Nr. 53: Mit was identifizierst Du Dich: Mit Deinem Ego oder mit Deinem Höheren Selbst?

Das Bewusstsein eines Menschen setzt sich zusammen aus dem Ego, dem Höheren oder Göttlichen Selbst sowie dem Niederen Selbst. Dein Ego ist gewissermaßen die Kommando-Zentrale dafür, wie Du Dein irdisches Leben lebst. Diese Kommando-Zentrale funktioniert in Dir entweder unbewusst, wenn und soweit Du Dir nämlich nicht bewusst bist darüber, warum Du was machst, unterlässt, denkst oder fühlst. Je bewusster Du Dir Deiner selbst bist, desto eher bist Du tatsächlich der Kommandeur in Deinem Leben. Eine zentrale Entscheidung, die Du als Kommandeur für Dich treffen musst, ist die Frage: Identifizierst Du Dich mit Deinem Ego? Glaubst Du also, dass Dein Ego alles ist, was Dich ausmacht? Oder identifizierst Du Dich mit Deinem Höheren oder Göttlichen Selbst, also jenem Teil Deines Bewusstseins, dass göttlich oder bereits geläutert ist? Oder anders gefragt: Ist Dir klar, dass Gott auch in Dir ist?

Warum diese Entscheidung so wichtig ist

Jedes Wesen ist in seinem Kern göttlich, selbst der Teufel. Wie Du vielleicht weißt, war der Teufel ursprünglich einer der sieben Erzengel, die Gott als erstes erschaffen hat, und trug den Namen Luzifer, was übersetzt aus dem Lateinischen „Lichtträger“ bedeutet. Als Gott seinen Wesen einen freien Willen einräumte, hat Lucifer – übrigens gemeinsam mit seinem Erzengel-Kollegen Ahriman und einer breiten Gefolgschaft – von seinem freien Willen Gebrauch gemacht, sich von Gott entfernt und ist dadurch zum Teufel geworden, was aber nichts daran geändert hat, dass er immer noch Gottes Geschöpf und damit im Kern göttlich ist. Wenn aber sogar der Teufel in seinem Kern göttlich ist, muss das für alle anderen Wesen – Dich selbst und alle Menschen um Dich herum eingeschlossen – natürlich erst recht gelten! Es ist dieser göttliche Funke in Dir, der Dir den Weg zurück zu Gott leuchten kann, voraussetzt Du räumst ihm diese Bedeutung und diese Funktion in Deinem Leben ein. Das ist die Entscheidung, Dich mit Deinem Höheren Selbst zu identifizieren, die Du mit Deinem Ego treffen kannst.

Diese Entscheidung ist deshalb wichtig, weil es in Deinem Bewusstsein einen Gegenspieler zum Höheren Selbst gibt, nämlich das Niedere Selbst. Das Niedere Selbst ist derjenige Teil Deines Bewusstseins, der dem Teufel gefolgt ist. Ich gehe davon aus, dass das Niedere Selbst in Dir quantitativ deutlich kleiner ist als Dein Höheres Selbst, weil Du anderenfalls Deine Zeit nicht damit verbringen würdest, Artikel wie diesen hier zu lesen. Nichtsdestotrotz kann dieses Niedere Selbst eine ganz schöne Macht in Deinem Leben entfalten und Dich – um es bildlich auszudrücken – am Boden halten. Glaub mir, ich weiß, wovon ich spreche! Aus der Atomwissenschaft wissen wir ja auch, dass im kleinsten Teil enorme Kräfte schlummern können. Je mehr Du Dich darauf konzentrierst, Dich mit Deinem Höheren Selbst zu identifizieren, desto größer ist Deine Fähigkeit, Dein Niederes Selbst zu transformieren und damit nach und nach in Dein Höheres Selbst zu „verschieben“. Denn Energie folgt immer der Aufmerksamkeit.

