Nr. 62: Kannst Du spüren, dass und wie Dein Bewusstsein Dein Leben erschafft und wie Du darauf bewusst Einfluss nehmen kannst?

Die Doppelnatur des Menschen als spirituelles Wesen, das geistiges Bewusstsein ist, einerseits und als irdisches Wesen, das sich aus Körper und Ego zusammensetzt, andererseits zu verstehen und insbesondere auch, wie die Interaktion zwischen beiden stattfindest, ist ein bisschen vertrackt. Das liegt zum einen daran, dass es unterschiedliche Betrachtungsweisen gibt je nachdem, welchen Aspekt man gerade anschaut. Das liegt insbesondere zum anderen auch daran, dass die Begrifflichkeiten nicht fix definiert sind und deshalb ganz unterschiedlich verwendet werden. Deshalb darf man nicht den Fehler machen, allzu sehr an den Worten pappen zu bleiben. Denn dann verstrickt man sich leicht in Scheingefechte. Je länger man sich mit diesen Dingen auseinandersetzt, desto klarer wird innerlich das Gefühl dafür, was die Wahrheit ist. Aber das ändert nichts daran, dass es manchmal schwer ist, die Wahrheit auch in Worte zu fassen. Jedenfalls muss man diese Doppelnatur und deren Interaktion begriffen haben, wenn man verstehen will, wie das eigene Bewusstsein das eigene Leben erschafft und wie man darauf bewusst Einfluss nehmen kann. Was ich Dir hier anbiete, ist deshalb aber nur eine (hoffentlich hilfreiche) Erklärungsmöglichkeit.

Dein Bewusstsein erschafft Dein irdisches Leben!

Der größte Irrtum, dem die meisten Menschen unterliegen, ist der, dass die meisten Menschen glauben, sie seien lediglich ihr Körper und ihr bewusstes Denken und Fühlen = ihr Ego. Da Du diesen Artikel liest, muss ich Dir nicht sagen, dass Du im Kern Deines Wesens Bewusstsein bist. Dein Körper und Dein Ego sind lediglich die physischen Ausdrucksformen Deines Bewusstseins. Deshalb kannst Du an Deinem Körper und an Deinem Ego eine Menge über Dein Bewusstsein ablesen, zum Beispiel wo Du als geistiges Wesen in Deiner spirituellen Entwicklung über die Inkarnationen hinweg in etwa stehst, welche göttliche Qualität Du primär verkörperst, manchmal sogar Erfahrungen aus Vorleben und vieles mehr. Je besser Du Dein Bewusstsein kennst, desto deutlicher kannst Du das erkennen.

Da Dein Bewusstsein Deine derzeitige Inkarnation vor Deiner Geburt sorgfältig geplant und insbesondere Deine Eltern als leibliche Erzeuger ausgesucht hat, kannst Du aus den Lebensumständen Deiner Kindheit ablesen, was in etwa Dein Läuterungsprogramm für diese Inkarnation ist. Zum Beispiel verkörpern Deine Eltern die spezifische Dualität, die Dein Bewusstsein in diesem Leben überwinden will. Diese Dualität hat sich in meinem Leben tatsächlich in entsprechenden Lebensphasen manifestiert, in denen ich die beiden Pole dieser Dualität durchleben musste.

Dein Vater spiegelt Dir außerdem Deine inneren Konflikte mit Männern generell und – falls Du ein Mann bist – mit Deiner eigenen Männlichkeit wider, Deine Mutter die Konflikte mit Frauen generell und – wenn Du eine Frau bist – die mit Deiner eigenen Weiblichkeit.

