Nr. 72: Ist Dir bewusst, dass Du jede Minute Deines Lebens nur einmal leben kannst und dass jede einzelne Minute über den Verlauf Deines weiteren Lebens entscheidet?

Ich bekomme relativ häufig Emails von Menschen, die sich für meine Blogs interessieren, die aber – für mich ganz offensichtlich – nicht wirklich mit den Inhalten arbeiten. Sie scheinen meine Blogs eher so wie ein Stück Schokolade in sich hineinzuschnuckeln, und das war’s dann. Natürlich freue ich mich über das Interesse, aber gleichzeitig bin ich auch frustriert, weil dieser Umgang mit meinen Blogs rein gar nichts bewirken kann. Denn allein durch das Lesen meiner Blogs wird sich in Dir oder in Deinem Leben rein gar nichts verändern. Wenn in Deinem Leben wirklich etwas passieren soll, dann musst Du meine Artikel verinnerlichen, die Inhalte mit Deinem eigenen Innenleben abgleichen und in Dich selbst hineinspüren, wie ein bestimmtes Thema in Dir selbst funktioniert. Wenn Du nicht aus jedem einzelnen meiner Artikel mindestens eine konkrete Erkenntnis für Dich persönlich herausholst, liegt das – jetzt bin ich mal ganz selbstbewusst! – nicht an meinen Artikeln, sondern daran, dass Du ihn nicht richtig genutzt hast.

Warum es mir so wichtig ist, Dich auf diese Tatsache hinzuweisen? Weil mir im Kontakt mit einem potentiellen Kunden neulich mal wieder ganz glasklar geworden ist, dass die meisten Menschen ein problematisches Verhältnis zum Umgang mit ihrer  (Lebens-)Zeit haben, das an deren Lebensabend zu ganz unschönen Konsequenzen führen kann. Was ich damit sagen will? Das wirst Du hier gleich lesen!

Wo bist Du im Moment mit Deinen Gedanken?

Ich hoffe sehr, dass Du jetzt gerade in diesem Augenblick mit Deiner ganzen Aufmerksamkeit dabei bist, diesen Artikel zu lesen. Ist das so? Oder bist Du mit dem halben Kopf woanders, zum Beispiel bei einem Problem, das Dich beschäftigt, oder bei etwas, das Du noch erledigen musst? Das wäre nicht konstruktiv, denn wenn Dein Verstand parallel zwei oder sogar noch mehr Themen verarbeitet, bremsen sich die Verarbeitungsprozesse gegenseitig aus. Will heißen: Nichts von allem wird wirklich erledigt. Deshalb konzentrier jetzt mal bitte ganz bewusst Deine gesamte Aufmerksamkeit hier auf diesen Artikel. Geht das? Gut! Denn ich werde Dir jetzt eine Frage stellen, die Deine volle Aufmerksamkeit erfordert.

Gibt es in Deinem Leben ein Thema, ein Problem, einen Mangel oder einen Konflikt, der Dein gesamtes Lebensgefühl überschattet und Deine Lebensqualität beeinträchtigt?

Ich bin mir sehr sicher, dass es das im Leben eines jeden Menschen gibt, also auch in Deinem, und zwar schon deshalb, weil Du sonst solche Artikel wie diesen hier gar nicht lesen würdest. Aus eigener Erfahrung von früher weiß ich, dass eine gern gewählte Pseudo-Lösungsstrategie für dieses bestimmte Thema, dieses Problem, diesen Mangel oder diesen Konflikt ist, sich davon mit anderen Dingen abzulenken. Deshalb behalte jetzt bitte mal ganz bewusst Dein wichtigstes Problemfeld im Auge. Was hast Du in der Vergangenheit getan, um es einer Lösung zuzuführen? Was wirst Du in der Zukunft tun, um es einer Lösung zuzuführen?

Dein Verstand wird jetzt mit hoher Wahrscheinlichkeit versuchen „wegzulaufen“, um sich lieber mit anderen Dingen zu beschäftigen so nach dem Motto: „Uh, das dicke Ding kann ich ein anderes Mal in Angriff nehmen, jetzt nicht. Und vielleicht löst es sich ja irgendwann auch von ganz alleine auf.“

Auf eines gebe ich Dir Brief und Siegel: Kein einziges Problem in Deinem Leben wird sich von ganz allein auflösen. Denn alle Deine Probleme rühren her von Deiner inneren Verfassung. Will heißen: Was im Außen schwierig erscheint, hat seine Wurzel immer in Dir und in Deinem Bewusstsein. Im Außen wechseln vielleicht die beteiligten Personen oder die Umstände, aber die Essenz des Problems bleibt exakt die gleiche, weil es Dein Problem ist, das Du in Deinem Bewusstsein mit Dir herumträgst und es nur dann loswirst, wenn Du es löst. Solange Du die Wurzel Deines Problems nicht zu packen kriegst, wird Dein Leben weiter von Deinem Problem überschattet bleiben. Deinem Verstand ist es zwar möglich, in die Zukunft auszubüxen und zu denken „es wird schon alles irgendwann von allein besser werden“ oder aber in der Vergangenheit herumzusumpfen in den Gedanken wie „früher war alles besser“. Aber wenn Du jetzt nichts unternimmst, wird genau das auch in Zukunft immer Dein „Normalzustand“ bleiben: Gedanken an eine Zukunft und an eine Vergangenheit, die beide „besser“ sind als der unglückliche Moment. Da heißt: Du wirst immer im Moment unglücklich bleiben, was zur Folge hat, dass Du nie wirklich im Moment leben kannst und damit vielleicht die besten Chancen für Glück verpasst. Und das wird für den Rest Deines Lebens so sein, wenn Du nicht irgendwann die Kurve kriegst.

