Nr. 68: Wenn Du ein Mann bist: Hast Du Deine destruktive Aggressivität schon in positive Aggression transformiert?

Erfreulicherweise habe ich viele männliche Kunden. Erfreulich finde ich das deshalb, weil man ja den Männern ansonsten sooft nachsagt, sie seien „an solchen Beziehungs-Themen“ nicht so interessiert. Stimmt definitiv nicht. Durch die Bank alle Männer, die bei mir im Coaching sind, wollen sich (aus unterschiedlichen Positionen heraus: verheiratet, in Trennung befindlich, auf der Suche) genau insofern weiterbilden: In ihrer Beziehungsfähigkeit. Aus meiner Sicht sind genau das die Männer, die wirklich die Zukunft der Gesellschaft positiv gestaltend vorbereiten. Denn Beziehungsfähigkeit ist die Grundlage für persönliches Glück, persönliches Glück wiederum ist die Grundlage für beruflichen Erfolg, und – last but not least – ist beruflicher Erfolg des Einzelnen auf der Basis persönlichen Glücks genau das, was die Gesellschaft als Ganzes voranbringt. Wer nämlich persönlich glücklich ist, macht beruflich nichts allein um des schnöden Mammons oder um des Prestiges Willen, sondern packt die Sachen um ihrer selbst Willen an. Und genau das garantiert sachorientierte, tragfähige Lösungen, statt fragiler oder fragwürdiger Scheinkonstrukte, wie sie im Moment die Schlagkraft der deutschen Wirtschaft gefährden. Ich denke da natürlich konkret an die Diesel-Abgas-Skandale und die Kartellverfahren im Bereich der Automobil-Industrie, die die Blüten egomanischer Geltungssucht und Gier weitüberwiegend männlicher Manager sind. Das genau kommt dabei heraus, wenn Geld und Prestige den Mangel an Liebe ausgleichen sollen.

Für diese tollen Männer, die sich bei mir in die „Höhle der Löwin“ trauen, schreibe ich diesen Artikel! Ich möchte damit ganz gezielt Euch unterstützen. Denn ich möchte, dass Ihr noch großartiger werdet, als Ihr es ohnehin schon seid! Nur kurz zur Klarstellung und zur Vermeidung von Missverständnissen: Ich habe hier ein paar Extrembeispiele genannt, für das keiner von Euch die „Vorlage“ ist. Seht diese Extrembeispiele als Anregung zur Selbstreflexion und konzentriert Euch bitte darauf, ob vielleicht Teilaspekte dieser Extrembeispiele auf Euch zutreffen könnten.

Ein erwachsener Mann braucht positive Aggressivität!

In der spirituellen Szene sind viele Menschen und sogar Lehrer unterwegs, die glauben und öffentlich predigen, dass es „heilig“ sei, nicht aggressiv zu sein. Das ist in meinen Augen blanker Quatsch!!! In dieser Welt liegen so viele Dinge im Argen; verglichen damit sind die momentanen Probleme in der Automobil-Industrie die berühmt-berüchtigten „peanuts“. Um nur ein paar Stichworte zu nennen: Klimaschutz, Ausbeutung und Missbrauch der natürlichen Ressourcen der Erde und die ungerechte Verteilung der damit erzielten Gewinne, sowohl intra-national als auch international, und – last but not least – eine Pharmaindustrie, die Gewinnmaximierung über das Patientenwohl stellt. Damit, wie sehr Frauen in dieser Welt aller Orten benachteiligt, abgewertet und ausgenutzt werden, will ich an dieser Stelle gar nicht kommen, weil man mich insofern als befangen ablehnen könnte. Aber wenigstens erwähnt haben will ich diesen Aspekt. Das alles wird sich nicht ändern, wenn alle nur fromm drein blicken und heilig tun. Da braucht es Menschen und vor allem Männer, die aufstehen und mit aller Macht mal mit der Faust auf den Tisch hauen, Stellung beziehen und konstruktive Veränderung vorantreiben. Wer da herumsäuselt, dass Wut unspirituell sei, ist einfach nur weltfremd, und Weltfremdheit hat rein gar nichts mit Spiritualität zu tun. Spiritualität ist kein geistiges Schneckenhaus. Spiritualität bedeutet, den Geist Gottes in die irdische Materie zu tragen. Es geht um die Expansion des Geistes in die Materie. Das meinte Jesus Christus, als er – sinngemäß (vgl. Johannes 17, 11 – 19) – sagte: Sei in dieser Welt, aber nicht von dieser Welt! Will heißen: Lass Dich nicht von irdischen Versuchungen vereinnahmen, aber steh mit beiden Beinen im Leben und tu, was notwendig ist. Und genau dafür ist positive Aggression zwingend notwendig.