Es sind außerdem die Lebensumstände Deiner Kindheit und insbesondere natürlich Deine Eltern, die Dein Ego und sogar auch Deinen Körper formen und prägen. Allerdings „regiert“ der Formungs- und Prägeprozess der elterlichen Erziehung nicht auf Dein Bewusstsein eins zu eins „durch“, weil Dein Bewusstsein eine Formung und Prägung lediglich insoweit zulässt, wie es Deinem geistigen Wesen, wie es zu dem Zeitpunkt beschaffen ist, entspricht. Will heißen: Deine Eltern können Dir langfristig nichts „ab- oder anerziehen“, was nicht ohnehin schon in Deinem Bewusstsein angelegt ist. Sobald Du nicht mehr dem dauerhaften Einfluss Deiner Eltern ausgesetzt bist, beginnt sich ganz automatisch alles in Deiner Persönlichkeit aufzulösen, was nicht ohnehin zu Dir und Deinem Bewusstsein gehört. Wenn zum Beispiel Dein Bewusstsein gegen sexuellen Kindesmissbrauch „immun“ ist, wird er für Dich und Dein Leben ohne langfristige Nachwirkungen bleiben. Du wirst ihn einfach vergessen, als ob nichts gewesen wäre. Nur wenn Dein Bewusstsein dafür ohnehin „anfällig“ war, wirst Du Dich später deshalb mit Schwierigkeiten herumplagen müssen, die in Deinem konkreten Fall – je nach spezifischer Anfälligkeit Deines Bewusstseins – außerdem ganz unterschiedlich als bei an sich vergleichbaren Fällen aussehen können. Das ist ganz wichtig zu verstehen: Nur weil jemand in seiner Kindheit bestimmte schwierige Erfahrungen gemacht hat, muss das nicht unbedingt heißen, dass er deshalb später als Erwachsener automatisch mit bestimmten Schwierigkeiten zu kämpfen hätte. Um ein drastisches Bild dafür zu geben: Wäre Jesus Christus mit seinem reinen Bewusstsein in ein familiäres Umfeld mit viel Gewalt und Grausamkeit hineingeboren worden, hätte ihm das vielleicht eine beschwerliche Kindheit bereitet. Aber nach dem Verlassen des Elternhauses wäre er ganz schnell zu der Persönlichkeit geworden, die er gewesen ist, weil in seinem Bewusstsein keine „Rezeptoren“ für Gewalt und Grausamkeit waren. (Übrigens war Maria, die Mutter von Jesus Christus, auch ein reines Bewusstsein. Deshalb spricht man von der „unbefleckten Empfängnis“ Jesu Christi und nicht etwa deshalb, weil Maria physisch noch Jungfrau gewesen wäre.)

Das erklärt auch, warum es zu Friktionen zwischen Eltern und Kindern kommen kann, sobald die Kinder das Haus verlassen haben: Die Kinder werfen nach und nach alles von ihren Eltern Übernommene ab, was nicht wirklich zu ihnen gehört. Erhalten bleibt lediglich das, was mit dem Bewusstsein des Kindes „kompatibel“ ist. Wenn Eltern ihre Kinder nicht „gehen lassen“ und zu eigenständigen Persönlichkeiten mit eigenen Vorstellungen, Werten und Meinungen heranwachsen lassen können, sind Spannungen unvermeidbar, und zwar erst recht, wenn sich das Kind zusätzlich auch noch darum bemüht, seine verbleibenden Probleme zu lösen.

Das heißt aber auch: Egal, was Deine Eltern Dir „angetan“ haben, bist immer allein Du selbst für die Probleme in Deinem Leben verantwortlich, weil sie lediglich Ausdruck Deines Bewusstseins sind. Oder anders: Dein Leben samt aller Probleme darin ist Ausdruck Deines Bewusstseins. Wie Du mit diesen Problemen umgehst, entscheidest Du mit Deinem bewussten Ego. Bei genauerer Betrachtung hat ein Mensch also nicht nur eine Doppelnatur aus spirituellem Bewusstsein einerseits und „irdischem“ Körper plus Ego andererseits, sondern eine Trippelnatur, weil das Leben, das ein Mensch im Außen führt, auch zu ihm gehört. Mit anderen Worten: Dein Leben bist Du. Wenn Du Dein Leben ablehnst, lehnst Du Dich selber ab. Deshalb kann Dir auch ausnahmslos jedes Ereignis in Deinem Alltag – mag es Dir auch noch so unbedeutend erscheinen – etwas über Dein Bewusstsein mitteilen und wie es in die Welt eingebettet ist.

