Nr. 74: Ist Dir bewusst, dass es destruktiv ist, andere Menschen belehren zu wollen?

Himmel, was habe ich mir in den letzten Jahren an Belehrungen von anderen Menschen anhören müssen! Inhaltlich war alles dabei, was man sich so vorstellen kann: Dass ich mich in einer konkreten Situation falsch verhalten hätte oder aber anders verhalten sollte oder dass mit mir in gewisser Hinsicht oder ganz generell etwas nicht stimme bis hin sogar dazu, dass ich doch lieber wieder als Juristin arbeiten solle, anstatt mich dem Thema „Bewusstheit“ zu widmen. Meine Reaktion fiel in jeder Situation immer unterschiedlich aus, jedoch habe ich ein Grundproblem in allen Konstellationen gefunden, das eine vernünftige Verständigung immer unmöglich gemacht hat: Mein Gegenüber war sich offenbar nicht im Klaren darüber, dass Belehrungen „von oben herab“, die den anderen – in diesem Falle mich – in die Rolle des „dummen“ Schülers, der „wissend“ gemacht werden muss, drängen, per se destruktiv sind. Vor diesem Hintergrund schreibe ich diesen Artikel, damit Du insofern über Dein eigenes Verhalten reflektieren kannst.

Kritik ist OK, Belehrungen sind es nie!

Ich habe ein paar Male versucht, mich gegen die Belehrungen zu wehren, indem ich die darin enthaltene Kritik inhaltlich zurückgewiesen habe. Denn in jeder Belehrung steckt immer auch eine Kritik, und Kritik an sich ist völlig in Ordnung.

Der entscheidende Unterschied zwischen Belehrung und Kritik liegt darin, dass eine Belehrung ein Über-/Unterordnungsverhältnis herstellt, in dem einer der „überlegene“ Lehrer und der andere der „unterlegene“ Schüler ist. Konkret hört sich das dann wie folgt an: „Du hast Dich falsch verhalten!“ oder „Du musst das und das tun!“ oder „Mit Dir stimmt etwas nicht!“. Wenn Du da einen Richter heraushörst, liegst Du genau richtig, denn solche Belehrungen enthalten immer auch ein Urteil. Hingegen findet Kritik immer auf Augenhöhe statt und hört sich wie folgt an: „In dieser Situation habe ich mich mit Deinem Verhalten unwohl gefühlt!“ oder „Wenn Du so bist wie in dieser Situation, habe ich Schwierigkeiten mit Dir umzugehen!“ oder auch „Dein Verhalten gefällt mir nicht bzw. ich halte es nicht für konstruktiv!“. Kannst Du den Unterschied spüren? Kritik nimmt als Ausgangspunkt immer die eigene Reaktion auf ein bestimmtes Verhalten oder eine persönliche Bewertung, während Belehrungen den Anderen oder dessen Verhalten scheinbar objektiv „verdammen“ und für falsch erklären.

Es ist weniger die Wortwahl, die den Unterschied zwischen Belehrungen und Kritik ausmacht als die innere Haltung, die dahintersteht: Wer belehrt, erwartet, dass sich der andere fügt, unterordnet oder die Belehrung wie ein Untergebener befolgt. Er oder sie wähnt sich in der überlegenen Position. Wer hingegen kritisiert, erkennt an, dass bei aller möglicherweise sogar berechtigten Kritik gleichwohl die Augenhöhe gewahrt bleibt, was sich insbesondere darin zeigt, dass dem Anderen die Freiheit zugestanden wird, die Kritik auch zurückzuweisen.

Deshalb habe ich also auf manche Belehrung, die an mich herangetragen worden ist, einfach objektiv, sachlich und nüchtern so reagiert, als wenn sie Kritik sei, die ich dann meistens in der Sache zurückgewiesen habe. Dass ich es mit einer waschechten Belehrung zu tun gehabt hatte, habe ich dann daran gemerkt, dass mein Gegenüber insistierte, mich belehren und „ändern“ im Sinne von „umerziehen“ oder „bekehren“ zu wollen.