Übrigens ist auch die Haltung Jesu Christi zu positiver Aggression eindeutig. In allen vier kanonischen Evangelien wird das Gleichnis von der Tempelreinigung geschildert, in dem Jesus Christus wütend wird (siehe Matthäus 21,12ff; Markus 11,15ff; Lukas 19,45ff; Johannes 2,13–16): Als er in den Tempel kommt und sieht, dass sich dort die Händler und Geldwechsler mit ihren Ständen breit gemacht haben, wird er sauer, wirft die Tische um und ruft: „Macht meines Vaters Haus nicht zum Kaufhaus!“ (Johannes 2, 16). Mir ist offen gestanden schleierhaft, wie man eine solch eindeutige Botschaft der Bibel „weginterpretieren“ kann. Vermutlich ist es die Angst vor der eigenen destruktiven Form der Aggressivität, der dann sogar der explizite Text der Bibel weichen muss.

Tatsächlich ist es so: Die dunklen Mächte fürchten nichts so sehr wie positive Aggression, eben weil sie eine „Bedrohung“ für die destruktiven Missstände dieser Welt sind, deren Erhaltung im Interesse der dunklen Mächte ist. Das heißt: Alle, die die Aggressivität per se verteufeln, tun nichts Anderes, als dem Teufel zu dienen. Warum das so ist, wird noch viel deutlicher, wenn man sich vor Augen führt, was passiert, wenn Aggressivität unterdrückt wird, nur weil sie „unerwünscht“ oder angeblich „unspirituell“ ist.

Im Makrokosmos „Gesellschaft“ wie im Mikrokosmos „Mann“: Die destruktiven Folgen der Verleugnung von Aggressivität

Gewalt, wie wir sie vor kurzem anlässlich des G20-Gipfels in Hamburg erlebt haben, ist ganz sicherlich keine konstruktive Form oder kein positiver Ausdruck von Aggressivität. Als ich die Bilder und Berichte gesehen habe, ging mir direkt durch den Kopf: „Hier bricht sich die aggressive Wut Bahn, die ansonsten in der Gesellschaft überall unterdrückt wird. Hier agieren ein paar Krawallos all die Wut aus, die überall sonst in der Gesellschaft als „verboten“ gilt. Das sind die krankhaften Symptome einer „intellektualisierten“ oder „verkopften“ Gesellschaft, die nicht angemessen mit Wut umgehen kann.“

Was ich dabei so sehr bedauerlich fand: Bei den Demonstranten waren viele Menschen und vielleicht sogar die überwiegende Anzahl von Menschen keineswegs gewalttätig unterwegs, sondern haben lediglich das ausdrücken wollen, was ich als „positive Aggression“ bezeichne: Aktiver Widerstand gegen als misslich empfundene Umstände. So gelingt es den dunklen Mächten, die positive Aggression durch destruktive Aggressivität zu entwerten und in ihrer Wirksamkeit zu schwächen.

Auf der Ebene des Individuums sieht es ganz genau so aus, und spirituelle Wahrheit ist ja auf allen Ebenen immer identisch: Ich kenne eine Reihe von hochintelligenten Männern, die in Teilbereichen ihres Lebens durchaus positive Aggression ausdrücken, aber gleichzeitig auch mit unterdrückter destruktiver Aggression kämpfen: Ohne jeden Anlass oder aus geringfügigem Anlass können sie auf einmal in Wutanfällen „austicken“ und damit verheerenden Schaden in zwischenmenschlichen Beziehungen anrichten. Das ist auf einer anderen Ebene exakt das Gleiche wie die Gewalt, die wir in Hamburg gesehen haben: Wut, die immer unterdrückt wird, platzt überfallartig und unkontrolliert heraus und richtet gewaltigen Schaden an. Das ist ohne jeden Zweifel destruktiv.

Jetzt wird diskutiert, wie man die Ausschreitungen, die wir in Hamburg uns haben ansehen müssen, unterbinden kann. Aus meiner persönlichen Sicht gibt es nur eine einzige Lösung, die zugleich auch das Problem auf individueller Ebene löst: Indem jeder Einzelne von uns sich die eigenen Aggressionen anschaut und in positive Aggressivität transformiert. Was wir in Hamburg gesehen haben, schlummert mehr oder weniger ausnahmslos in jedem von uns. Da haben nur ein paar Wenige ausagiert, was wir Anderen alle sorgfältig unter Verschluss halten.