Die Entwicklungskurve eines Egos in einer Lebensspanne und seine Funktion

C. G. Jung hat sinngemäß gesagt: In der ersten Lebenshälfte ist ein Mensch damit beschäftigt, ein Ego aufzubauen und zu entfalten, um es dann in der zweiten Lebenshälfte wieder zu demontieren. Diese Beschreibung gibt anschaulich wieder, wie die ideale Entwicklung eines Egos in einer menschlichen Lebensspanne aussieht.

Ich persönlich meine zwar, dass das Ego nicht demontiert oder zerstört werden muss. Denn mein Verständnis vom Ego ist, dass es die irdische Kommandozentrale für das Leben hier auf der Erde darstellt und ausgesprochen nützliche Funktionen enthält, nämlich insbesondere den inneren Beobachter und den inneren Entscheider, die den beschriebenen Prozess gestalten können. Was aussortiert und transformiert (aber eben nicht entfernt!) werden muss, sind diejenigen Bestandteile des Egos, die die Liebe ausschließen. Aber das ist vielleicht nur eine Wortklauberei, weil es ja, wenn das Ego demontiert werden soll, jemanden geben muss, der das macht, und ob man denjenigen nun dem Ego oder einer anderen Instanz zurechnet, ist ja in der Sache letztlich unwichtig. (Das ist übrigens so ein Beispiel dafür, wie durch Begrifflichkeiten Scheingefechte entstehen können.) Wichtig ist, die Psychodynamik innerhalb einer Lebensspanne zu verstehen: In der ersten Lebenshälfte geht darum, Ego-Persönlichkeitsstrukturen zu entwickeln und zu entfalten, während es in der zweiten Lebenshälfte darum geht, diese Persönlichkeitsstrukturen zu verändern. Nach meinem Verständnis ist es Aufgabe des Egos, genau diesen Prozess zu „managen“.

Dazu, diesen Prozess tatsächlich bewusst auch zu durchlaufen, entscheiden sich allerdings die allerwenigsten Menschen. Die meisten Menschen hangeln sich irgendwie so durch ihr Leben hindurch und bewältigen die Probleme, die sie dabei erleben, nach Konzepten, die in ihrem Bewusstsein abgespeichert sind. Diese Konzepte sind entweder schon bei der Geburt im Bewusstsein enthalten und werden lediglich – wenn auch vielleicht nur unbewusst und blind – „re-aktiviert“ und angewandt, oder sie werden vom Ego im Laufe des Lebens (vermeintlich bewusst) entwickelt, beziehungsweise – um präzise zu sein – auf der Basis dessen, was vorher im Bewusstsein schon abgespeichert war, fortentwickelt, weil ja kein Bewusstsein als unbeschriebenes Blatt auf diese Welt kommt. Das heißt: Auch Menschen, die ihr Bewusstsein verleugnen oder ausblenden wollen, werden von ihrem Bewusstsein beeinflusst, ob sie das nun wollen oder nicht.

Die im Bewusstsein abgespeicherten (bewussten oder unbewussten) Bewältigungskonzepte

