Nr. 27: Wissen Sie, warum es richtig und wichtig ist, dass Sie über Ihre Wünsche nachdenken? Und diese auch umsetzen?

Die meisten Menschen leben ihr Leben in einer Art Schlafmodus: Tagein, tagaus machen sie das, was sie schon immer gemacht haben, und zwar auch immer genau auf die gleiche Art und Weise, wie sie es schon immer gemacht haben. Gewohnheit und Routine vermitteln Sicherheit. Veränderung wird als Gefahr und nicht als Chance gesehen. Die Bequemlichkeit tut ihr Übriges. In Bewegung kommt nur, wer den Leidensdruck nicht mehr aushält oder durch die äußeren Umstände zu Veränderung gezwungen wird. Und ist dann das Schlimmste überstanden, verfallen die meisten wieder in den gewohnten Schlafmodus. Aus eigener leidvoller Erfahrung weiß ich: Wer allzu sehr so lebt und denkt, tut sich damit selbst keinen Gefallen, weil er schnurstracks in eine tiefe Krise führen kann. Oder aber – was ich mir noch viel schlimmer vorstelle – man stellt auf dem Todesbett fest, dass man wichtige Wünsche nicht einmal versucht hat zu verwirklichen.

Das göttliche Paradox in Sachen „Wünsche“

Das mit den Wünschen ist ja aus spiritueller Sicht umstritten: Einerseits formulieren insbesondere die fernöstlichen Weisheitslehren den Anspruch, man müsse wunschlos und obendrein auch noch wunschlos glücklich sein. Andererseits ist in der westlichen New-Age-Szene geradezu ein Hype um „Wünsch-Dir-was“-Methoden entstanden, der suggeriert, man könne sich beim Universum alles bestellen, was das Herz begehrt: Männer, Autos, Jobs, Reichtum und was sonst noch alles. Die Wahrheit liegt – wie fast immer – in der goldenen Mitte.

Das Postulat der Wunschlosigkeit ist selbst für sehr hoch entwickelte Menschen ein Ding der Unmöglichkeit. Es liegt in der Instinktnatur des Menschen begründet, dass er Wünsche hat. Wer trotzdem versucht, so zu tun, als ob er/sie wunschlos glücklich ist, weil es so schön demütig, bescheiden oder bequem ist, macht sich selbst etwas vor. Und solch ein Selbstbetrug kann nie zu guten Ergebnissen führen, weil er die Seele spaltet zwischen dem bewussten Denken der Wunschlosigkeit einerseits und den unterbewussten Wünschen andererseits. Spaltungen in der Seele erzeugen immer Leid, nur Einheit bringt Heilung und Wohlbefinden. Es ist mit anderen Worten gesünder, zu den eigenen Wünschen zu stehen, als den Heiligenschein der Wunschlosigkeit mit sich herumzutragen.

Die vielen „Wünsch-Dir-was“-Methoden des New Age haben das im Grundsatz verstanden, nur machen die meisten dabei einen grundlegenden Fehler: Sie übersehen, dass es nicht das Universum ist, das die Wünsche erfüllt, sondern das eigene Bewusstsein. Will heißen: Es können nur diejenigen Wünsche in Erfüllung gehen, die mit dem eigenen Bewusstsein kompatibel sind. Denn im Bewusstsein steckt die göttliche Schöpferkraft eines Menschen. Und das Bewusstsein eines Menschen schafft pausenlos, ob man das mitkriegt oder nicht. Alles, was Sie jetzt in Ihrem Leben haben, haben Sie sich mit Ihrem Bewusstsein erschaffen. Will heißen: Auch wenn es Ihnen nicht bewusst ist, entspricht Ihr Leben, so wie es im Moment ist, den „Wünschen“ Ihres Bewusstseins. Dass das nicht mit den Wünschen, die Sie auf der bewussten Ebene pflegen, übereinstimmen mag, steht auf einem anderen Blatt. Wer die Erfüllung seiner Wünsche  erreichen will, muss also sein Bewusstsein darauf ausrichten, dass es dafür kompatibel ist. An dieser Stelle gibt es einige Klippen, die ich hier kurz skizzieren will.