Das Problem mit dem „Helfen“ durch Belehrungen

Was ich nach Belehrungen, gegen die ich mich gewehrt habe, auch oft gehört habe: „Ich wollte doch nur helfen, ich habe es doch nur gut gemeint!“ Das ändert nur leider rein gar nichts daran, dass die für die vermeintliche Hilfe gewählte Form der Belehrung destruktiv ist! Vielmehr geriert sich der „Täter“ einer Belehrung auch noch als „Held“ und redet damit sein eigenes destruktives Verhalten „schön“. Das „Opfer“ ist damit nicht nur zum „dummen Schüler“ degradiert, sondern wird zusätzlich auch noch als „undankbar“ hingestellt. Wenn ich mit jemandem zu tun habe, der so reagiert, winke ich heute nur noch müde ab, weil ich weiß: Jedes weitere Gespräch ist zwecklos. Denn wer so etwas sagt, will niemanden helfen, sondern ist – natürlich unbewusst – allein mit sich selbst beschäftigt. Dazu, von welchen (durchweg alles andere als altruistisch geprägten) Motiven er oder sie getragen sein kann, werde ich gleich mehr schreiben.

Was an dieser Stelle jedoch noch festzuhalten, wichtig ist: Es ist in der Sache zutreffend, dass Belehrungen – wie jedes andere destruktive Verhaltensmuster auch – einen positiven Kern haben, und dieser positive Kern besteht genau darin, dass da jemand Anderen helfen und Andere mit seinem Wissen bereichern will. Wenn Du selbst also von Dir weißt, dass Du dazu neigst, andere Menschen belehren zu wollen, mach Dir bitte klar, dass Du damit potentiell über eine Ressource verfügst, die sehr wertvoll sein kann, wenn Du lernst, sie konstruktiv einzusetzen. Nur ist es eine wahre Kunst, anderen Menschen tatsächlich zu helfen, und die will gelernt sein. Denn als Hilfe kann nur etwas qualifiziert werden, was der Andere tatsächlich auch als hilfreich empfindet. Will heißen: Der Empfängerhorizont entscheidet darüber, was hilfreich ist und was nicht. Eine Belehrung ist jedoch nie hilfreich, weil sie den anderen nicht stärkt oder bereichert, sondern reduziert und klein macht. Wenn Du also anderen Menschen helfen willst, dann musst Du erst einmal lernen, wie das genau funktioniert! Solange Du das aber nicht beherrschst, hilfst Du jedem Menschen am meisten damit, dass Du Belehrungen unterlässt. Formulier das, was Du sagen willst, als Kritik, als Idee, als Anregung, als Hypothese, als Meinungsäußerung oder sonst wie als „Ich-Aussage“ = als Aussage über Deine Sicht auf die Dinge und überlass dem anderen die Entscheidung, ob er oder sie das annehmen will oder nicht.

Das Ego ist der Urheber der Anmaßung!

Vielleicht ist an den eben verwendeten Begriffen „umerziehen“ und „bekehren“ schon deutlich geworden, warum Belehrungen so destruktiv sind: Wer belehrt, nimmt für sich in Anspruch, einen „Erziehungsauftrag“ oder eine „Ermächtigung“ zu besitzen, die ihn über den anderen erhebt. Ein solcher Erziehungsauftrag existiert aber de facto lediglich im Verhältnis zwischen Eltern und deren unmündigen Kindern. Auch der Staat darf gegenüber seinen Bürgern nur dann maßregelnd und belehrend eingreifen, wenn es dafür eine entsprechende gesetzliche Ermächtigungsgrundlage gibt. Tatsächlich ist sogar der Erziehungsauftrag von Eltern gesetzlich geregelt. Sogar unser Rechtssystem geht also grundsätzlich davon aus, dass kein Mensch das Recht hat, sich über andere Menschen zu erheben und diese zu belehren. Warum laufen da draußen trotzdem so viele Menschen herum, die meinen, sie hätten einen Freibrief darauf, anderen Menschen zu sagen, was diese zu tun oder zu lassen haben?

Es ist das Ego eines Menschen, das in der Kindheit gelernt hat, dass es ein Machtverhältnis gibt, in dem einer (nämlich die Eltern) „oben“ und einer (nämlich das Kind) „unten“ ist. Wer belehrt, imitiert die Eltern und übt Macht aus; wer den Belehrungen anderer Menschen unreflektiert Folge leistet oder blind dagegen rebelliert, imitiert das Kind und beugt sich der vermeintlichen Macht bzw. begehrt dagegen auf. Die meisten Menschen schwanken zwischen diesen beiden Verhaltensweisen hin und her; es hängt jeweils vom Gegenüber ab, welche Position eingenommen wird. Alle drei Reaktionsweisen sind jedoch unreif. Wer erwachsen geworden ist, hat verinnerlicht, dass er selbst und andere Menschen gleichberechtigt auf der gleichen Stufe stehen und dass Belehrungen deshalb immer deplatziert sind. Wer einen Hang dazu hat, andere Menschen belehren zu wollen, hängt also nicht lediglich in einem Verhaltensmuster fest, sondern hat im „Machtgefüge“ der Welt noch nicht die eigene innere Mitte jenseits der Eltern- oder Kindrolle gefunden. Dieses Defizit an Reife lässt sich nicht „abtrainieren“, sondern erfordert einen umfassenden Reifungsprozess, auf den ich hier im Einzelnen nicht näher eingehen kann, weil dies hier den Rahmen sprengen würde.