Wer die eigenen Bewältigungskonzepte nicht kennt und/oder alternative Bewältigungskonzepte nicht kennt, kann sich mit diesem Mangel an Bewusstheit eine Menge Ärger einhandeln. Als ich mich mit diesem Thema nämlich intensiv auseinandergesetzt habe, habe ich erst nachträglich verstanden, warum ich mir in meiner Zeit als Führungskraft in einem internationalen Konzern so viel Feindseligkeit vonseiten meiner Kollegen zugezogen habe: Ich war damals schon – natürlich unbewusst – mit hochspirituellen Konzepten unterwegs und habe auf dieser Basis völlig arglos gedacht und gehandelt. Ich Naivchen dachte, dass es so, wie ich denke, „normal“ ist zu denken. Meine lieben Kollegen haben das nicht verstanden, weil sie mit anderen Bewältigungskonzepten unterwegs waren, und haben mir Böswilligkeit und Machthunger unterstellt, was ich heute aus der Retrospektive heraus nur allzu gut nachvollziehen kann. Auch erst nachträglich habe ich verstanden, dass mein ehemaliger Vorgesetzter versucht hat, mir genau das zu vermitteln. Er – der mich wirklich alles andere als gemocht hat – meinte mal zu mir: „Frau Steinberg, Sie sind Ihren Kollegen einfach immer weit, weit voraus! Die sehen immer nur die roten Rücklichter von Ihnen und verstehen Sie deshalb nicht.“ Das klingt zwar positiv, hat mir aber extrem viel Ärger eingehandelt. Wer sich jedenfalls solchen Ärger ersparen will, sollte sich einmal mit „Spiral Dynamics“ auseinandersetzen. Dazu gibt es jede Menge Literatur und Informationen im Internet. Mit dem Wissen, das ich heute habe, hätte ich mich damals komplett anders verhalten.

Diese Bewältigungskonzepte sind sehr oft der Auslöser von Streit, selbst wenn sie bewusst sind. Und on top kommen dann auch noch die unbewussten destruktiven Streitbewältigungskonzepte hinzu. Das erklärt, warum so viele zwischenmenschliche Konflikte in der Sache unlösbar erscheinen und deshalb mit Mitteln der Macht entschieden werden: Nicht die in der Sache beste Lösung gewinnt, sondern derjenige setzt sein Konzept durch, der – aus welchen Gründen auch immer – mehr Macht hat. Es sind diese Machtkämpfe, die berufliche wie private Beziehungen belasten und zerstören. Ich wage mal vorsichtig zu schätzen, dass jedes herkömmliche Unternehmen seinen Umsatz binnen kürzester Zeit verdoppeln könnte, wenn es mit einer Unternehmens- und insbesondere Führungskultur operieren würde, die diese Machtkämpfe überflüssig macht. Im Moment gibt es in Deutschland weniger als zwei Hände voll solcher Unternehmen, die so ticken. An deren Spitze stehen immer einzelne Unternehmer, die ihrer Zeit voraus sind.

Doch zurück zu unserem Thema: Wer sein Ego hingegen bewusst nutzt, um destruktive Persönlichkeitsanteile zu transformieren, guckt sich nicht nur das eigene Ego an und verändert es, sondern unterzieht auch die im Bewusstsein abgespeicherten Problembewältigungskonzepte einer bewussten Überprüfung und nimmt dort notwendige Korrekturen vor, die dann nach und nach auf Verhaltens-, mentaler und emotionaler Ebene integriert werden. Hier ein paar typische Beispiele von destruktiven Problembewältigungskonzepten im Vergleich zu den entsprechenden konstruktiven Konzepten:

Schmerz ist nach Ansicht der meisten Menschen etwas, das man bekämpfen und unterdrücken muss. Das stimmt nicht. Schmerz, der annehmend gefühlt wird, wirkt heilend. Aber das weiß natürlich nur jemand, der diese Erfahrung schon einmal gemacht hat. Wenn man im Schmerz von jemand Anderem in Mitgefühl gehüllt wird, fühlt man sich außerdem geliebt. Menschen, die ihren Schmerz und deshalb auch den Schmerz anderer Menschen bewusst oder unbewusst abwehren, sind deshalb unfähig zu lieben und können deshalb nie Liebe geben, sondern bestenfalls empfangen.

Weit verbreitet ist auch der destruktive Glaube, man müsse egoistisch sein, um glücklich und/oder erfolgreich zu sein. Das stimmt nicht. Es mag zwar sein, dass man damit kurzfristige Erfolge einfährt, aber mittel- und langfristig zahlt sich Egoismus nicht aus. Denn die menschliche Seele strebt nach Verbindung mit anderen Seelen. Das ist, was in ihr Freude und Erfüllung auslöst. Wer egoistisch ist und bleiben will, kennt diese Freude und Erfüllung natürlich nicht und wird sie auch nie kennenlernen. Wer sich mit anderen ergänzen kann, schafft es außerdem, die mathematisch unmögliche Rechnung von 1 + 1 = 3 aufzumachen, weil die gelungene Ergänzung zusätzlichen Mehrwert generieren kann. Wer das noch nie erlebt, dem fällt das schwer zu glauben.

