dieser Übergang politisch zu gestalten ist – die Rechtsextremen dagegen schon.“ Diese Analyse finde ich brillant. Nur fürchte ich, dass das Problem letztlich nicht durch die Medien oder die Politik zu lösen sein wird. Denn es geht um viel mehr: Um die Evolution der Menschheit, die in erster Linie jeder Mensch nur für sich selbst bewältigen kann. Weil das jetzt etwas hochgestochen klingt, will ich etwas ausholen, um verständlich zu machen, was ich damit meine.

Rationalität ist ein Wert, der noch gar nicht so lange in der Menschheitsgeschichte existiert. Denn er hat erst mit dem Zeitalter der Aufklärung Einzug in das Denken der Menschen gehalten, also erst so ganz langsam beginnend etwa ab dem Jahr 1650. Das Zeitalter Aufklärung hat – kurz zusammengefasst – zu einem wichtigen Umdenken der Menschheit geführt: Es waren nicht mehr die tradierten Machtstrukturen – damals insbesondere maßgeblich durch die Kirchen geprägt –, die definieren, nach welchen Gesetzen die Welt funktioniert, sondern die Wissenschaft, die durch Experimente messen kann, wie naturwissenschaftliche Prozesse tatsächlich ablaufen. Aus dieser Aufwertung der mentalen Fähigkeiten entstand ein ganz neues Selbstverständnis der Menschen, das dazu führte, dass die tradierten Machtstrukturen nach und nach an Bedeutung verloren. Es wurden Ideen für neue, an rationalem Denken ausgerichtete Machtstrukturen entwickelt, die letztlich in der Amerikanischen Revolution von 1776 und der Französische Revolution von 1789 mündeten. Es sind diese beiden geschichtlichen Ereignisse, die die Meilensteine in der Entwicklung der Menschheit hin zu Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit markieren und die das Demokratieverständnis in der westlichen Welt noch heute maßgeblich prägen. Weil das zweifelsfrei ein Fortschritt war, ist Rationalität als wichtiger Wert in alle Gesellschaftsbereiche eingezogen.

Was darüber leider in Vergessenheit geraten ist, ist die Emotionalität, die ja – trotz aller Rationalität – ebenso zweifelsfrei in jedem Menschen vorhanden ist. Und genau dieses Defizit fällt uns heute vor die Füße: Die Menschheit hat zwar seit der Aufklärung riesige Entwicklungsschritte im Bereich der mentalen, rationalen Denkfähigkeit gemacht, aber in seiner emotionalen Entwicklung steht der Durchschnittsmensch heute noch mehr oder weniger da, wo er zu Beginn der Aufklärung gestanden hat. Denn die emotionale Intelligenz ist in den Jahrhunderten seit der Aufklärung so gut wie gar nicht gefördert, kultiviert oder gar honoriert worden. Das gilt nicht nur für das Curriculum von Schulen und Universitäten, sondern insbesondere auch für pekuniäre Anerkennung, die für mentale/rationale Kompetenz nach wie vor mindestens mehr als doppelt so hoch ausfällt wie die für emotionale Kompetenz. Man nehme nur – um ein stereotypes Beispiel zu nennen – die Krankenschwester, die nur etwa halb so viel verdient wie der Bankkaufmann. Je höher man in die Führungsetagen schaut, desto drastischer wird der Gehaltsunterschied: Rationales Denken ist hochbezahlt, emotionale Kompetenz wird nicht oder kaum entlohnt, manchmal sogar unterdrückt. Deshalb krankt die gesamte westliche Welt an einer verkümmerten Emotionalität, und das hat insbesondere zur Folge: Destruktive Gefühle wie Hass, Angst, Gier, Neid und Missgunst sind unter den Menschen der westlichen Welt deutlich weiter verbreitet als Liebe und Freude. Die Transformation von Hass & Co. in Liebe und Freude ist die emotionale Evolution, die nach der Rationalisierung hätte stattfinden müssen, aber kaum stattgefunden hat, weil niemand ihr Bedeutung beigemessen hat. Gefühle und Fühlen sind weitestgehend verdrängt worden. Das rationale Denken hat Hass & Co. über die Jahrhunderte hinweg lediglich immer schön unter Kontrolle gehalten, indem ein immer besser ausgeklügeltes Strafrechtssystem gesellschaftsschädliches Verhalten sanktioniert hat. Wir müssen uns klarmachen: Die Triebfeder jeden gesellschaftsschädlichen Verhaltens sind destruktive Gefühle wie Hass, Neid, Gier, Habsucht und so weiter. Die Tatsache, dass es ein Strafrechtssystem gibt, zeugt davon, dass diese Gefühle in der Menschheit noch vorhanden sind, weil es anderenfalls überflüssig wäre. Aber durch das Strafrecht werden natürlich Hass und Angst nicht aufgelöst, sondern eben nur im Zaum gehalten. Jenseits des Strafrechts haben sich die destruktiven Gefühle neue und insbesondere sublimierte Kanäle gesucht, weshalb ja auch das Strafrecht immer ausgefeilter werden musste. Heute wird Hass zum Beispiel ganz legal in gewalttätigen Filmen, Sado-Maso-Sexualität, Sexismus und unterschwelliger Gewalt ausgelebt. In der Tat war der Wahlkampf in den USA ein Spektakel verbaler Gewalt, die in dieser Deutlichkeit bei politischen Veranstaltungen sonst selten so offen gezeigt wird, aber – wenn man genau hinhört – immer mitschwingt. Wer ein bisschen mit offenen Augen durch die Welt geht, kann sehen, dass der Hass ganz alltäglich überall unter uns ist. Deshalb ist es ein Leichtes, Hass und Angst in den Menschen zu aktivieren. Tatsächlich gelten Liebe und Freude sogar bei den allermeisten Menschen heute als unsouverän, „uncool“ und nicht erstrebenswert.