Wenn Du Dich hingegen mit Deinem Ego identifizierst, passiert folgendes: Wenn Du glaubst, nur Dein Ego zu sein, verschwinden deshalb natürlich nicht Dein Höheres und Dein Niederes Selbst. Der innere Kampf in Dir zwischen Deinem Höheren Selbst und Deinem Niederen Selbst bleibt lediglich weitestgehend unbewusst mit der Folge, dass Dein Ego blind ausagiert, was Höheres und Niederes Selbst ihm einflüstern. Mit anderen Worten: Deine Kommando-Zentrale wird mehr oder weniger ferngesteuert aus den Tiefen Deines Bewusstseins. Abhängig davon, wo Du in Deiner Gesamtentwicklung als Bewusstsein stehst, wirkt sich das wie folgt auf Dein Leben aus: Je niedriger Dein Bewusstsein entwickelt ist, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass Du so trotzdem ein einigermaßen befriedigendes Leben führen kannst. Je höher aber Dein Bewusstsein jedoch entwickelt ist, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass Du Dich selbst damit mit der Zeit unglücklich machst. Denn höher entwickeltes Bewusstsein hat mehr „Power“, weshalb ein unbewusstes Niederes Selbst darin mehr Schaden anrichten und damit mehr Probleme im eigenen Leben verursachen kann. Tatsächlich glaube ich, dass Krankheiten wie Demenz, Parkinson oder Alzheimer dadurch oder zumindest auch dadurch verursacht werden, dass ein Mensch sein Ego-Management nicht ausreichend sortiert hat, sondern über zu lange Zeit vernachlässigt hat, weshalb es sich dann gewissermaßen von selbst auflöst und einen Kontrollverlust bewirkt: Die Kommando-Zentrale, in der der Kommandeur ganz fehlt. Ich stelle mir das beim Ego vor wie bei einen Muskel, der nicht ausreichend bewegt wird und deshalb mit der Zeit degeneriert.

Wie Du Dein Höheres und Dein Niederes Selbst in Dir identifizieren kannst

Vielleicht fragst Du Dich jetzt: „Woher weiß ich denn überhaupt, was in mir mein Höheres Selbst und was mein Niederes Selbst ausmacht? Ich will mich ja gern mit meinem Höheren Selbst identifizieren, aber ich habe keinen blassen Schimmer, was das genau ist oder umfasst!“ Tja, und genau das ist am Anfang das Problem!!!

Ich habe bei mir selbst festgestellt, dass wesentliche Eigenschaften und Qualitäten von mir, die von meinen beiden Eltern abgelehnt und unterdrückt worden sind und für die ich mich tatsächlich lange Zeit in meinem Leben selbst abgelehnt und für die ich mich sogar schuldig gefühlt habe, essentielle Bestandteile meines Höheren Selbst sind. Ich spreche hier von meiner Lebendigkeit, meiner Spontaneität, meiner Emotionalität, meiner Sensibilität, meinem Sinn für Wahrheit und meinem Wunsch nach Nähe und Liebe. Das sind allesamt hochstehende spirituelle Werte, die leider in unserer Gesellschaft nicht sonderlich geschätzt werden. Aber Tatsache ist: Sie bereichern mein Leben und machen es bunt!!! Deshalb ist mir mittlerweile egal, was die Gesellschaft schätzt. Jedenfalls haben es meine Eltern sicherlich gut mit mir gemeint, dass sie mich „zurechtgestutzt“ haben. Die traurige Tatsache ist nur, dass ich damit sehr unglücklich geworden bin. Mich würde es nicht wundern, wenn bei Dir ähnliches passiert ist, weil meine Geschichte insofern keineswegs originell ist. Gleichzeitig haben mir meine Eltern einige Eigenschaften vorgelebt und beigebracht, die ich heute eindeutig meinem Niederen Selbst zuordnen würde wie etwa Konkurrenzdenken, Anpassung und Arroganz, mit der ich früher meine Minderwertigkeitskomplexe kompensiert habe.

Das ist genau der Wachstumsprozess, den Du durchlaufen musst, wenn Du Dein Innenleben sortieren willst: Du musst im ersten Schritt gucken, was da so alles an Qualitäten, Eigenschaften, Mustern und Gefühlen in Dir ist, und dann die Spreu vom Weizen trennen. Je mehr sich dann Dein Höheres Selbst herauskristallisiert, kannst Du Dich damit identifizieren. Gleichzeitig hast Du immer präziser Dein Niederes Selbst auf dem Schirm und kannst es deshalb gezielt transformieren. Du kannst insofern am Besten mit den offensichtlichen Aspekten Deiner Persönlichkeit anfangen und diese genauer analysieren.