Der Klassiker unter den destruktiven Streitbewältigungskonzepten ist die irrige – meist unbewusste – Vorstellung, dass es im Konflikt um eine Kontroverse „ich gegen Dich“ geht, die nur einer gewinnen kann. Das stimmt nicht. Eine echte Lösung kann nur gefunden werden, wenn man in einem Spirit von „ich und Du“ gegenseitiges Verständnis für Gefühle, Bedürfnisse und Interessen aufbringt und gemeinsam eine Lösung findet. So erstaunlich das klingen mag, kann eine Lösung auch die Erkenntnis sein, dass man eben anderer Meinung ist oder den Sachverhalt unterschiedlich bewertet. Das Entscheidende ist, dass Augenhöhe gewahrt bleibt und beide darauf verzichten, aus dem Gespräch als „Sieger“ hervorgehen zu wollen. Wer das einmal erlebt hat, kann spüren und weiß, dass das der Weg zu mehr Frieden ist.

Das waren jetzt lediglich drei Beispiele, die Liste ließe sich aber unendlich lange fortsetzen. Jeder meiner Artikel handelt im Grunde genommen davon. Ich denke, diese drei Beispiele zeigen recht anschaulich: Wer nicht bereit ist, sich für neue Erfahrungen zu öffnen, wird seine Konzepte nicht ändern können, weil er den Nutzen konstruktiver Konzepte nicht spüren kann. Deshalb ist jeder Streit auf rein kognitiver Ebene meist sinnlos, wenn man mit Menschen zu tun hat, die gar nicht wachsen wollen.

Spiral Dynamics weist außerdem darauf hin, dass Menschen auf höheren Entwicklungsstufen zwar Menschen auf den Entwicklungsstufen darunter verstehen können, dass aber jeder Mensch nur Menschen auf maximal einer Entwicklungsstufe über sich selbst kognitiv verstehen kann. Je spiritueller Du also unterwegs bist, desto eher musst Du damit rechnen, von anderen Menschen nicht verstanden zu werden. Deshalb kannst Du durchaus richtig liegen, obwohl Dich niemand versteht. Allerdings wirst Du dann mit hoher Wahrscheinlichkeit niemanden von der Wahrheit überzeugen können, eben weil Du nicht verstanden wirst. Aber natürlich kann es genauso gut auch sein, dass Du „auf dem Holzweg“ unterwegs bist, einfach weil jeder Mensch sich irren kann. Je differenzierter, flexibler und reflektierter Du mit einzelnen Themen umgehst, desto eher stellst Du sicher, die Wahrheit zu finden.

Wie sich Dein Bewusstsein in Deinem Leben ganz konkret bemerkbar machen kann

Die allermeisten Menschen sterben in dem Bewusstseinszustand zu glauben, dass sie allein aus ihrem Körper und ihrem Ego bestehen. Dementsprechend viel Angst haben diese Menschen vor dem Tod, da sie ja davon ausgehen müssen, dadurch komplett ausradiert zu werden. Richtig ist: Die Bewusstseinspartikel, das sich in Ego und Körper manifestiert haben, werden „ent-personalisiert“ und ins Bewusstsein re-integriert. Und dieses Bewusstsein lebt ewig.

Es ist übrigens exakt diese Angst vor dem Tod, die die Ursache dafür ist, dass Menschen immer und immer wieder auf dieser Erde inkarnieren müssen. Erst wer diese Angst vor dem physischen Tod überwunden hat, braucht nicht mehr wiederzukommen, sondern kann in höheren Läuterungssphären weitermachen. Es ist jedoch ganz gewiss nicht so, dass nicht alle Menschen im Leben eine Chance bekommen würden, sich für die Wahrheit zu öffnen. Denn im Grunde genommen ist jedes kleinere oder größere Problem im Leben eines Menschen ein Hinweis seines Bewusstseins darauf, sich jetzt doch endlich dem eigenen Innenleben, sprich dem Bewusstsein und seiner Heilung zuzuwenden. Solche Hinweise können konkret sein:

Physische Krankheit. Denn jede physische Krankheit ist immer ein Symptom für eine Störung im Bewusstsein.