Wünsche, die ausschließlich aus dem Ego stammen, können nicht in Erfüllung gehen!

Ihr Bewusstsein kann Ihnen diejenigen Wünsche erfüllen, die Ihrer Seele entspringen. Wünsche, die aus dem Ego kommen, bleiben unerhört. Was aber ist der Unterschied zwischen einem Seelenwunsch und einem Wunsch aus dem Ego? Hinter einem Seelenwunsch steckt das Herzensbedürfnis, eine bestimmte Erfahrung zu machen und sich selbst in einem bestimmten emotionalen Zustand zu erleben. Denn das ist einer der Gründe, warum eine Seele auf die Erde inkarniert: Um bestimmte emotionale Erfahrungen zu machen und sich selbst zu „er-leben“. Qualitativ besteht unsere Seele aus Gefühlen, die gefühlt werden wollen. Ego-Wünsche hingegen werden ausgelöst durch Ansprüche, die das Ego stellt. Um ein konkretes Beispiel zu geben: Wer sich wünscht, einen Porsche zu führen und dicke Goldketten am Handgelenk zu tragen, um sich so cool und frei wie David Hazelhoff zu fühlen, hat gute Chancen auf Erfüllung. Wer hingegen damit zeigen will, dass er/sie „es geschafft hat“ oder „besser ist als andere“ oder „etwas Besonderes“ ist – was allesamt Wünsche des Egos sind –, wird damit keinen Erfolg haben. Ich selbst habe diese Tatsache live und in Farbe am eigenen Körper erleben dürfen, als ich mit Hochdruck meinen Ego-Wunsch verfolgt habe, einen neuen juristischen Job zu ergattern, obwohl meine Seele sich dagegen gesträubt hat. Keine Chance! Ich bin aus abenteuerlichsten Gründen in den Bewerbungsverfahren gescheitert, die oft gar nichts oder nur sehr wenig mit meiner Person zu tun hatten. Gleichzeitig bin ich mir aber auch sicher, dass es der Wunsch meiner Seele war, in meiner ersten Lebenshälfte eine juristische Karriere zu erleben. Denn für keiner der drei juristischen Jobs, die ich in meiner ersten Lebenshälfte ausgeübt habe und die durch die Bank ausgesprochen attraktiv und auf Karriere ausgerichtet waren, habe ich je eine Bewerbung geschrieben. Sie sind mir allesamt in den Schoß gefallen, obwohl ich selbst innerlich gar nicht so sehr auf Karriere aus war. Es war mein Ego, das bei diesen attraktiven Jobs, die mir auf dem Silberteller serviert worden sind, zugegriffen hat.

Wenn Sie also erfolgreich wünschen wollen, sollte Ausgangspunkt Ihrer Überlegungen sein: „Was möchte ich in diesem Leben noch er-leben? Welche Gefühle will ich in diesem Leben noch erfahren?“

Unbewusste und deshalb unerfüllte Wünsche können früher oder später direkt in die Krise oder in die Krankheit führen

Aus meiner eigenen Lebenserfahrung habe ich verstanden, dass es nicht nur richtig, sondern auch wichtig ist, sich der eigenen Wünsche und Bedürfnisse bewusst zu werden. Denn nur dann kann man sein Leben sinnvoll steuern. Wenn ich im Nachhinein zurückschaue, kann ich sehr genau erkennen, wie ich meine Krise selbst herbeigeführt habe, weil ich in der ersten Hälfte meines Lebens nur sehr wenig von dem gelebt habe, was mir wirklich wichtig ist. Stattdessen habe ich meine Zeit damit verschwendet, mein image-gieriges Ego zu befriedigen. Als ich das so nach und nach erkannt habe, habe ich den Absprung trotzdem irgendwie nicht geschafft, auch deshalb nicht, weil ich nicht wusste, wie ich es anstellen sollte, mein Leben zu ändern. Als dann mit meinem Jobverlust die Krise über mich „hereinbrach“ (tatsächlich ist sie ja nicht über mich hereingebrochen, sondern sie war die Konsequenz der jahrzehntelangen beharrlichen Verleugnung meiner Wünsche und Bedürfnisse), ist dementsprechend fast mein gesamtes Leben zusammengebrochen. Da erst habe ich erkannt, in welch massivem Ausmaß ich mich selbst verleugnet hatte. Dabei war mir immer klar, dass ich es noch einigermaßen gut getroffen hatte. Denn andere Menschen, die eine weniger robuste Gesundheit haben, holt die Krise ein in Form einer ernsthaften Krankheit. Und dann ist es vielleicht für alle Wünsche zu spät…