Mit großer Wahrscheinlichkeit werden das zunächst einmal scheinbar „negative“ Aspekte sein, zumindest wenn Du mit Dir ehrlich bist. Dann gilt es genau zu gucken: Ist das wirklich ein destruktiver Aspekt von mir? Oder bewerte ich den Aspekt vielleicht falsch? Zum Beispiel hat mir ein Mann mal eingestanden, er sei manchmal so schrecklich „unsouverän“, wenn er Angst um seine Lieben habe oder wenn er unter Trennungsschmerz leide; dann kämen ihm sogar die Tränen in die Augen. In meinen Augen ist das eine wunderschöne Eigenschaft: Die Fähigkeit, sich berühren zu lassen, und die Souveränität, dies zeigen zu können! Ich habe ihm gesagt, dass er genau damit Verbindung zu anderen Menschen herstellen und ihnen das Gefühl geben kann, von ihm geliebt zu werden. Allerdings musst Du bei der Bewertung dieser Aspekte wiederum sehr ehrlich mit Dir selbst sein. Gerade Frauen benutzen Tränen manchmal nämlich dazu, ihr Gegenüber zu manipulieren, was ganz sicherlich destruktiv ist. Das hat nämlich gar nichts mit Berührbarkeit zu tun, sondern ist Ausübung blanker Macht. Wenn es sich aber tatsächlich um einen destruktiven Aspekt handelt, frag Dich als erstes: Was ist die positive Qualität daran? Eine Frau berichtete mir zum Beispiel mal, dass sie unter einem sehr strengen inneren Richter leide, der gnadenlos andere, aber erst recht sich selbst verurteile. Ich habe ihr entgegnet, dass das ein Indiz dafür sei, dass sie über ein hohes Maß an Beurteilungsfähigkeit und Unterscheidungsvermögen verfüge und dass das ganz wichtige Eigenschaften seien, weil das Leben einem ständig Entscheidungen abverlangt. Es gehe also lediglich darum, den inneren Richter „umzuerziehen“ und neu auszurichten. Wird damit deutlich, wie dieser Wachstumsprozess Schritt für Schritt verläuft?

Übrigens merkst Du, ob Du auf dem richtigen Pfad bist, daran, ob es Dir in diesem Prozess überwiegend gut geht. Es ist zwar im ersten Moment nicht schön, die eigenen Fehler und Schwächen auf einmal in aller Klarheit zu sehen. Aber dann macht sich innerlich auch Erleichterung breit, weil man die eine oder andere Erfahrung besser versteht und einordnen kann. Außerdem verschafft es unglaublich viel Selbstbewusstsein, wenn man sich selbst nach und nach besser versteht, selbst wenn man noch nicht alles transformiert hat. Ich werde oft darum beneidet oder sogar dafür angegriffen, dass ich so selbstbewusst bin. Tja, da steckt viel Arbeit an mir selbst dahinter, die jeder und jede auch leisten kann, der sich mehr Selbstbewusstsein wünscht. Selbst-bewusst-sein ist exakt, was das Wort ausdrückt: Sich seiner selbst bewusst sein!

Achtung Gefahr: Das Maskenselbst!

In etwa 90% der Menschen ist neben Ego, Höheren und Niederem Selbst außerdem noch ein Maskenselbst aktiv: Es ist das Bild, das man sich selbst und der Welt als das „wahre Ich“ verkaufen will, das aber immer geschauspielert und unecht ist, weil es wesentliche Persönlichkeitsaspekte ausblenden und überspielen soll. Man kann es mit schlagwortartigen Sätzen umschreiben wie etwa: „Ich bin immer gut drauf!“, „Ich bin immer stark und ertrage immer alles!“, „Ich bin immer das Opfer!“, „Ich verhalte mich immer korrekt!“ oder „Ich bin immer auf Harmonie bedacht!“ Wer noch ganz am Anfang der Selbsterkundung steht, kann sich damit selbst betrügen und so jegliche Erkenntnis unmöglich machen. Übrigens gibt es auch Menschen, die vollständig mit ihrem Maskenselbst identifiziert sind. Ihre Maske ist die Botschaft: „Ich weiß alles besser und mache immer alles besser!“ Solche Menschen beschäftigen sich überhaupt nicht mit ihrem Innenleben, sondern sind ausschließlich damit beschäftigt, wie sie die Welt und andere Menschen so interpretieren und manipulieren können, dass ihre Maske nicht in Gefahr gerät. Solche Menschen vermeiden natürlich, das eigene Innenleben zu erkunden.