Konflikte mit anderen Menschen, gleich ob beruflich oder privat. Denn jeder Konflikt im Außen spiegelt einen inneren Konflikt zwischen Deinem Ego und Deinem Bewusstsein wieder. Wer seine Konflikte im Außen konstruktiv reflektiert, versteht, wo ein Konflikt im eigenen Inneren zwischen Ego und Bewusstsein tobt und kann ihn lösen.

Weltschmerz. Weltschmerz ist dieses Gefühl von Sinnlosigkeit, Niedergeschlagenheit und Leere, das in einem ist, ohne dass man dafür im Außen einen konkreten Auslöser findet. Das sind „Schreie“ des Bewusstseins, das endlich Aufmerksamkeit haben möchte.

Sehnsucht nach Liebe. Die Sehnsucht nach Liebe ist eine Botschaft des innersten göttlichen Kerns Deines Bewusstseins. Diese Sehnsucht wird meist dahingehend missverstanden, dass man sich Liebe „von außen“ oder „im Außen“ wünscht. Tatsächlich zielt diese Sehnsucht aber auf etwas ganz anderes ab: Der göttliche Kern Deines Bewusstseins sehnt sich danach, eins zu werden mit Deinem Ego und Deinem Körper. Ist diese Einheit zwischen Bewusstsein, Ego und Körper hergestellt, ist in Deinem System vollständige Heilung eingetreten, und Dein Leben im Außen wird aus dem gleichen Guss sein. Dann kannst Du auch im Außen mit Anderen problemlos Liebe leben und erleben. Auch hier zeigt sich wieder: Dein Bewusstsein manifestiert sich in Deinem Leben!

Du merkst: Dein Bewusstsein kann sich entweder durch Geschehnisse im Außen bei Deinem Ego zu Wort melden oder auch aus Deinem Inneren heraus zu Dir durch Gefühle sprechen. In beiden Fällen ist es die Entscheidung Deines bewussten Egos, ob Du den Ruf Deines Bewusstseins ignorierst und weiter machst wie bisher oder aber ob Du ihn erhörst und Dich Deinem Bewusstsein zuwendest. Nur eines muss Dir klar sein: Wenn Du die Vermeidungsstrategie wählst, wird Dein Bewusstsein nicht locker lassen und Dir immer wieder neue Weckrufe schicken, und diese Weckrufe werden sich für Dich immer unangenehmer anfühlen. Wenn Du trotzdem weiter weghörst, macht Dein Bewusstsein dann irgendwann einen Schnitt und entscheidet sich, die aktuelle Inkarnation zu beenden, weil Weiterleben aus der Sicht des Bewusstseins schlicht keinen Sinn mehr macht. Das sind die plötzlichen Tode, die Menschen unerwartet von einem Tag auf den anderen und relativ früh ereilen. Oder aber ein lang gedehnter Sterbeprozess mit schwerer Krankheit wie Krebs, Alzheimer oder ähnlichem setzt ein, weil sich Ego und Körper aus Angst vor dem Tod mit aller Kraft davor sträuben zu sterben und das Bewusstsein sie gewähren lässt. Das Bewusstsein nutzt dieses Leiden dann quasi als Vorbereitung für die nächste Inkarnation. Denn so wird im Bewusstsein das Wissen verankert, dass die Konsequenz der ewigen Vermeidung Leid ist. Dann wird das Ego im nächsten Leben vielleicht eher bereit sein, die Kurve zu kriegen. Und wer sich immer wieder und immer wieder von Inkarnation zu Inkarnation drückt, erlebt dann irgendwann einmal eine Inkarnation, in der eine gravierende Geisteskrankheit manifestiert wird. Findest Du, das klingt grausam? Du darfst nicht vergessen: Dieser zunehmende Leidensdruck entsteht allein deshalb, weil sich das Ego kraft bewusster und frei gewählter Entscheidung den „Spielregeln“ des Lebens widersetzt hat. Das sind bewusste und frei gewählte Entscheidungen des Einzelnen! Außerdem ist dieser Mechanismus die einzige Möglichkeit sicherzustellen, dass im Heilsplan Gottes niemand auf der Strecke bleibt. Leiden ist nun mal für die allermeisten Menschen die einzige Motivation dafür umzudenken. Dir steht frei, einen anderen Weg zu wählen.