Was die Populisten unserer Zeit wie etwa Trump machen, ist ganz simpel Folgendes: Sie schlachten das Defizit in der emotionalen Entwicklung der Menschheit für sich aus, indem sie bei den Menschen gezielt Hass und Angst aktivieren und schwemmen damit die mühsam erarbeitete Rationalität hinweg. Dass sie dabei die Grenzen des Anstands, des guten Geschmacks, der „political correctness“ oder wie auch immer man gewisse ungeschriebene gesellschaftliche Regeln bezeichnen mag missachten, interessiert sie nicht, weil sie ihr Handeln ausschließlich am eigenen Interesse ausrichten. Und sie kommen damit – wie man an Donald Trump sehen kann – durch. Alle, die sich noch an die ungeschriebenen Regeln halten, stehen fassungslos und ohnmächtig davor, weil diese Regelverstöße nicht justiziabel sind, obwohl sie großen Schaden anrichten mit Blick auf das konstruktive Gedankengut, das die Aufklärung hervorgebracht hat, nämlich Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit.

Was aber können wir tun, damit Hass und Angst nicht alles zerstören, was das rationale Denkvermögen an Demokratie errichtet hat? Es werden und können nicht die Medien sein, die Hass und Angst auflösen. Denn selbst die herkömmlichen Medien, die Lobo als „Rationalmedien“ bezeichnet, konzentrieren sich auf angstbesetzte Inhalte. Und warum tun sie das? Weil es das ist, was die Menschen lesen wollen. Wir können also sogar an den Rationalmedien ablesen, wo die Menschheit in ihrer emotionalen Evolution steht. Die emotionale Evolution kann jeder Mensch nur für sich selbst leisten, indem er seine Gefühle transformiert. Es ist Aufgabe jedes einzelnen Menschen, die destruktiven Gefühle von Hass & Co. in sich in Liebe und Freude zu transformieren. Je mehr Menschen dies tun, desto mehr werden auch die von Lobo als „Gefühlsmedien“ bezeichneten sozialen Medien wie Facebook und Twitter mit positiven, statt mit destruktiven Gefühlen aufgeladen. Wenn genügend Menschen diesen Schritt gegangen sind, wird es möglich sein, die Förderung der emotionalen Kompetenz auch als Lernstoff in Schulen und Universitäten einzuführen. Und erst danach wird die emotionale Kompetenz sich auch nach und nach als Wert in Politik, Wirtschaft und traditionellen Medien durchsetzen können.

Es gibt keine „Schnellschuß“-Lösung!

Nun denkst Du vielleicht: „Aber das kann ja noch ewig dauern, bis genügend Menschen so weit sind, dass sie ihre Emotionalität geschult haben!“ Ja, das stimmt. Aber es gibt leider keine andere Lösung. Umso wichtiger ist es, dass Du die Verantwortung für Deine Gefühle übernimmst. Da Du diesen Artikel liest, gehe ich davon aus, dass Du schon weit mehr positive Gefühle als der Durchschnittsmensch in Dir hast. Denn wer noch mitten im Hass fest hängt, würde sich für einen solchen Artikel sicherlich nicht interessieren, sondern stattdessen einem Menschen wie Donald Trump zujubeln. Lass Dich von der Transformation Deiner Gefühle bitte nicht davon abhalten, dass Du insofern schon weiter bist als die meisten – so nach dem Motto: Da sollen mal erst mal die anderen ran. Denn andere Menschen kannst Du nicht ändern. Ändern kannst Du nur Dich selbst. Wenn Du Deine Gefühle in Liebe und Freude transformierst, wirst Du einer der Fackelträger sein, die Licht in die Welt tragen und damit ermöglichen, dass unser Gemeinwohl in Frieden und Freiheit gedeihen kann. Denn jeder Fackelträger kann bei anderen Menschen die Fackeln entzünden, die dann wiederum zu Fackelträgern werden. So kann es immer mehr Licht und Liebe geben. Und eines verspreche ich Dir: Dir selbst wird es damit auch besser ergehen, weil Du damit Liebe und Freude in Dein Leben holen kannst!

Es besteht dringender Handlungsbedarf: Die Amerikaner haben im Jahr 1776 mit der Amerikanischen Revolution die Ära der rationalen Demokratie eingeläutet. Europa ist nur wenige Jahre später diesem Beispiel Amerikas gefolgt und hat in Frankreich im Jahr 1789 die Französische Revolution ausgerufen. Und wer lauert heute in Frankreich darauf, es Trump gleichzutun? Marine Le Pen steht in den Startlöchern. Wenn wir – jeder Einzelne von uns – jetzt nicht Verantwortung übernehmen, werden auch wir in absehbarer Zeit ein Staatsoberhaupt vom Kaliber Donald Trump erleben müssen.

Na, bereit dafür, die eigenen Gefühle zu transformieren und die Welt damit vor weiteren Trumps zu bewahren?

 

 

 

Bildrechte: Tanakawho „Trump“ (Bild vom Trump World Tower); Bildquelle: www.piqs.de

 

 

KatrinNr. 51: Weißt Du, wie Du aus der Wahl Trumps zum Amerikanischen Präsidenten das Beste machen kannst?