Das Problem mit der Überlegenheit „kraft überlegenen Wissens“

Als wenn es nicht schon schwer genug wäre, diese machtbasierte „Eltern-/Kind-Psychodynamik“ zu überwinden, kommt erschwerend auch noch folgendes hinzu: Neben dem Über-/Unterordnungsverhältnis zwischen Kindern und Eltern gibt es ja auch unter Erwachsenen eine Art „Über-/Unterordnungsverhältnis“, das seine sachliche Berechtigung hat: Wer als Erwachsener von einem anderen Menschen etwas lernen will, muss sich in gewisser Weise einem Lehrer „unterordnen“ – dabei setze ich allerdings das Wort „unterordnen“ bewusst in Anführungszeichen. Denn unter Erwachsenen geht es allein darum, das überlegene Wissen eines Lehrers anzuerkennen und nicht etwa um eine Unterordnung als ganze Person. Eine gute Grundschullehrerin wird ihren Lehrauftrag mit minderjährigen Kindern ja auch anders ausfüllen als ein reflektierter Mensch, der Fortbildung für Erwachsene anbietet. Aber beide Konstellationen sind davon geprägt, dass da jemand ist, der mehr Wissen hat, deshalb anderen überlegen ist und anderen etwas beibringen kann.

Diese Dynamik spielt natürlich auch im Eltern-/Kind-Verhältnis eine Rolle, weil einige Eltern meinen, sie seien ihren Kindern in jeder Hinsicht und lebenslang vom Wissen her überlegen. Nur reflektierte Eltern erkennen an, dass der eigene „Wissensvorsprung“ mit zunehmendem Alter des Kindes immer kleiner wird, bis er dann irgendwann ganz verschwindet. Das ist eine Facette des oben angesprochenen Reifungsprozesses, die es in sich hat und die ich hier deshalb nicht vertiefen will. An dieser Stelle will ich deshalb bewusst nicht das Eltern-/Kind-Verhältnis, sondern das Lehrer-/Schüler-Verhältnis als Referenz nehmen. Denn was zeigt das Lehrer-/Schüler-Verhältnis? Wissen ist wertvoll!

Wer Wissen hat, das jemand anderes benötigt, hat etwas zu geben und ist deshalb „nützlich“. Auch deshalb maßen sich viele Menschen die Rolle des Lehrers an, damit sie selbst sich als wertvoll und nützlich erleben können. Dass sie damit gleichzeitig ihr Gegenüber als „dumm“ entwerten, merken sie nicht. Das ist übrigens eine Strategie, die insbesondere ältere Menschen liebend gern verfolgen: Sie vermitteln sich selbst damit das Gefühl, ihr Leben sinnvoll genutzt und „Weisheit“ gefunden zu haben. Das Problem nur ist: Was ist Weisheit? Wer sich darüber auch nur fünf Minuten Gedanken macht, wird schnell feststellen, dass es mit Blick auf ein konkretes Problem niemals eine allgemeingültige Weisheit geben kann, weil jeder Einzelfall anders gelagert ist und von objektiven wie subjektiven Besonderheiten geprägt ist. Abstrakte Sätze wie „Liebe ist intelligent!“ enthalten zwar Weisheit, aber diese Weisheit auf den konkreten Einzelfall angewendet kann zu unendlich vielen Lösungsmöglichkeiten führen. Ältere Menschen lieben es jedoch, eine konkrete Lösungsmöglichkeit, die sie für sich selbst gefunden haben, anderen und insbesondere jüngeren Menschen „überstülpen“ zu wollen, und zwar ungeachtet der Tatsache, ob die Problemstellung überhaupt identisch oder auch nur ähnlich ist. Fast genauso schlimm wie ältere Menschen sind Frauen mittleren Alters, die die Spiritualität für sich entdeckt haben: Nicht wenige von diesen Frauen meinen, dass sie alles verstanden haben, nur weil sie drei Bücher gelesen oder an drei Workshops teilgenommen haben. Oder weil sie den Wert ihrer Gefühle entdeckt haben. Oder weil sie eine mediale Gabe besitzen oder entwickelt haben. Ich denke nicht selten: „Vorsicht, liebe Damen! Überschätzt Euch bitte nicht! Haltet bitte für möglich, dass ihr falsch liegen könntet!“ Damit ermahne ich übrigens auch häufig genug und deshalb schon fast automatisch mich selbst.