Wie Du gezielt das Wissen Deines Bewusstseins anzapfen und Dein Bewusstsein „umerziehen“ kannst

Bislang habe ich hier lediglich darüber geschrieben, wie sich Dein Bewusstsein in Deinem Leben von sich aus bemerkbar machen kann. Mit Deinem bewussten Ego kannst Du aber auch gezielt Dein Bewusstsein anzapfen und daraus Wissen generieren. Wenn Du diese Interaktion bewusst herstellst und kultivierst, ist das der erste Schritt dazu, dass Du zwischen Deinem Bewusstsein und Deinem Körper nebst Ego Einheit herstellst.

Die Kommunikation mit dem eigenen Bewusstsein ist im Grunde genommen ganz einfach: Du kannst mit ihm – vielleicht auch nur innerlich – genauso sprechen wie mit jedem anderen Menschen, den Du um Auskunft, Rat oder Hilfe bittest. Der einzige Unterschied liegt darin, dass Dein Bewusstsein selten sofort antworten wird, wenn Du ihm eine Frage gestellt hast. Meistens dauert es ein bisschen, ehe Du eine Antwort bekommst, und das wird meistens dann sein, wenn Du am wenigsten damit rechnest, zum Beispiel wenn gerade Du unter der Dusche stehst und vollauf damit beschäftigt bist, Deine Haare zu schamponieren. Dann geht Dir auf einmal – pling! – die Antwort durch den Kopf, und Du weißt sofort, dass das die Antwort auf die Frage ist, die Du gestellt hast. Manchmal poppt die Antwort aber auch sofort hoch, nachdem Du die Frage formuliert hast. Das ist fast so, als wenn Dein Bewusstsein nur darauf gewartet hat, dass Du endlich diese Frage stellst.

Was extrem wichtig ist: Du musst die Frage auf den Punkt genau formulieren! Je präziser, desto besser. Ich habe mir deshalb angewöhnt, meine inneren Dialoge oft aufzuschreiben, weil ich festgestellt habe, dass ich so präzisere Fragen stelle, deshalb präzisere Antworten erhalte und die Antworten bei Bedarf auch noch besser präzisieren kann.

Noch wichtiger als die präzise Fragestellung ist der richtige Umgang mit der Antwort. Denn die Antwort wird immer „richtig“ insofern sein, als sie dem entspricht, was in Deinem Bewusstsein tatsächlich abgespeichert ist. Aber das muss lange noch nicht bedeuten, dass diese Antwort auch der Wahrheit entspricht. Oben bei den Bewältigungskonzepten ist das schon angeklungen: Was in Deinem Bewusstsein abgespeichert ist, kann durchaus destruktiv sein und einer Korrektur bedürfen. Du darfst also beileibe nicht glauben, dass alles, was aus Deinem Bewusstsein kommt, reines Gold ist, nur weil Du es aus den Tiefen Deines Bewusstseins hervorgeholt hast. Guck Dir einfach objektiv an, ob das, was Du da in Dir gefunden hast, konstruktiv oder destruktiv ist. Vielleicht besorgst Du Dir auch Informationen dazu, wie man Deinen Fund noch bewerten könnte oder bittest andere Menschen um ihre Meinung. Vielleicht musst Du dafür auch noch mal Dein Bewusstsein befragen.