Innere Prozesse brauchen ihre Zeit

Wenn Du dann irgendwann die Kurve kriegen solltest, dann wirst Du so sehr unter Druck stehen, dass Du sofort eine Veränderung herbeiführen wollen wirst. Insofern habe ich eine ganz schlechte Nachricht für Dich: Innere Veränderungsprozesse brauchen ihre Zeit. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass sie viel länger brauchen, als es einem lieb ist, insbesondere weil sich dabei immer noch Schleifen am Rande auftun können: Manches Problem kann man erst auflösen, wenn man vorher noch andere Schichten, die darüber liegen, durchdrungen hat. Außerdem kann sich herausstellen, dass Dein Dir bewusstes Problem seine Wurzel in einer Schicht hat, die noch weiter unten in Deinem Bewusstsein liegt. Will heißen: Innere Arbeit ist eine Expansion in die unbekannten Tiefen des eigenen Bewusstseins, die mehr Material hervorbringen kann, als auf den ersten Blick zu erkennen ist. Bis sich wirklich etwas im Außen verändern kann, muss man unter Umständen sehr breit und sehr tief graben. Und wenn man dann die Wurzel allen Übels endlich zu packen gekriegt hat und das Problem an dieser Wurzel auch wirklich gelöst hat, dauert es noch mal so seine Zeit, bis sich diese Veränderung tatsächlich auch in Deinem Leben im Außen manifestiert.

Ich weiß, dass das nicht sexy klingt, aber es führt kein Weg daran vorbei: Es ist die Wahrheit! Warum ich mir so sicher bin? Weil ich selbst auf meinem eigenen Weg, der bereits im Jahre 2005 – also lange vor meiner Krise – begonnen hat, sechs Jahre damit zugebracht habe, meine Probleme auf der Oberfläche und im Grenzbereich kurz darunter lösen zu wollen. Und wohin hat mich das gebracht? Direkt in die Krise! Heute denke ich: Hätte ich doch bloß früher angefangen, tiefer zu graben! Konnte ich aber nicht, weil ich den Weg nicht kannte und auch nicht früher gefunden habe, weil ich auf niemanden gestoßen bin, der mir all das hat erklären können, was ich hier aufschreibe.

Welche Krise mit Sicherheit entstehen wird, wenn Du untätig bleibst

Meine eigene Krise sieht von außen wahrscheinlich recht „dramatisch“ aus, ist sie aber gar nicht, wenn ich mir die landläufige Alternative ansehe. Denn tatsächlich glaube ich, dass fast jeder Mensch eine viel tiefgreifendere Krise im Laufe seines Lebens durchlaufen muss. Nur erscheint das von außen als so „normale“ Erfahrung, dass niemand auf die Idee kommen würde, diese Erfahrung als „Krise“ zu bezeichnen. Trotzdem mache ich drei Kreuze, weil ich mir sicher bin, dass ich diese „normale Krisen-Erfahrung“ nicht werde machen müssen angesichts der Tatsache, dass ich die entsprechenden Themen innerlich schon weitestgehend abgearbeitet habe.

Vielleicht ahnst Du schon, worauf ich hinaus will: Ich spreche hier von der Angst vor dem Tod, die Dir unweigerlich entweder mit zunehmendem Alter früher oder später – meist beginnend ab etwa dem sechzigsten Lebensjahr – nach und nach bewusst werden wird oder aber in Dir durch eine schwere physische Krankheit vorher aktiviert werden wird. Denn gleichgültig, ob es Dir bewusst ist oder nicht: Die Angst vor dem Tod ist schon in Dir; es ist nur eine Frage der Zeit, bis sie in Dein Tages-Bewusstsein steigt. Warum? Weil Du innerlich weißt, dass Du irgendwann sterben wirst, einfach weil jeder Mensch irgendwann sterben muss. Deshalb ist das Wissen um den irgendwann anstehenden Tod in Dir, egal ob Dir das bewusst ist oder nicht.

Die Angst vor dem Tod hat zwei Facetten. Zum einen ist da die bange Frage: Was passiert danach? Wie wird es sich „anfühlen“, tot zu sein? Oder bin ich danach einfach komplett „ausradiert“?

Die andere bange Frage ist: Habe ich mein Leben sinnvoll gelebt? Habe ich alles erledigt, was ich erledigen wollte? Habe ich alles erlebt, was ich erleben wollte? Bin ich mit mir selbst im Reinen?