Diese krisenhafte Entwicklung lässt sich „psycho-logisch“ erklären: Jeder Wunsch – egal, ob groß oder klein – der unerkannt und deshalb unerfüllt bleibt, löst unbewusst Frust und Ärger aus. Dieser Frust und Ärger setzen sich – natürlich auch unbewusst – in der Seele fest, und je mehr Wünsche unerfüllt sind, desto größer wird dieses unbewusste Reservoir an Frust und Ärger. Und je mehr dieses unbewusste Reservoir anwächst, desto mehr zieht es andere frustrierende und ärgerliche Erfahrungen an. So will es das Gesetz der Resonanz: Gleiches zieht Gleiches an. Und wer unbewusst viel Frust und Ärger mit sich herumträgt, zieht eben noch mehr Frust und Ärger an. Dadurch wird der Mangel an Erfüllung dann immer, immer größer. Um genau diesen Teufelskreis zu vermeiden, ist es empfehlenswert, immer ein Auge darauf zu haben, ob das Leben den eigenen Wünschen und Bedürfnissen entspricht. Und wenn dem nicht so ist, kann man gezielt darauf hinarbeiten, in sich selbst die Voraussetzungen für die Erfüllung der eigenen Wünsche herzustellen.

Für die Wunscherfüllung gelten außerdem besondere spirituelle Gesetze: Je länger ein Wunsch verleugnet worden, desto länger muss man warten, bis seine Erfüllung eintritt, nachdem er bewusst geworden und formuliert worden ist. Das hat mit dem Teufelskreis, den ich eben beschrieben habe, zu tun, in den man aufgrund der vielen – wenn auch vielleicht nur unbewussten – Frustrationen gerät. Dieser Teufelskreis ist nämlich umso fester im Bewusstsein verankert, je länger man ihn (bewusst oder unbewusst) praktiziert hat. Deshalb dauert die Neuprogrammierung entsprechend länger. Erfüllung kann außerdem nur erfahren, wer optimistisch, zuversichtlich, entspannt, geduldig, ja demütig abwarten kann. Diese innere Haltung in sich zu kultivieren, wenn man eigentlich nur Frustration erlebt, ist gar nicht so einfach.

Die größte Hürde: Innere Blockaden!

Die größte Hürde zur Erfüllung, die von den meisten New-Age-Wünsch-Dir-was-Konzepten übersehen wird, ist aber:  Wer innere Blockaden mit Blick auf das gewünschte Ergebnis hat, bremst sich selbst aus; der kann bestimmte Erfahrungen unmöglich machen. Worin diese Blockaden bestehen, ist eine Frage des Einzelfalles. Dafür gibt es keine allgemein gültigen Regeln. Allerdings ist mit großer Wahrscheinlichkeit in den allermeisten Fällen eine Blockade dabei, und das sind Minderwertigkeitskomplexe: Mit dem nagenden Gefühl, das gewisse Etwas – sei es Liebe, Sorglosigkeit in finanzieller Hinsicht oder Erfüllung in beruflicher Hinsicht – nicht verdient zu haben, schlägt sich in der einen oder anderen Hinsicht fast jeder Mensch herum. Es gilt, sich diese Blockaden bewusst zu machen, und durch gezielte Neuprogrammierung des Bewusstseins zu beseitigen. Tatsächlich plagen sich nicht viele Menschen schon damit herum, dass sie sich Wünsche gar nicht erst zugestehen! Ich werde nie vergessen, als mich noch relativ zu Beginn meiner Krise ein Freundin von mir fragte: „Was wünscht Du Dir für Dein Leben?“ Ich bin in Tränen ausgebrochen, weil mir zum ersten Mal in meinem Leben jemand diese Frage stellte!!! Und tatsächlich konnte ich diese Frage auch nicht beantworten!