Ich tippe allerdings, dass Du Dich insofern entweder schon ein bisschen kennst oder zumindest sehr schnell einordnen kannst. Ich spreche das hier nur deshalb an, damit Du diese Klippe auf dem Schirm hast. Mach Dir selbst bewusst: Dir selbst musst Du nichts vormachen! Dein inneres Wesen weiß eh, wie es um Dich bestellt ist. Oder anders ausgedrückt: Gott kennt Dich eh! Wenn Du Dir selbst gegenüber nicht ehrlich sein kannst, wem gegenüber denn dann??? Ob und inwieweit Du Dich damit anderen offenbarst, steht auf einem ganz anderen Blatt! Insofern gebe ich Dir nur einen Rat: Wenn Du Dir externe Hilfe suchst, wag den Schritt, Dich so zu zeigen, wie Du wirklich bist, denkst und fühlst. Denn nur dann kannst Du auch Hilfe bekommen! Und wenn Du Dich damit schwer tust, Dich so zu zeigen, wie Du wirklich bist, denkst und fühlst, dann mach das als erstes zum Thema des Gesprächs. Jeder, der sich mit dem menschlichen Bewusstsein auskennt, wird darauf so reagieren, dass Du das als hilfreich, wenn nicht gar erlösend empfinden wirst!

Warum es so wichtig ist, dass Du Dir Deines eigenen Höheren Selbsts bewusst wirst!

Die weltliche Psychologie negiert die Existenz eines Höheren Selbst – klar, weil sie ja auf einem materialistischen Weltbild basiert, das die Existenz einer Geistigen Welt negiert! Wo soll man da ein Höheres Selbst hernehmen? Genau das kann eine Psychotherapie zum Höllenritt machen oder sogar im Selbstmord enden lassen. Denn auch in der Psychotherapie geht es unweigerlich immer um Fehler und Schwächen, weil es leider just diese Aspekte sind, die Probleme bereiten. Zu wissen, dass jeder Mensch Fehler und Schwächen hat und macht und auch haben und machen darf, ist zwar wertvolles kognitives Wissen, das auch jeder Psychotherapeut vermitteln wird. Allerdings kann daraus kein Eigenwert abgeleitet werden. Man gerät schnell in das Fahrwasser: Meine Fehler und Schwächen sind die schlimmsten, und deshalb bin ich komplett wertlos. Das macht es so unendlich viel schwerer, über Fehler und Schwächen zu sprechen, weil der Patient gewissermaßen darauf reduziert wird oder sich zumindest leicht darauf reduziert fühlt. Mancher kann deshalb die Konfrontation mit Fehlern und Schwächen entweder nicht ertragen oder wird ihr beharrlich ausweichen, was beides dazu führt, dass die Therapie bestenfalls nichts bringt und schlimmstenfalls den Patienten noch mehr destabilisiert. Vor diesem Hintergrund ist mir ganz, ganz wichtig, Dir mitzugeben und Dir am liebsten in Deinen Kopf und Dein Herz zu bimsen:

Du bist ein Geschöpf Gottes! In Dir ist Gott! Gott liebt Dich exakt so, wie Du bist! Und ich Dich übrigens auch weil ich weiß, dass Gott in Dir ist. Wenn Du Dich mit Gott in Dir identifizierst, kann Dich nichts umhauen, weil Du mit jeder Zelle spüren kannst, dass Du liebenswert und wertvoll bist! Und gleichzeitig ist es der Ansporn dafür, alles in Dir in Göttlichkeit zurück zu transformieren! Denn Gott will nur das Beste für Dich!

 

Bildrechte: David Ohmer „Rome – St. Peter’s Basilica „Interior Dome“; Bildquelle: www.pics.de

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