Nr. 6: Kennen Sie den Sinn des Lebens?

Den Sinn Ihres persönlichen Lebens bestimmen Sie selbst. Wissen Sie, worin Sie den Sinn Ihres Lebens sehen? Aber vielleicht haben Sie sich auch schon einmal auf einer abstrakten Ebene gefragt, was der Sinn des Lebens generell ist, mit anderen Worten: warum wir Menschen hier auf dieser Erde überhaupt gemeinsam diesen Zirkus veranstalten, den wir Leben nennen. Ich will Ihnen hier die Antwort zur Verfügung stellen, die mir bei meiner Suche diese Frage am verständlichsten beantwortet hat. Sie stammt im wesentlichen aus den Lehren des Pathwork, die unter www.pathwork.org im Internet frei verfügbar sind. Denn das könnte Ihnen eine neue Perspektive darauf geben, was im Leben wichtig ist.

Gott ist die Quelle allen Lebens. Auf der geistigen Ebene – also auf der Ebene jenseits der irdischen Existenz, die sich mit irdischen Worten nur schwer beschreiben lässt – erschafft Gott Bewusstsein, das kontinuierlich in ein unendliches Vakuum expandiert. Bildlich kann man sich das am ehesten vorstellen wie eine goldene Masse, die sich in ein unendliches dunkles Nichts ausbreitet. Diese Bewusstseinsmasse besteht aus vielen Bewusstseinspartikeln, die jeder für sich gesehen vollständig und ganz sind und die alle miteinander verbunden sind. Da Gott sich selbst erfahren wollte, hat er allen Bewusstseinspartikeln die freie Entscheidung überlassen, sich von der Masse zu trennen und eigener Wege zu gehen. Davon hat ein Gutteil der Bewusstseinspartikel Gebrauch gemacht und ist dabei auf „Abwege“ geraten, weil sie ihren freien Willen dazu genutzt haben, göttliches Gesetz zu missachten und sich durch dämonische Anreize in Versuchung bringen zu lassen. Diese Bewusstseinspartikel waren zwar in ihrem Kern immer noch göttlich, sind aber in der Dunkelheit „verloren“ gegangen und haben sich dabei Schatten zugezogen, die Ausdruck der dämonischen Einflüsse sind. In kluger Voraussicht hat Gott jedoch jeden Bewusstseinspartikel mit einer Art Notfall-Rückhol-Bändchen ausgestattet, so dass keines der Bewusstseinspartikel tatsächlich verloren gehen kann und an die goldene Masse göttlichen Bewusstseins angeschlossen bleibt. Allerdings kommt es den Bewusstseinsartikeln in der Dunkelheit so vor, als seien sie von Gott vollständig getrennt, und irren deshalb orientierungslos durch das schwarze Vakuum. Ein anderes Wort für diese Trennung ist das Wort Sünde, das in seinem Ursprung ausschließlich den neutralen Sinngehalt des Wortes Trennung hat. (Sünde ist also nicht das, was die Kirche = Menschen daraus gemacht haben.) Um diesen Bewusstseinspartikeln die Rückverbindung (lat.: religio, was die Wurzel des Worts „Religion“ ist) mit Gott zu ermöglichen, hat Gott mit der Erde eine Sphäre geschaffen, in der die Bewusstseinspartikel ihre Verstöße gegen göttliches Gesetz effektiv aufarbeiten und läutern können, wodurch sie dann wieder vollständig mit Gott vereint sind.

In jedem Menschen steckt so ein Bewusstseinspartikel. Mit anderen Worten: Sie sind so ein Bewusstseinspartikel, der auf dieser Erde in einer menschlichen Hülle inkarniert ist. Im Heilsplan Gottes ist vorgesehen, dass Sie diesen Bewusstseinsartikel, also sich selbst läutern und zu Gott zurückkehren. Das ist aus spiritueller Sicht der Sinn des Lebens. Aber Gott hat Ihnen die Entscheidung überlassen, ob Sie diesen Weg gehen wollen oder nicht. Ihr freier Wille ist unangetastet. Denn Gott möchte, dass die Rückverbindung aufgrund einer freiwilligen Entscheidung stattfindet.

Vielleicht können Sie jetzt verstehen, warum Ihnen das Leben manchmal beschwerlich erscheint? Alle „Probleme“ und Schwierigkeiten sind ein Angebot Gottes, dasjenige in Ihnen zu läutern, was in diesem Leben zur Läuterung ansteht. Aber Läuterung hat auch sehr positive Folgen auf irdischer Ebene: Sie finden immer mehr heraus, was Ihnen in Ihrem Leben wirklich wichtig ist. Die meisten Menschen – ich bis bis zum Tod meiner Mutter im Jahr 2005 eingeschlossen – arbeiten ihr Leben im Autopilot-Modus ab und verwirklichen das, was ihr Umfeld für erstrebenswert erachtet, ohne zu überlegen, ob das wirklich den eigenen innersten Überzeugungen und Prioritäten entspricht. Wird die Kluft zwischen gelebtem Leben und innerem Wesen zu groß, führt das – wie bei mir – früher oder später unweigerlich in die Krise.