Andere „erziehen“ wollen, um es selbst bequem zu haben

Belehrendes Verhalten ist oft auch dadurch motiviert, dass der selbst ernannte Lehrer sein Gegenüber so „hindressieren“ will, dass dessen Verhalten ihm selbst genüsslich ist. Wer zum Beispiel Probleme mit Wut oder mit Gefühlen generell Probleme hat, läuft Gefahr, anderen Menschen die Wut oder die Gefühle „aberziehen“ zu wollen so nach dem Motto: „Mit Dir stimmt was nicht, weil Du wütend, zu lebendig oder sonst was bist!“ Dahinter steckt die unverhohlene, aber natürlich oft unbewusste Botschaft: „Du musst so sein, wie es für mich bequem ist!“ Kannst Du spüren, wie übergriffig, anmaßend und egozentrisch so ein Verhalten ist? Da hat jemand ein Problem, das er oder sie nicht für sich selbst lösen will, sondern stattdessen erwartet, dass der Andere es löst, indem er sich ändert. Wer sich so verhält, benimmt sich wie ein Diktator mit absolutistischem Herrschaftsanspruch.

Das heißt natürlich nicht, dass man jedes Verhalten seines Gegenübers unwidersprochen hinnehmen muss, denn natürlich darf man sich gegen destruktives Verhalten wehren oder auch jedes andere Verhalten kritisieren. Wenn andere Menschen mich belehren wollen, reagiere ich zum Beispiel manchmal mit den Worten: „Ich habe gerade Schwierigkeiten damit, dass Du mich wie ein dummes, kleines Kind behandelst.“ Mit anderen Worten: Ich nehme mein eigenes Unwohlsein als Gesprächsaufhänger, anstatt dem anderen (ver-) urteilend um die Ohren zu hauen: „Du spielst Dich hier gerade zum Oberlehrer auf, und das ist destruktiv!“ Denn damit würde ich mich meinerseits ja zum Oberlehrer aufspielen.

Wie Du belehrendes Verhalten ablegen kannst

Für belehrendes Verhalten gibt es also – wie wir gesehen haben – drei Motive: Als erstes die blinde Imitation der elterngleichen Machtausübung bzw. der kindlichen Unterwerfung oder Rebellion, als zweites die Überhöhung des eigenen Wissens, um sich selbst als wertvoll und nützlich zu erleben, und als drittes die „Zurechtstutzung“ des anderen, um es selbst bequem zu haben. Wenn Du diese drei Motivationen so geballt nebeneinander siehst, merkst Du, dass diese Motive oft gleichzeitig am Werke sind. Trotzdem ist es sinnvoll, wenn Du bei Dir selbst reinspürst, was für Dich persönlich das stärkste Motiv ist, wenn Du mal in Belehrungen abgleitest. Denn dann hast Du konkreter vor Augen, wo Du ansetzen musst, um Dein eigenes Verhalten zu ändern. Wie oben schon geschrieben, geht es dabei meistens nicht um die bloße Auflösung eines Verhaltensmusters, sondern darum, die innere Haltung auf Gleichberechtigung auszurichten.

Das eigentliche Problem: Menschen, Verhalten und Situationen angemessen bewerten

Oben hatte ich schon geschrieben, dass der Aspekt des überlegenen Wissens eine entscheidende Rolle bei belehrendem Verhalten spielt. Die meisten Menschen scheinen auf der Basis der Annahme zu operieren, dass ihr eigenes Wissen und ihre eigenen Bewertungen allgemein maßgeblich oder – noch schlimmer – nicht zu toppen seien. Das ist immer eine Fehlannahme. Denn Wissen und Bewertungen speisen sich aus mehreren Faktoren, die kein Mensch vollständig beherrscht. Ich will sie hier lediglich in Frageform anreißen, damit Du selbst mal für Dich darüber nachdenken kannst, ob und inwieweit Du Deine eigenen Kompetenzen zutreffend einschätzen kannst.

Wie steht um Deine Wahrnehmungsfähigkeit?