Was ich Dir versprechen kann: Je konsequenter Du nach Antworten suchst, desto zuverlässiger wird die Antwort sein, die Du letztlich erhältst. Wenn Du am Ende dieses Prozesses die Wahrheit herausgefunden hast, kannst Du diese Wahrheit gezielt in Dein Bewusstsein einprägen um damit Dein Bewusstsein umzuerziehen. Dafür können Merksätze oder Affirmationen hilfreich sein. Sei nicht enttäuscht, wenn Du diesen Vorgang für ein bestimmtes Thema mehrfach wiederholen musst: Je tiefer ein Problem in Deinem Bewusstsein verbuddelt ist, desto öfter musst Du es durcharbeiten, damit eine Veränderung in Dir stattfinden kann.

Eine Klippe gibt es bei diesem Prozess: Das ist ja scheinbar ein eher mentaler Prozess, wie ich ihn hier beschrieben habe. Bei mir selbst habe ich aber festgestellt, dass in diesem Prozess trotzdem ganz heftige Gefühle ausgelöst werden können. Es ist mir nicht nur einmal passiert, dass ich mich dann von meinen Gefühlen habe vereinnahmen lassen und darin untergegangen bin. Erst nach einiger Zeit bin ich dann aus diesen Gefühlswogen wieder aufgetaucht, meist mit einem schalen Nachgeschmack. Das ist nicht zielführend. Es ist zwar wichtig, diese Gefühle erst einmal bewusst zu fühlen. Aber dann musst Du möglichst schnell dazu übergehen, das Gefühl zu „übersetzen“. Gefühle sind nämlich nichts anderes als komprimierte Gedanken. Will heißen: Jedes Gefühl enthält immer auch eine kognitive Botschaft. Mein schwierigstes Gefühl (ich weiß bis heute nicht genau, was für ein Gefühl genau das qualitativ ist, ob das Schuld oder Selbsthass ist) sagt mir zum Beispiel noch heute manchmal: „Du bist falsch!“ Diese Botschaft ist natürlich von der Sache her völliger Quatsch, weil ich wie jeder Mensch eine wundervolle Schöpfung Gottes bin. Aber genau das muss ich mir immer wieder bewusst machen, wenn dieses Gefühl in mir hochschwappt, damit es sich nach und nach in Selbstliebe transformieren kann. Und es transformiert sich eben nicht, sondern bleibt bestehen, wenn ich lediglich im Gefühl untergehe.

Diese emotionale Kommunikation des Bewusstseins zu verstehen, erfordert also ein bisschen Übung. Das ist ein bisschen so, wie eine Fremdsprache zu erlernen. Aber diese Mühe ist extrem lohnend: Dadurch kannst Du im Laufe der Zeit nämlich immer schneller zuordnen, warum Du wie auf bestimmte Dinge im Außen reagierst. Du kannst außerdem auch immer zutreffender bewerten, ob Deine Reaktion konstruktiv oder destruktiv ist mit der Folge, dass Du immer schneller in der Lage bist, konstruktiv zu reagieren, selbst wenn das, was von Außen an Dich herangetragen worden ist, destruktiv war. Das genau ist der Weg zu Einheit, Liebe und Freiheit: Dass Du in Dir die Fähigkeit kultivierst, auf alles, was von Außen an Dich herangetragen wird – gleich, wie destruktiv das ist –, trotzdem immer konstruktiv zu reagieren. Denn genau dann lebst Du in Einheit, Liebe und Freiheit, egal, was um Dich herum passiert. Um diesen Zustand zu erreichen, ist der Dialog mit dem eigenen Bewusstsein unverzichtbar.

Na, hast Du Lust darauf bekommen, die Kommunikation zu Deinem Bewusstsein aufzunehmen? Das ist übrigens eine der effektivsten Formen von Meditation, und für mein persönliches Empfinden auch die spannendste!

 

 

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KatrinNr. 62: Kannst Du spüren, dass und wie Dein Bewusstsein Dein Leben erschafft und wie Du darauf bewusst Einfluss nehmen kannst?