Was genau aber heißt in diesem Zusammenhang „Läuterung“? Mir kommt bei diesem Wort immer das Bild eines Mönches aus dem Mittelalter in den Sinn, der nackt auf dem kalten Steinboden sitzt und sich selbst den Rücken mit einer Lederpeitsche so sehr zerdrischt, dass der Rücken mit blutigen Striemen übersäht ist. Das Bild habe ich, glaube ich, mal im Kino gesehen. Aber das ist natürlich nicht mit Läuterung gemeint. Mit Läuterung ist auch nicht Askese oder irgendeine Form von Abstinenz gemeint. Es meint noch nicht einmal die Einhaltung irgendwelcher Regeln. Askese, Abstinenz und Einhaltung von Regeln gehört zur Läuterung, die im alten Testament vorgesehen war und dem damaligen Entwicklungsstand der Menschheit entsprach. Diese Form der Läuterung ermöglichte aber noch nicht die Rückverbindung mit Gott, weil der Mensch dafür einfach noch nicht reif war. Erst Jesus Christus, der Sohn Gottes, hat eine neue Form der Läuterung eingeführt, die tatsächlich die Möglichkeit einer Rückverbindung mit Gott eröffnete: Sein Bewusstsein war auch in der irdischen Hülle so rein, dass er allen irdischen Versuchungen von Macht, Materie und Geld widerstehen konnte. Indem er zugelassen hat, dass die Menschen ihn ans Kreuz nagelten und dadurch töteten, hat er uns allen demonstriert, dass es möglich ist, sich vollständig mit dem göttlichen Bewusstsein zu identifizieren und alles Irdische einschließlich der menschlichen Hülle aufzugeben. Damit schuf Jesus Christus die Voraussetzung dafür, dass der Teufel jeden Menschen gehen lassen muss, der sich wieder mit Gott verbinden will. Das war vorher nämlich nicht möglich. Die gute Nachricht der Evangelien (abgeleitet von dem alt-griechsichen Wort euangelio = die gute Nachricht) ist: Jetzt ist der Weg zurück zu Gott endlich möglich!

Wichtig zu verstehen ist, dass die besondere Leistung Jesu Christi weniger darin bestand, dass er gestorben ist, sondern mehr darin, dass er durch seine vollständige Identifikation mit seinem göttlichen Bewusstsein einen qualitativen Sprung für das Bewusstsein aller Menschen vollbracht hat. Jesus Christus hat gewissermaßen die ultimative Möglichkeit der Rückkehr zu Gott in das Bewusstsein aller Menschen hineinprogrammiert. Wenn es heißt, Jesus Christus habe „die Sünden der Welt auf sich genommen“, ist damit tatsächlich gemeint, dass er als erster Mensch die Trennung von Gott vollständig überwunden hat. Wer Jesus Christus heute nachfolgt, muss nicht – wie Jesus selbst – physisch sterben, um zu Gott zu gelangen. Das hat Jesus Christus den Menschen mit seinem Tod abgenommen. Läuterung heute bedeutet, den Weg der Bewusstheit zu gehen und das eigene Ego von Charakterfehlern zu befreien, wodurch dann nach und nach „das Schlechte“ oder „Teuflische“ in einem Menschen abstirbt und das Göttliche in ihm wiederaufersteht, so wie Jesus Christus wiederauferstanden ist. Das heißt aber auch: Echte Religion ist nicht mit „Glaube“ und „Gutsein“ getan, sondern verlangt Arbeit an der eigenen Persönlichkeit.

Wer am Heilsplan Gottes aktiv mitarbeiten und die Welt zum Guten verändern will, ist aufgefordert, sein Ego von menschlichen Fehlern und Schwächen zu befreien; das ist aus spiritueller Sicht die vornehmste und wichtigste Aufgabe eines Menschen. Dadurch heilt der Mensch sich selbst und gleichzeitig die Welt, wodurch dann die bereits im Alten Testament angekündigte „neue Erde“ entstehen kann. Am Heilsplan Gottes mitzuwirken, hat also überhaupt nichts damit zu tun, wie man seinen irdischen Lebensunterhalt verdient. Jeder, der sich dazu entscheidet, kann daran mitwirken.

Vielleicht noch ein Wort dazu, warum die Kirchen und damit ein Großteil der theologischen Lehre diese Botschaft der Evangelien nicht oder zumindest nicht verständlich vermitteln: Man könnte auf die Idee kommen, dass das eine bewusste Strategie ist, um die Menschen dumm zu halten. Denn Menschen, die den Weg der Bewusstheit gehen und in denen deshalb das Christusbewusstsein zu leuchten beginnt, lassen sich nicht von menschlichen Machtapparaten – wie zum Beispiel den Kirchen – instrumentalisieren. Ich persönlich glaube aber eher, dass das das Ergebnis menschlicher Missverständnisse und Fehlinterpretationen ist, die in der jahrhundertelangen Tradition einer schwerfälligen Organisation nie berichtigt wurden. Man darf nie vergessen: In den Kirchen sind auch nur Menschen tätig und tätig gewesen, und Menschen machen nun einmal Fehler, zu denen allerdings auch – das wird heute niemand mehr bestreiten – Machtmissbrauch gehören kann. Wie wunderbar, dass wir heute nicht nur frei denken dürfen und können, sondern dass Christus uns sogar dazu auffordert!

 

KatrinNr. 6: Kennen Sie den Sinn des Lebens?