Diese beiden Fragen zusammengenommen, sind eine solch dicke Packung, dass die meisten Menschen den ganzen Komplex am liebsten von sich wegschieben und verleugnen. Aber was glaubst Du, wie es um die eigene Lebensqualität bestellt ist, wenn ein nicht unerheblicher Anteil der eigenen Kraft und Aufmerksamkeit darauf verwandt wird, ein solch existentielles Thema zu verleugnen? Glaubst Du wirklich, dass man so einen beschaulichen Lebensabend verbringen kann?

Was aber das größte Problem an der ganzen Geschichte ist: Je länger man das alles verleugnet, desto weniger Zeit verbleibt einem, die verbleibende Lebenszeit sinnvoll und zielgerichtet zu nutzen und mit sich selbst ins Reine zu kommen. Deshalb wird mit zunehmendem Alter automatisch auch die Bereitschaft sinken, sich mit den eigenen Problemen auseinanderzusetzen. Verschwinden die Probleme dadurch? Gewiss nicht! Im Gegenteil: Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass sie einem dann erst recht um die Ohren fliegen!!! Hast Du mal darüber nachgedacht, wie viele alte Menschen allein im Altersheim sitzen und nie Besuch bekommen???

Vor diesem Hintergrund frage ich Dich noch einmal: Wie lange noch willst Du den zentralen Problembereich Deines Lebens ungelöst vor Dir herschieben? Willst Du wirklich, dass er Deine Lebensqualität noch so lange überschattet, bis es für eine Lösung zu spät ist?

Das zwiespältige Ding mit der Geduld

Ich höre oft: „Das braucht Geduld und wird sich schon zurechtruckeln.“ So einfach ist es ganz sicherlich nie! Zwar ist es richtig, dass man Geduld mitbringen muss, wenn man etwas in seinem Leben ändern will. Denn – wie oben geschrieben – innere Prozesse brauchen so ihre Zeit. Aber Geduld allein kann nie zu konstruktiven Ergebnissen führen. Die Kunst besteht vielmehr darin, die richtige Mischung zwischen verschiedenen Qualitäten von Aktivität und Geduld zu finden. Was ich damit meine, lässt sich am besten mit der Tätigkeit eines Gärtners vergleichen, der bestimmte Früchte ernten will:

Ein Gärtner, der Früchte ernten will, wird sich im ersten Schritt daran machen müssen, die Erde dafür vorzubereiten, dass er dort säen kann: Er wird alte Pflanzenreste wie Wurzeln und alte Blätter ebenso wie Unkraut entfernen und die Erde auflockern. Außerdem wird er die Erde vielleicht auch noch düngen. Als nächstes wird er die Samen für neue Früchte in den Boden bringen und seine Neuanpflanzungen wässern. Dann heißt es, geduldig zu sein und abzuwarten. Denn es macht ganz gewiss keinen Sinn, die Samen auszubuddeln um nachzusehen, ob sie schon gewachsen sind. Genauso wenig macht es Sinn, an den Pflanzen zu ziehen, um das Wachstum zu beschleunigen, weil die Pflanzen dadurch nur Schaden nehmen können. Geduldig abzuwarten, bedeutet aber eben auch nicht, dass die Pflanzen sich selbst überlassen werden, sondern der gute Gärtner wird ein Auge darauf haben, dass er den Pflanzen ausreichend Wasser gibt und dass sie nicht von Schädlingen befallen werden. Auch wird er im Blick haben, wann der beste Zeitpunkt ist, seine Frucht einzufahren.

Nun stell Dir mal einen Gärtner vor, der nur geduldig abwarten würde: Der würde gar nichts tun. Trotzdem würde es auf seinem Feld natürlich kräftig wachsen, weil das ja der Lauf der Natur ist. Nur was würde der Gärtner irgendwann einmal „ernten“? Einen Wildwuchs, der aus den alten Pflanzenresten und dem Unkraut entstanden ist. Das heißt: Er erntet nur das, was er im Vorjahr auch schon geerntet hat. Die Frage ist: Ist das das, was er ernten wollte? Zusätzlich wird seine Ausbeute auch noch dadurch ausgebremst und reduziert, dass sich dazwischen Unkraut breit gemacht hat.

Die Fragen, die ich Dir nun stellen werde, liegen auf der Hand: Hast Du Dein Feld ordentlich bestellt? Hast Du die richtigen Samen gesetzt? Hast Du ein Auge darauf, dass sich diese Samen ungestört in prächtige Pflanzen entwickeln können? Wie reagierst Du, wenn Du merkst, dass äußere Einflüsse Deine Ernte gefährden? Vielleicht musst Du noch in der laufenden Saison kurzfristig neu disponieren???

Oder anders gefragt: Ist Dir bewusst, dass Du in jeder einzelnen Minute Deines Lebens darüber entscheidest, wie Deine Zukunft aussehen und was Du ernten wird? Wie möchtest Du im Alter leben? Was möchtest Du ernten?

 

Bildquelle: www.piqs.de „Weizenfeld“

KatrinNr. 72: Ist Dir bewusst, dass Du jede Minute Deines Lebens nur einmal leben kannst und dass jede einzelne Minute über den Verlauf Deines weiteren Lebens entscheidet?