Warum Aggressivität für Männer mehr ein Thema ist als für Frauen

Aggressivität steht in engem Zusammenhang mit dem Prinzip der Aktivität; Aktivität ist ein männliches Prinzip, Passivität das entsprechende weibliche Prinzip. Das ist eine Polarität, die jeder Mensch in sich trägt und für ein gesundes Leben in Einklang bringen muss. Aber da die Aktivität eben ein männliches Prinzip ist, gibt es durchschnittlich mehr Aggressivität in Männern als in Frauen. Das ist auch der Grund dafür, dass es mehr Männer als Frauen gibt, die kriminelle Gewalttaten begehen, wie es die Gefängnis-Statistiken zeigen: Das sind lauter Männer, die mit ihrem hohen Aggressionspotential nicht konstruktiv umgehen können. Auch in Hamburg bei den G20-Ausschreitungen waren bei den Krawallos die Männer in der Überzahl.

Ich bin mir ganz sicher, dass Du kein solcher Krawallo bist. Denn wer Artikel wie diesen hier liest, weiß, dass das blinde Ausagieren von Gewalt destruktiv ist. Das ist tatsächlich „unspirituell“. Aber nur weil die verzerrte Form dieser Aktivität destruktiv ist, muss das eben keineswegs heißen, dass Aggressivität per se schlecht ist. Guckt man zurück in die Menschheitsgeschichte, wird noch viel deutlicher, warum es gut und konstruktiv ist, dass Männer Aggressivität besitzen: Nicht nur haben die Männer auf der Jagd die Tiere erlegt, die als Nahrung für die Sippe dienten, sondern die Männer haben damit insbesondere auch die Sippe vor wilden Tieren und angreifenden anderen Sippen verteidigt. Derart archaische Aufgaben hat ein Mann heute natürlich nur noch im übertragenen Sinne und auch nur in einigen Bereichen oder in bestimmten Situationen. Aber generell die Missstände dieser Welt anzuprangern und zu bekämpfen, erfordert exakt die gleiche Energie und dient sogar dem exakt gleichen Zweck: Es geht darum, die Erde als Überlebensgrundlage der Menschheit zu verteidigen und die Gesellschaft vor Feinden zu schützen, auch wenn die Feinde heute in der westlichen Welt eher aus dem Inneren der Gesellschaft heraus agieren, als die Gesellschaft von Außen angreifen.

Das Modell „Trump“: Die verzerrte Form von Männlichkeit und Weiblichkeit

Eine andere konstruktive Ausdrucksform positiver Aggressivität ist beruflicher Erfolg. Deshalb wirken beruflich erfolgreiche Männer zumindest auf den ersten Blick auf die meisten Frauen sexy, auch auf mich. Mein Interesse erlahmt allerdings schnell, wenn ich merke, dass der berufliche Erfolg eines Mannes lediglich dem Zweck dienen soll, das Gefühl der Wertlosigkeit zu kompensieren. Donald Trump fällt mir dazu prompt als Beispiel ein, der mir tatsächlich zehn bewusste Minuten lang als erotisch erschien, weil ich sein Lebenswerk – die Errichtung eines Immobilien-Imperiums – beachtlich finde und zehn Minuten lang alles ausgeblendet habe, was ich an ihm und seinem Verhalten schwierig finde. Ich finde nämlich, dass man einem Menschen nur gerecht werden kann, wenn man bereit ist, sich auch dessen Sonnenseiten anzugucken. Dann mischten sich aber seine „Fake News“-Attacken auf Twitter und der hässliche Umgang mit anderen Menschen wieder in mein Bild von ihm und mir wurde klar: Trumps beruflicher Erfolg dient meiner Einschätzung nach ausschließlich dem Zweck, die eigenen Minderwertigkeitskomplexe zu kompensieren. Und Minderwertigkeitskomplexe finde ich persönlich denkbar unsexy. Beruflicher Erfolg ist für mich bei einem Mann nur dann richtig sexy, wenn ich merke, dass er das Ergebnis von Selbstverwirklichung ist und damit lediglich den „inneren Erfolg“ eines Mannes im Außen widerspiegelt.