Typische unbewusste Wünsche und Bedürfnisse

Um Ihnen die Suche nach den eigenen Wünschen und Bedürfnissen zu erleichtern, will ich Ihnen ein paar Beispiele dafür geben, welche Wünsche und Bedürfnisse, aber auch Blockaden nach meinen Beobachtungen von vielen Menschen in das Schattenreich der Verleugnung verbannt werden:

Allen voran steht der Wunsch nach Liebe, Nähe und Intimität, der den allerwenigsten Menschen bewusst ist. Das hat damit zu tun, dass die Kompensationsmechanismen für einen Mangel an Liebe sehr verbreitet und gesellschaftlich akzeptiert sind und deshalb selbstverständlich erscheinen. Tatsächlich haben allerdings auch die allermeisten Menschen Angst für Nähe und Intimität (nicht Sexualität!). Dabei ist beides untrennbar mit Liebe verbunden. Solange diese Angst unbewusst bleibt, muss der Wunsch unerfüllt bleiben.

Spiritualität ist ein weiteres Bedürfnis, das von vielen Menschen verleugnet wird. Spiritualität steht irgendwie in dem Ruf, „uncool“, „von gestern“ oder „naiv“ zu sein. Viele verbinden das auch mit dem autoritären Gottesbild, das insbesondere die katholische Kirche jahrhundelang verbreitet hat, und wehren sich gegen den Gedanken, sich einer solchen Autorität zu unterwerfen. Das ist der größte Irrtum! Moderne Spiritualität ist streng logisch, setzt in hohem Maße auf Selbstverantwortung und hat die denkbar größte persönliche Freiheit zum Ziel. Insbesondere Jesus Christus wollte die Menschen in die Freiheit führen!!!

Und genau diese Freiheit ist ein weiteres Bedürfnis, das in vielen unbewusst rumort. Damit meine ich nicht äußerliche Unabhängigkeit, sondern wirklich innere Freiheit. Wer ein vages Gefühl der Unzufriedenheit in sich spürt, obwohl im Außen vielleicht alles zum Besten steht, tut gut daran, sich zumindest einmal mit Spiritualität zu beschäftigen.

Weitere wichtige Bedürfnisse sind das Bedürfnis nach Selbstausdruck im Allgemeinen – sei es über Freizeitaktivitäten wie Malen, Tanzen, Schreiben, Theaterspielen – und das Bedürfnis nach einer dem eigenen Wesen entsprechenden beruflichen Selbstverwirklichung im Speziellen. Denn Selbstausdruck ist die Möglichkeit, die eigene Lebendigkeit zu entfalten. Und nur wer lebendig ist, ist wirklich am Leben. Wer hier in die Irre läuft, dem kann das Gleiche wie mir passieren.

Meine abschließenden Frage an Sie: Was wünschen Sie sich für Ihr Leben? Ist Ihnen bewusst, was Sie noch für sich „er-leben“ wollen? Was wollen Sie heute noch tun, um der Erfüllung Ihrer Wünsche näher zu kommen? Denn wenn Sie heute nicht damit anfangen, kann es irgendwann zu spät dafür sein!

 

 

Bildrechte: Karl Dichtler „Wünsch“; Bildquelle: www.piqs.de

 

KatrinNr. 27: Wissen Sie, warum es richtig und wichtig ist, dass Sie über Ihre Wünsche nachdenken? Und diese auch umsetzen?