Kannst Du Situationen, Menschen und deren Verhalten wirklich objektiv und umfassend wahrnehmen? Oder ist Deine Wahrnehmung ausschließlich auf Dich selbst fokussiert? Ist Dir schon mal aufgefallen, dass Deine Wahrnehmung einer Situation, eines Menschen oder dessen Verhalten durch Deine subjektiven Präferenzen gefärbt, eingeengt oder verfälscht ist? Weißt Du deshalb, dass Deine Wahrnehmung vielleicht nicht zu 100% und mit ziemlich großer Wahrscheinlichkeit sogar zu einem deutlich geringeren Anteil zuverlässig ist? Vielleicht solltest Du Dir erst einmal anhören, wie Dein Gegenüber die Situation wahrgenommen hat, bevor Du ihn mit einer Belehrung beglückst?

Bist Du in jeder Hinsicht mit konstruktiven mentalen Konzepten unterwegs?

Jede Bewertung basiert immer auf einem mentalen Konzept. Insofern habe ich schon oft festgestellt, dass Menschen mit destruktiven Konzepten unterwegs sind und trotzdem meinen, alles bewerten zu können. Vor diesem Hintergrund frage ich Dich: Hast Du Dir alle mentalen Konzepte bewusst gemacht, auf deren Basis Du Bewertungen vornimmst? Hast Du sie einer Betrachtung darauf hin unterzogen, ob sie tatsächlich konstruktiv sind? Hältst Du für möglich, dass andere Menschen insofern andere Konzepte vertreten als Du? Ist Dir klar, dass Menschen anderer Meinung sein dürfen als Du?

Hast Du Zugang zu Deinen eigenen Gefühlen?

In belehrendes Verhalten flüchten sich am liebsten Menschen, die wenig oder gar keinen Zugang zu ihren eigenen Gefühlen haben. Diese Menschen benutzen ihre „Lehrsätze“, die sie anderen aufdrücken wollen, auch für sich selbst, um irgendwie Orientierung im Leben zu finden. Diese Funktion haben nämlich Gefühle im Gesamtgefüge eines Bewusstseins: Gefühle geben Orientierung. Und wer seine Gefühle nicht fühlen kann, sucht in mentalen Konzepten eine „Ersatz-Orientierung“, die allerdings nach meinen Beobachtungen immer in die Irre führt. Denn selbst konstruktive Konzepte werden in dem Moment destruktiv, wenn sie im falschen Zusammenhang angewendet werden. Wer keinen Zugang zu den eigenen Gefühlen hat, ist nach meinen Beobachtungen im totalen Blindflug durch das Leben unterwegs und sollte erst recht davon Abstand nehmen, andere Menschen zu belehren! Tatsächlich ist es so: Wer Zugang zu den eigenen Gefühlen hat, weiß, wie unangenehm sich das anfühlt, von anderen Menschen „geschulmeistert“ zu werden, und wird genau deshalb davon Abstand nehmen.

Ein letztes Wort zum Schluss von meiner Seite

Während ich diesen Artikel geschrieben habe, ist mir noch einmal in aller Deutlichkeit bewusst geworden, wie kompliziert manche Lebenssachverhalte nur dadurch werden, dass sich Menschen ihrer selbst nicht ausreichend bewusst sind. Denn über alles, was ich hier geschrieben habe, könnte man sich im Einzelfall kontrovers auseinandersetzen, und aus jeder Auseinandersetzung könnte jeder theoretisch lernen und daran wachsen. Davon nehme ich selbst mich übrigens nicht aus, weil ich mich keineswegs für unfehlbar halte. Außerdem ist mir mehr als den allermeisten anderen Menschen bewusst, dass jeder Mensch einen Bereich hat, in dem ihm niemand – nicht einmal Eltern – hineinzureden haben, was viele Menschen nicht respektieren. Aber Auseinandersetzung funktioniert eben nur dann, wenn beide Beteiligten bereit und offen dafür sind, sich mit anderen Menschen auch wirklich auseinanderzusetzen. Das funktioniert aber nicht, wenn einer für sich die Pose des Oberlehrers in Anspruch nimmt, der von sich meint, die Weisheit mit Löffeln gefressen zu haben. Wie ist es mit Dir?

Glaubst Du, dass Du selbst schon unfehlbar und deshalb zum Oberlehrer berufen bist? Oder willst Du noch wachsen und dazulernen?

 

 

 

Bildquelle: www.piqs.de „picture in a picture…..any questions ???“

KatrinNr. 74: Ist Dir bewusst, dass es destruktiv ist, andere Menschen belehren zu wollen?