Die komplementäre weibliche Eigenschaft, die Passivität, führt uns in der verzerrten Form interessanterweise Melania Trump, die Ehefrau von Donald Trump, vor: Sie ist schön – und das ist sie unbestreitbar!!! – , aber das war es dann auch schon. Ähnlich wie bei ihrem Ehemann, dessen beruflicher Erfolg lediglich eine äußere Fassade ist, ist auch die Schönheit von Melania Trump lediglich Fassade. Echte Schönheit bei einer Frau strahlt von innen nach außen und macht sich für mich vor allem daran fest, ob eine Frau für andere Menschen generell und speziell für ihren Mann emotional offen und empfänglich ist. Das ist Melania Trump nach meinem Empfinden nicht: Sie guckt entweder verschlossen oder aber inszeniert ein Lächeln, das bei mir angkommt wie: „Sag mir, dass ich schön bin!“ Das ist reine Selbstinszenierung, die ich persönlich nicht ansprechend finde. Für mein persönliches Empfinden gibt es bei oberflächlicher Betrachtung weniger „schöne“ Frauen, die weitaus mehr authentische Schönheit ausstrahlen. Aber ich bin mir sicher: Jeder Mann, der selbst nur um die eigene Fassade kreist, wird meine Sichtweise nicht teilen. Er wird in einer „nur schönen“ Frau wie Melania Trump aber auch nicht die Frau sehen, sondern ein Objekt, das die eigene Fassade „schmückt“ und aufwertet. Die beiden müssen ein entsetzlich leeres Leben führen; ich beneide die beiden ganz gewiss nicht.

Das Problem der hochentwickelten Männer von heute und wie man es lösen kann

Dass ein hohes Aggressionspotential bei Männern auch heute noch eine Tatsache ist, kann keiner verleugnen, der sich die Welt mit offenen Augen ansieht. Ich denke dabei nicht nur an die destruktiven Erscheinungen wie die G20-Krawalle und kriminelle Gewalttaten, sondern zum Beispiel auch an den Profisport im Bereich Fußball, Rennsport oder Boxen, in dem es heute so hart zur Sache geht wie nie zuvor. Oder auch die neuen Vollkörpersportarten, in denen es so aggressiv zugeht, dass ich noch nicht einmal einen Zeitungsartikel darüber lesen kann, weshalb ich nur aus den Überschriften weiß, dass es so etwas heute gibt. Und all diese Aggressivität soll nicht vorhanden sein in einem Mann, der nicht in solchen Aktivitäten engagiert ist? Wohin soll sie verschwunden sein? Ins Nirwana verpufft?

Wenn Männer heute destruktive Gewalt grundsätzlich ablehnen und der Diplomatie auf allen Ebenen den Vorzug einräumen, ist das zweifelsfrei ein Fortschritt in der Menschheitsgeschichte. Dass diese Männer aber zu glauben scheinen, dass allein diese intellektuelle Entscheidung die eigene Aggression zum Verschwinden bringen könne, ist hochgradig irrational: Nichts verschwindet nur deshalb, weil man es ablehnt oder nicht haben will.

Nur ist der Druck, die eigene Aggressivität unter Verschluss zu halten, natürlich um ein Vielfaches höher, wenn man erkannt hat, wie destruktiv sie sein kann. Was aber ist die Folge dieser vehementen Unterdrückung von Aggression? Ich drücke es jetzt mal bewusst plastisch, drastisch und überzogen aus: Das sind Männer, die keine Eier in der Hose haben und unmännlich wirken. Und die nicht selten auch Schwierigkeiten haben im Umgang mit Frauen, weil sie gegenüber Frauen verunsichert sind, was auch kein Wunder ist: Da ihre Aggressivität mitnichten „weg“ ist, müssen sie ja jederzeit fürchten, dass diese ungewollt aus ihnen hervorbrechen und Schaden anrichten könnte. Wie soll man da entspannt und selbstbewusst sein können? Das ist ein Ding der Unmöglichkeit! Dieser Umstand ist natürlich ebenso wenig bewusst wie die unterdrückte Aggression.

Dieses Defizit an Männlichkeit scheint diesen Männern außerdem auf irgendeiner Ebene ihres Bewusstseins auch irgendwie zumindest diffus bewusst zu sein. Denn sie kompensieren es gegenüber Frauen nicht selten durch platte Dominanz und/oder pubertären Chauvinismus. Beides berührt mich persönlich unangenehm, obwohl ich weiß, welches Leid dahinter steckt. Denn es ist immer ausgesprochen leidvoll, wenn man nicht so sein darf, wie man wirklich ist. Und ganz sicher kann „Mann“ mit Dominanz und Chauvinismus bei einer erwachsenen Frau kein erotisches Knistern entfachen, sondern schlimmstenfalls Ablehnung und bestenfalls eben Mitgefühl hervorrufen. Was allerdings erotisches Knistern in einer erwachsenen Frau auslösen kann, ist eine gute Portion positive männliche Aggression! Erwachsene Frauen wollen von einem Mann „aufgerissen“ und „genommen“ werden, weil sie sich ihm nur dann „hingeben“ können, aber eben auf eine liebevolle, zugewandte Art und Weise!

Unterdrückte Aggressivität zieht also einen ganz Rattenschwanz an unerfreulichen Wirkungen nach sich, und das ist aus meiner persönlichen Sicht völlig überflüssig, weil die Aggressivität an sich gar nicht schlimm ist, siehe oben. Notwendig ist lediglich, die destruktive Aggression in konstruktive Aggressivität zu transformieren, was noch nicht mal so kompliziert ist, wenn man weiß, wie es funktioniert. Transformieren kann man allerdings eben nur etwas, dessen Existenz man bereit ist anzuerkennen.

Übrigens habe ich die Beobachtung gemacht, dass je sensibler ein Mann ist, desto tiefer ist seine Aggressivität verbuddelt. Das erscheint mir auch plausibel, weil je höher die Sensibilität ist, desto größer ist das Bedürfnis, die destruktive Aggressivität „zum Schweigen zu bringen“. Schließlich wird durch die hohe Sensibilität die Gefährlichkeit destruktiver Aggressivität noch viel deutlicher fühlbar. Aber auch Sensibilität ändert nichts an dem grundsätzlich (zum Glück!!!) in einem Mann vorhandenen Aggressionspotential. Tatsächlich kann ich selbst mir nichts Erotischeres vorstellen als einen hochsensiblen Mann, der gleichzeitig über eine gute Portion positive männliche Aggression verfügt! Allerdings ist mir so ein Wunderexemplar von einem Mann bis heute nicht über den Weg gelaufen. Ich habe lediglich einmal erlebt, wie ein hochsensibler Mann massiv destruktive Aggressivität ausagiert (und hinter her prompt verleugnet) hat, was mir so eine Ahnung davon vermittelt hat, wie umwerfend diese Kombi sein muss. Denn durch meine Arbeit habe ich die Fähigkeit entwickelt, in der destruktiven Ausdrucksform das positive Potential zu sehen. Positive männliche Aggression ist mir außerdem schon sehr oft bei „normal sensiblen“ Männern begegnet, und sie gefällt mir immer ausgenommen gut! Das sind für mich „echte Männer“!

Warum Männer, die ihre Aggressivität transformieren, gleichzeitig auch die Entwicklung ihrer Frauen unterstützen

Während ich diesen Artikel geschrieben habe, musste ich mehrfach an Alice Schwarzer denken. Diese Frau hat ohne jeden Zweifel dem berechtigten Wunsch der Frauen nach Gleichberechtigung gedient. Nur welchen Preis hat sie dafür gezahlt? Sie hat in hohem Maße aggressiv und männlich agiert; auf mich wirkt sie insgesamt wenig weiblich oder was ich persönlich als weiblich empfinde. So möchte ich ganz gewiss nie sein oder werden. Gleichzeitig ist mir aber auch klar: Irgendjemand muss sich für Veränderung einsetzen, sonst wird sich nichts ändern in dieser Gesellschaft. Und wenn es eben die Männer nicht tun, dann müssen vielleicht die Frauen ran.

Auf der zwischenmenschlichen Ebene kann sich die exakt gleiche Psychodynamik entwickeln: Kommt ein Mann nicht in die ihm ureigene Aktivität und positive Aggression, besteht die Gefahr, dass die Frau diesen Part – wenn auch vielleicht nur unbewusst – übernimmt und damit ihre eigene Weiblichkeit untergräbt. Das äußert sich übrigens nicht selten in nicht-enden-wollender Nörgelei an ihrem Mann. Will heißen: Nur ein Mann, der sicher und selbstbewusst in der eigenen positiven Aggressivität verankert ist, kann einer Frau den Raum dafür aufmachen, dass sie sich voll in ihrer Weiblichkeit entfalten kann. Und gleichzeitig sich selbst davor schützen, zur Zielscheibe ihrer fehlgeleiteten Aktivität zu werden. Ich persönlich glaube: Das ist eines der größten Geschenke, die ein Mann seiner Frau machen kann! Dass ein Mann, der dazu in der Lage ist, nebenher ganz gewiss auch noch beruflich erfolgreich sein wird, ist dann nur noch schönes Beiwerk.

Also, liebe Männer: Seid Ihr jetzt motiviert, Euch Eure destruktiven Aggressionen in vollem Umfang anzusehen und sie in positive Aggressivität zu transformieren?

 

 

 

Bildrechte: www.piqs.de „the boxer“

KatrinNr. 68: Wenn Du ein Mann bist: Hast Du Deine destruktive Aggressivität schon in positive Aggression transformiert?